Bey Beerdigung Fr. M. v. R. g. V. den 24. Octobr. 1678.
Hoch-Adeliches Hauß wie? sollen Wermuts-Sträuche
Und blasses Eppich-Kraut bekleiden Schwell und
Thür?
Vergnüget sich der Tod nicht mit des
Der unser Nestor war des gantzen Landes Zier?
Ach nein! eh als das Jahr hat seinen Lauff vollzogen
Der Sonnen güldnes Rad den Thier-Kreißdurchgerannt
So spannt der grim’ge Tod schon abermal den Bogen
Und legt ach herber Schmertz! die Mutter in den Sand.
Wird euer Rosenfeld zu Bergen voller Myrrhen?
Und deckt Aegypten euch mit einer langen Nacht?
Und trinckt ihr Thränen Saltz aus vollen Angst-Geschirren?
Ist bey so vielem Leyd das Hertze nicht verschmacht?
Steht doch die Welt betrübt wenn itzt bey kurtzen Tagen
Aurora nicht so früh den blauen Himmel mahlt.
Wenn Bäume Wald und Feld ihr Sommer-Kleid beklagen
Und keine Rose mehr in Lust-Gefildern strahlt.
Wenn Wild und Vogel fleucht der schwartze Himmel weinet
Und sich der kalte Nord mit holem Pfeiffen zeigt.
Wenn die verdeckte Sonn kaum aus der Wolck’ erscheinet
Und das verlebte Jahr sich zu der Bahre neigt.
Wie solten Kinder nicht bey ihrer Eltern Leichen
Bejammern den Verlust der ihre Seele kränckt.
Denn wenn die Seulen schon vom Bau der Wolfahrt weichen
Wer glaubt nicht daß hernach das gantze Hauß sich senckt.
Und solt es möglich seyn die jenen zu vergessen
Die unsers Lebens Quell und erster Ursprung seyn?
Ist gleich die Tullia so gottloß und vermessen
Daß sie durch Vater-Mord als im Triumph zieht ein.
Und hat der Heyden Volck diß Straffloß angehöret
So schillt die Nachwelt doch dergleichen Raserey.
Ein Kind das Eltern nicht auch in der Aschen ehret
Ist würdig daß es selbst niemals gebohren sey.
Ich weiß
Man itzt der Mutter Grab die letzte Pflicht erweist.
In welch ein kläglich Ach und ein unendlich sehnen
Geschwellten Ströhmen gleich dein Hertze sich ergeust.
Der Dienst ist lobens werth. Die schönsten Ehren-Bogen
Colossen und Mausol erreichen nicht den Ruhm;
Als wenn den jenigen so nun der Welt entzogen
Das Hertze bleibt geweyht zu einem Eigenthum.
Allein wenn man das Rund der grossen Welt beschauet;
Und Schmertzen und Vernunfft ein wenig ruhen läst.
Wer ist wol dem nicht mehr hinfort zu leben grauet
Der einen sanfften Tod nicht nennt das allerbest’.
Es sey daß Fleisch und Blut was schmertzliches empfindet
Wenn es die Seinigen zu Grabe tragen muß.
Hingegen ist der Tag glückseelig der entbindet
Den abgematten Geist von Eckel und Verdruß.
Es wil uns die Natur diß in den Früchten zeigen
Ein Apffel der nicht reiff den bricht man mit Gewalt.
Die andern fallen selbst freywillig von den Zweigen
Wenn sie nun satt geziert Zeit Wachsthum und Gestalt.
So ist das Alter auch es eilet zu dem Grabe
Wie langsam es den Fuß mit seinen Schritten setzt.
Weiß daß es wenig Zeit zu bleiben übrig habe
Daß allbereit der Tod diekrumme Sense wetzt.
Es wünscht auch aus dem Streit zu treten in den Frieden
Aus Unruh in die Ruh aus Angst iu Sicherheit.
Gleich denen die Gefahr auff wüster See vermieden
Wenn sie ein stiller Port nach hartem Sturm erfreut.
Und schenckt auch was die Welt von ihren guten Tagen
Darinnen nicht der Kern von bittern Sorgen steckt;
Das Glücke wird uns nie so auff den Armen tragen
Daß Scorpionen gleich zuletzt es nicht erschreckt.
Und frist der Abgrund nicht der unermeßnen Zeiten
Der besten Künstler Werck’ und kluger Hände Fleiß?
Wo itzt die Sterblichen Auffbauen Siegen Streiten
Kan folgen daß man nicht einst ihre Gräntzen weiß.
So darff auch nicht der Mensch umb langes Leben bitten
Es geht ihm Kräh und Hirsch an vielen Jahren für.
Kein Faden ist so bald als unser abgeschnitten
Das Alter ist und bleibt des Grabes offne Thür.
Wer von dem Schauplatz geht der ist daran begnüget
Daß Aug und Ohren ihm durch Wechsel sind erquickt.
Der Mensch wenn sich der Tod an seine Seite füget
Und ihn der Jahre Rey zur Erden nieder drückt;
Siht daß er nur allhier ein Schauspiel helffen zieren;
Glückseelig wer mit Ruhm hat die Person verricht;
Der läst sich denn den Tod davon mit Freuden führen
Versichert daß er ihm den Sieges-Krantz verspricht.
Hoch-Adeliches Haus mit gleichem Ruhm und Ehren
Verläst die
Es mag den mürben Leib Grab Wurm und Fäul zerstören
Nun ihre Seele nur die Burg des Himmels hält.
Der Tugend Treffligkeit wird nicht die Grufft verzehren
Und die Verwesung reist nicht ihr Gedächtnüß ein.
Nach ihres Liebsten Tod war ja ihr bloß Begehren
Nicht länger in der Welt dem Sünden-Nest zu seyn.
Laodamia sucht nicht so des Mannes Schatten
Als sie dem Liebsten nach zu seiner Ruh geeilt.
Des Himmels milde Gunst wil dieses auch verstatten
Daß wie sie ihr Seel und Hertz zuvor getheilt;
Sie auch im Tode sey theilhafftig seiner Liebe
Und beyder Asche noch einander faßt und küst.
Daß der Gemüther Treu stets unzertrennet bliebe
Ob schon der Seelen Kleid den Leib die Fäulnüß frist.
So kont Alcyone den Ceyx nicht umbfangen
Da doch ein blosser Traum nur sein Gesichte wieß.
Als
In jenem Freuden-Reich in volligem Genieß.
Da ihre Krone hin ihr Scepter war gefallen
So fing sie allbereit mit ihm zu sterben an.
Sie wolte länger nicht in dieser Wüsten wallen
Da wol der fröm̃ste Mensch sich leicht verirren kan.
Hoch-Adeliches Haus was Eltern wünschen können
Das hat des Höchsten Hand zu jeder Zeit gewehrt.
Nun muß man auch die Ruh der liebsten
Vergebens daß man sie mit Thränen noch beschwert.
Sie wird im Paradiß gar andre Rosen schauen
Als diese so bißher geadelt ihren Stand.
Sie kan mit höchster Lust des Edens Garten bauen
Und ihre Seele wohnt in dem gelobten Land.