Bey Beerdigung Fr. H. F. g. J. den. 2. Octobr. 1675.

By Heinrich Mühlpfort

Entbrichst du dich der Erden Höle

Und suchst das unumschriebne Licht

Du Tugend-Weib du edle Seele

Gefällt dir dieser Nothstall nicht?

In dem dein Leib hier eingespannet?

Eilst du des Himmels Freyheit zu

Und legst vom Sterben übermannet

Die mürben Glieder zu der Ruh?

Ach ja du weist daß diese Hütten

Aus schlechtem Leim seyn auffgebaut

Daß Zeit und Zufall sie zerrütten

Und man daran nichts ewigs schaut;

Es reisset jeder Tag und Stunde

Vom Bau des Lebens etwas ein

Da gehn wir ärmsten auch zu Grunde

So bald wir nur gebohren seyn.

Der Tod fällt nicht nur graue Jahre

Und die beschneiten Häupter an.

Der Jugend krause locken Haare

Und was beheglich heissen kan

Der Augen lichtes Sternen-prangen;

Der Glieder Anmuths-reicher May

Die Lilg’ und Rosen auff den Wangen

Sind nicht von der Verwesung frey.

Vergebens daß ihr Lust gestalten

Schätzt eure Schönheit sonder gleich;

Die zarte Haut kan bald sich falten

Ein eintzig Fieber macht euch bleich;

Und wenn ihr bey dem höchsten blühen

Stecht aller Blumen Zierath hin

Wird euch der Tod ein Kleid anziehen

Vor dem ihr andern werdet fliehn.

Es sind doch

Und Güter auff gar kurtze Zeit

Die nicht wenn wir von hinnen fahren

Wegweiser zu der Ewigkeit.

Es sey; das Länder angestecket

Die

Hat sie der Tod nicht hingestrecket

Gleich einem ungestalten Leib?

Ach nein! ob schon ein solcher Namen

Dir

So sprost’ aus deinem Tugend-Saamen

Ein Baum der andre Früchte trägt.

Du hieltest es mit jener Griechen

Der Helenen so von dem Haus

Des Höchsten niemals ist gewichen

Und Welt und Wollust nannte Grauß.

Die Blüthe deiner frischen Jugend

War nicht mit Uppigkeit erfüllt

Dein eintzig Kleinod hies die Tugend

Und Demuth die bey GOtt viel gillt.

Die Eitelkeit der schnöden Lüste

Hat nie den keuschen Sinn befleckt

Du kantest diese Welt die Wüste

Die keine Freuden-Rosen heckt.

Die Schönheit so Gemüthes Gaben

Als seltne Schätze bey sich führt

Und Zucht wil zur Gefertin haben

Ein Schmuck der holde Sitten ziert

Wieß das was pflegt die Welt zu schätzen

Doch mit der Zeiten Lauff zerrinnt

Und die so sich daran ergetzen

Umbarmen einen leeren Wind.

Du

In reiner Andacht GOtt geweyht

Und ließt dich seinen Rathschluß leiten

Bis zu erwünschter Heyraths Zeit

Du hast den Seegen aus der Höhe

Empfangen von des Schöpffers Hand

Den du mit so viel Angst und Wehe

Verläßt im trüben Wäisen Stand.

Wer glaubt nicht daß sein Hertz jetzt blutet

Mein Freund bey solchem Seelen Riß?

Diß was er nimmermehr vermuthet

Vollzeucht der Tod nur zu gewiß.

Eh kaum drey Jahre sind verflossen

Ach Liebenden sehr enge Zeit!

So siht er seinen Ehgenossen

In einem weissen Sterbe-Kleid.

Diß was man kurtze Frist besessen

Macht nur den schmertzlichsten Verlust:

Wer kan Betrübtster recht ermessen

Die Folter-Angst in seiner Brust?

Doch wird auch GOtt die Wunden heilen

Und weil sie ihm gefallen hat

So wolt’ er zeitlich mit ihr eilen

Zu der erwünschten Friedens-Stadt.

Jhr minstes Theil ist nur gestorben

Man legt was irrdisch ist ins Grab

Jhr herrlich Lob bleibt unverdorben

Der Tugend eintzig Gut und Haab.

Sie hat in einem seel’gen hoffen

Beschlossen ihren Lebens-Lauff;

Drumb wird ihr auch ihr Heiland ruffen

Ich sage Helena steh auff.