Bey Beerdigung Fr. M. V. g. W. den 27. Jenner 1679.
Was soll Ehrwürdiger, die Poesi hier nützen
So ein ergrim̃ter Schmertz schlägt Kunst und Weiß-
Wenn diese Wetter dräun und die Cometen blitzen
So ist von Angst und Noth erfüllt das gantze Hauß.
Und sind die Thränen Blut der tieff-verwundten Seelen;
So weiß ich daß sein Hertz in nichts als Blute schwimmt.
Es kan der Augen-Brunn die Quellen nicht verhölen
Die Fluth vertrocknet nicht so da den Ursprung nimmt.
Wie viel er sonst geheilt wie viel er aufgerichtet
Wann sie dergleichen Rieß zur Erden hat gebeugt
So wird doch durch den Schmertz itzt aller Trost zernichtet
Sein Hertz ist Traurens voll und seine Lippe schweigt.
Hat alles seine Zeit so ist itzt Zeit zu weinen.
Wie man sich in dem Glück mit Freunden sonst ergetzt
So sollen wir im Fall mitleidig auch erscheinen
Wenn sie des Höchsten Hand in Staub und Asche setzt.
Er muß
Sein Leit-Stern der versinckt itzt in des Grabes Nacht:
Des Hauses Sonn ist hin er sitzt in Finsternüssen
Die Leuchte scheint nicht mehr so alles hell gemacht.
Die treue Pflegerin wird ihm zu früh’ entzogen
Die beste Freundin geht zu flüchtig aus der Welt:
Die Taube seiner Eh ist gar zu bald entflogen
Der Oelbaum seiner Ruh’ ist durch den Tod zerschellt.
Der Ertz-Schrein ist entzwey darein sein Hertz verschlossen:
Das Schlaff-Gemach zerstört wo seine Seele schlieff:
Sein Lebens-Balsam ist nur leider gantz vergossen!
Er sieht im Todten-Meer vergehn sein Wohlfarts-Schiff.
Die Traube die ihn hat mit Nectar stets geträncket
Gewehret nunmehr nichts als einen Myrrhen-Safft.
Das Kleinod das er hat stets an die Brust gehencket
Wird durch die Grausamkeit deß Todes hingerafft.
Hochwichtig ist sein Leid. So einen Schatz verliehren
Kan ohne Seelen-Weh ja nimmermehr geschehn
Es muß das innerste in Marck und Adern rühren
Wenn so ein Tugend-Bild man soll erblassen sehn.
Und wenn der Phöbus mir die Wort in Perlen kehrte
Und seine göldne Harff und Laute reichte dar
Wenn mich der Bienen-Volck mit ihrem Honig nährte
Und mir den Lorber-Baum Thalia flicht ins Haar
So würd ich doch nicht recht die Einigkeit erheben
In welcher beyder Hertz und Seelen sich vermählt.
Es schien ein Paradieß ihr Treu-verbundnes Leben
Da man nichts anders thut als gute Stunden zehlt.
Erleichterte sie nicht des Ambtes schwere Bürde
Und trocknete den Schweiß von seinen Wangen ab?
War nicht ihr eintzig Schmuck und Krone seine Würde?
Und sie hinwiederumb der müden Jahre Stab?
Diß war ihr gröster Kampff im Lieben obzusiegen
Und in den Tugenden auf gleichem Pfad zugehn.
Wenn man die Gottes-Furcht und Demuth solte wiegen
Das doch auff ihrem Theil der Auß-Schlag möchte stehn;
Und kurtz: Sie war ein Weib nach ihres Mannes Hertzen
Kam mit Bescheidenheit oft seinem Wunsch zuvor:
Vertrieb durch Freundligkeit deß Lebens Sorg und Schmertzen
Macht auß dem Wermuth-Strauch ein süsses Zucker-Rohr.
Nenn ich die Häußligkeit sie
Und Martha mit der That wer gleicht ihr da an Ruhm?
Es wächst ein edle Frucht auß einem Edlen Saamen
So blieb nur Tugend auch ihr eintzig Eigenthum.
Doch Martha nicht allein in diesem Sorgen-Leben
Wenn es dem Dürfftigen die Hand zu bieten kam;
Wenn es die Zeit erhiesch Betrübten Rath zu geben
Wenn man des Nechsten Last auff seine Schultern nahm.
Wenn man den Seinigen das Mutter-Hertze theilte
Deß Liebsten Heil sich ließ höchst angelegen seyn.
Wenn man ins Herren-Hauß ihn anzuflehen eilte
Und preißte seinen Rnhm in Sammlung der Gemein.
Ach mehr! und was noch mehr wie Martha hier im wallen
So lange sie den Bau der Sterbligkeit beschloß
So wolte sie auch GOtt Maria gleich gefallen
Jhr
Sie wuste daß der Tod ein End-Ziel aller Sachen
Daß jede Stunde zu der letzteu Hinfahrt schlägt
Und kont’ ihr Andachts voll gar leicht die Rechnung machen
Wer weiß wie bald man dich zu deiner Ruh-Städt trägt:
Drumb hat sie diesen noch im Leben ihr erwehlet
Der in der letzten Noth der beste Beystand heist.
Der unsre Tage weiß und unsre Haare zehlet
Und dessen mächtig Arm uns auß der Höllen reist.
Sie rief als nun der Pfeil deß Todes auf sie drunge
Gleich wie Macrina that voll Eyfer voll Gebeth
Ob schon mit schwachem Mund und halb erstarrter Zunge
Erlöser höre doch was deine Magd jetzt fleht!
Du hast deß Todes-Angst von mir gantz weggetrieben
Deß Lebens End ist ja ein Aufgang jener Freud
Und ob der Leib allhier als wie im Schlafe blieben
So weckt ihn dermaleins der Schall der Ewigkeit.
Was du aus Erden hast gebaut ach nimm es wieder
Und scharr es in die Erd als sein Behältnis ein!
Ich weiß doch daß der Leib und die verwelckten Glieder
Von dir mit neuem Glantz verkläret werden seyn.
Gedencke meiner doch O HErr! in deinem Reiche
Ich kreutzige mein Fleisch und fürchte dein Gericht:
Gib daß nach diesem Tod und daß nach dieser Leiche
Ich mög unendlich sehn dein herrlich Angesicht;
Ach Martha voller Witz Maria voller Glauben!
Jm Leben Martha hier Maria in dem Tod.
O seelig wer so wol den Trost ihm ein kan schrauben
Und wer so fest als du sein Hoffen setzt auf GOtt.
Unmöglich ists daß hier nicht Thränen solten rinnen
Und daß der Kinder Hertz sey ohn Empfindlichkeit.
So eine Tugend-Frau von dem Verstand und Sinnen
Von Witz und von Vernunfft beschert nicht jede Zeit.
Jedoch
Und sein erläuchter Geist weiß wie zu sprechen sey.
Was GOtt schafft und befiehlt das muß man nur erfüllen
Es bleibt doch Noth und Tod der Christen Lieberey.