Bey Beerdigung Fr. A. R. v. K. g. S. den 6. Novembr. 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Es sey nunmehr daß uns des Winters Zahn

Der Wälder Zier der Felder Purpur raubet;

Es steh verwüst der Flore Garten Plan

Der Baum gantz nackt entgipffelt unbelaubet

Die Lufft sey Schnee der Himmel kalt

Die Brust der Erden ungestalt

Und waß vor lieblich hieß ersterb itzt auff der Bahre

Hiemit den Untergang zu zeigen von dem Jahre.

Es hemmet sich der Sonnen güldnes Rad

Und diß was bleibt sind nichts als lange Nächte;

Ach daß doch nicht von unsrem Lebens-Pfad

Der bleiche Tod ein gleiches Beyspiel brächte!

Hoch-Edler Herr des Hauses Sonn

Und seiner Seelen Lust und Wonn

Sinck’t bey gekürtztem Tag jetzt in des Todes Schatten

Und Thränen bleiben nur dem Grabmahl abzustatten.

Ach schwartzer Tag! Ach aus der Tage Zahl

Verworffner Tag auff ewig auszustreichen!

Ach Licht voll Angst! Ach Anblick voller Quahl!

Sein ander Hertz und Leben wird zur Leichen.

Der Redner Kunst der Wörter Pracht

Und was sonst Schmertzen linder macht

Verschwindet hier da ist kein Pflaster mehr zu finden

Daß diese Wunde kan durch kluge Cur verbinden.

Ich seh umb ihn so eine schwartze Nacht

Als einsmahls nicht Egypten überfallen

Wie jeder Stern sich zum Cometen macht

Wie Ach und Weh ohn Unterlaß erschallen!

Denn der Verlust ist allzugroß

Es ist zu schwer der Seelen Stoß!

Es klage wer da wil bey heiß entbrandten Schmertzen

Ich weiß die Schmertzen gehn ihm peinlicher zum Hertzen.

Stand Glück und Gut ersetzet noch die Zeit.

Ein solch Gemahl vom Himmel auserkohren

Die fromm und klug zu wandeln nur gebohren

Und die verkehrt in Zucker Weh und Leyd

Der Sorgen Last auff sich gelegt

Und nichts als ihrem Mann gepflegt

Wird wol Alcestens Treu und Porciens beschämen

Es könte noch die Welt hier ein Exempel nehmen.

Es zeigt uns auch der Zeiten grauer Mund

Ein Wunderspiel von ungemeiner Liebe:

Daß einer war biß auf den Tod verwundt

Wenn sein Gemahl nicht immer bey ihm bliebe.

Jhr Fuß betrate nie die Schwell

Er küste stets dieselbe Stell

Und auch ihr Schleyer must ihm seine Brust verhüllen

Wenn sein Verlangen ja sonst anders nicht zu stillen.

Hoch-Edler Herr jedwede Stund und Ort

Unläugbahr ist zeigt nichts als Jammer-Blicke.

Was Pfeilen gleich sein Hertze gantz durchbohrt

Macht wenn er denckt an seinen Schatz zurücke.

Der Witz der trefliche Verstand

Das Garn was seine Seele band

Die seltne Frömmigkeit und tausend andre Gaben

Die muß er noch vor sich in einem Spiegel haben.

Wie steht sein Land das sie so wohl gebaut?

Sein Paradieß ist eine dürre Wüste;

Und wo nur hin sein nasses Auge schaut

Da weiset sich ein schwartzes Traur-Gerüste.

Jhr Blick der alles hat erfreut

Auch bey betrübter Jahres-Zeit

Hat sich in Demmerung der Todes Nacht verzogen

Man siht nun weiter nicht den Reg’ und Segens Bogen.

Es bleibt dabey ein Weib das ehrlich liebt

Das so viel Treu erweist durch solche Proben

Das vor den Mann Gut Blut und Leben gibt

Muß auch der Neid so alles tadelt loben

Es stirbt mit Lust der Plautius

Eh er sein Weib entbehren muß.

Und Grachus wird mit Fleiß zu Haus die Schlang’ erdrücken

Umb nur das Lebens-Ziel der Frau nicht zu verrücken.

Hat Aberglaub’ hier all zu viel gethan

So läst man auch den Wahn der Zeiten fahren

Hoch-Edler Herr er nehm’ ein grössers an

Und würde sich nicht auffzuopffern spahren.

Wenn GOtt und Brauch diß Thun erlaubt

Wanns noch kein Christen-Mensch geglaubt

Daß man für Todte soll sich lebendig begraben

Und daß sie durch die Art ein schöner Denckmahl haben.

Kein Marmel nicht und Alabaster Zier

Ja aller Schmuck den Pracht den Gräbern schencket

Stellt uns das Bild der Abgelebten für.

Der Tempel wo ihr recht Gedächtnüß hencket

Ist kein Gepräng und aussen-Schein:

Sie ruht in seines Hertzens Schrein

Denn wo sie Anfangs hat die Regung überkommen

Da hat sie auch zu letzt die Ruhestatt genommen.

Es stirbt auch nicht der Tugend Trefflichkeit

Sie macht sich selbst unsterblich in Gemüthern.

Wenn was die Welt hochschätzet tilgt die Zeit

So bleibt sie doch der Schatz von allen Gütern.

Der Liebsten herrlich Ehren-Ruhm

Jhr Kleinod Schmuck und Eigenthum

Wird desto sichtbahrer in seinen Augen schimmern

Wenn schon der Leib verwest in den gewölbten Zimmern.

So denck er auch war vormahls eine Lust

Und Seelen Ruh der Liebsten sorgsam wachen?

Hat er sein Hauß mit Heil bethaut gewust

Fing wo sie ging fast alles auch zu lachen?

Das alles hier wie schön’ es sey

Nicht von des Todes Anfall frey

Und daß woran wir offt die meist’ Ergetzung finden

Wird untern Händen uns im Augenblick verschwinden.

Ich leugne nicht der beste Lebens-Trost

Und auch zugleich der Faden ist zerschnidten.

Wenn aber ist der Himmel so erbost?

Wer hat jemahls so harten Sturm erlidten

Daß er nicht an den Hafen schwimmt

Und Hülff’ ihm noch zur Rettung kömmt?

Wenn Blitz und Untergang auff unsre Scheitel krachen

So werden sie den Tag der folget lichter machen.

Hoch-Edler Herr wie jetzt des Winters-Zeit

Mit Eyß und Schnee der Felder Arbeit decket.

Nicht anders ist auch diese Sterblichkeit

Wenn uns der Frost des kalten Todes strecket.

Diß ist des Jahres letzter Schluß

Den jeder Mensch erwarten muß.

“am besten wenn wir diß gehorsam nur belieben

&q;Was GOttes Allmacht schon von Anfang vorgeschrieben.