Bey Beerdigung Fr. H. F. g. J. den. 2. Octobr. 1675.
Entbrichst du dich der Erden Höle
Und suchst das unumschriebne Licht
Du Tugend-Weib du edle Seele
Gefällt dir dieser Nothstall nicht?
In dem dein Leib hier eingespannet?
Eilst du des Himmels Freyheit zu
Und legst vom Sterben übermannet
Die mürben Glieder zu der Ruh?
Ach ja du weist daß diese Hütten
Aus schlechtem Leim seyn auffgebaut
Daß Zeit und Zufall sie zerrütten
Und man daran nichts ewigs schaut;
Es reisset jeder Tag und Stunde
Vom Bau des Lebens etwas ein
Da gehn wir ärmsten auch zu Grunde
So bald wir nur gebohren seyn.
Der Tod fällt nicht nur graue Jahre
Und die beschneiten Häupter an.
Der Jugend krause locken Haare
Und was beheglich heissen kan
Der Augen lichtes Sternen-prangen;
Der Glieder Anmuths-reicher May
Die Lilg’ und Rosen auff den Wangen
Sind nicht von der Verwesung frey.
Vergebens daß ihr Lust gestalten
Schätzt eure Schönheit sonder gleich;
Die zarte Haut kan bald sich falten
Ein eintzig Fieber macht euch bleich;
Und wenn ihr bey dem höchsten blühen
Stecht aller Blumen Zierath hin
Wird euch der Tod ein Kleid anziehen
Vor dem ihr andern werdet fliehn.
Es sind doch
Und Güter auff gar kurtze Zeit
Die nicht wenn wir von hinnen fahren
Wegweiser zu der Ewigkeit.
Es sey; das Länder angestecket
Die
Hat sie der Tod nicht hingestrecket
Gleich einem ungestalten Leib?
Ach nein! ob schon ein solcher Namen
Dir
So sprost’ aus deinem Tugend-Saamen
Ein Baum der andre Früchte trägt.
Du hieltest es mit jener Griechen
Der Helenen so von dem Haus
Des Höchsten niemals ist gewichen
Und Welt und Wollust nannte Grauß.
Die Blüthe deiner frischen Jugend
War nicht mit Uppigkeit erfüllt
Dein eintzig Kleinod hies die Tugend
Und Demuth die bey GOtt viel gillt.
Die Eitelkeit der schnöden Lüste
Hat nie den keuschen Sinn befleckt
Du kantest diese Welt die Wüste
Die keine Freuden-Rosen heckt.
Die Schönheit so Gemüthes Gaben
Als seltne Schätze bey sich führt
Und Zucht wil zur Gefertin haben
Ein Schmuck der holde Sitten ziert
Wieß das was pflegt die Welt zu schätzen
Doch mit der Zeiten Lauff zerrinnt
Und die so sich daran ergetzen
Umbarmen einen leeren Wind.
Du
In reiner Andacht GOtt geweyht
Und ließt dich seinen Rathschluß leiten
Bis zu erwünschter Heyraths Zeit
Du hast den Seegen aus der Höhe
Empfangen von des Schöpffers Hand
Den du mit so viel Angst und Wehe
Verläßt im trüben Wäisen Stand.
Wer glaubt nicht daß sein Hertz jetzt blutet
Mein Freund bey solchem Seelen Riß?
Diß was er nimmermehr vermuthet
Vollzeucht der Tod nur zu gewiß.
Eh kaum drey Jahre sind verflossen
Ach Liebenden sehr enge Zeit!
So siht er seinen Ehgenossen
In einem weissen Sterbe-Kleid.
Diß was man kurtze Frist besessen
Macht nur den schmertzlichsten Verlust:
Wer kan Betrübtster recht ermessen
Die Folter-Angst in seiner Brust?
Doch wird auch GOtt die Wunden heilen
Und weil sie ihm gefallen hat
So wolt’ er zeitlich mit ihr eilen
Zu der erwünschten Friedens-Stadt.
Jhr minstes Theil ist nur gestorben
Man legt was irrdisch ist ins Grab
Jhr herrlich Lob bleibt unverdorben
Der Tugend eintzig Gut und Haab.
Sie hat in einem seel’gen hoffen
Beschlossen ihren Lebens-Lauff;
Drumb wird ihr auch ihr Heiland ruffen
Ich sage Helena steh auff.