Bey Beerdigung Hn. A. O. den 3. Octobr. 1678.

By Heinrich Mühlpfort

Herr Oehm wird auff die Mess' ihr Leipziger nicht kom- men

Umbsonst erwartet ihn Gewölbe Tisch und Haus.

Und habt ihr noch zur Zeit die Ursach nicht vernommen?

Er zahlt itzt der Natur den letzten Wechsel aus.

Er macht itzt einen Schluß auff mehr als Millionen

Verkehrt sein fahrend Haab in ein beständig Gut.

Gewinnt o Wunderwerck! an Pfennigen Duplonen:

Ists möglich daß ein Mann so grosse Dinge thut?

Und wohl dem der also die Conte hat gestellet

Wie richtig wird er nicht die letzte Stunde stehn!

Ich weiß ihr Leipziger daß ihr das Urtheil fället:

Herr Oehm hat ausgezahlt er mag nun weiter gehn.

Und freylich geht er weg vom Jahrmarckt aller Sünden

Von der grundbösen Welt der Messe voller Trug

Wo ein neu Ungeheur von Lastern stets zufinden

Wo Weißheit närrisch ist und Narrheit weiß und klug:

Wo wir den Kindern gleich mit Tocken-Spiele handeln

Wo wir bey Mangel reich und arm bey Reichthum seyn.

Gleich Fechtern die geblendt nur in dem finstern wandeln

Und wechseln Kieß und Glaß vor Perl und Demant ein.

Wo keine Flacke nicht steckt unserm Geld-Durst Gräntzen

Wo uns die Element nicht sattsam geben Zoll;

Wo unsre Dürfftigkeit kein Zufluß kan ergäntzen

Und jeder Platz und Raum ist von Banditen voll.

Wo Worte sonder Werck und Wercke sonder Liebe

Wo ein verstelltes Hertz das Muster dieser Zeit.

Wo Blicke Stricke sind und Minen solche Diebe

Die heimlich brechen ein durch Schertz und Freundligkeit.

Wo in dem Eigen-Nutz das Hertze wird entbrennen

Und wenns am Nechsten kömmt ist Lieb und Wohlthat kalt.

Wo wir die Balcken leicht bey uns nicht Splitter kennen

Und ändern nach dem Glück auch Sinnen und Gestalt;

Wo wir an eignen Ruhm an GOtt sehr wenig dencken

Und dessen Ehr und Furcht nur löblicher Gebrauch.

Wo wir dem Teuffel Gold und fetten Storax schencken

Hingegen unserm GOtt der Sünden Dampff und Rauch;

Wo jeder fehlen wil nur andern zugefallen

Wo Treu und Eydschwur nur ein Mantel nach der Welt;

Wo Honig in dem Mund und in dem Hertzen Gallen

Wo man sich zu dem Theil das obgesieget hält.

Wo Deutsche Redligkeit ein Povel von den Wahren

Die ein verschmitzter Mann zu sehen nicht begehrt;

Wo Arglist und Finantz bedächtiges verfahren

Und wers am besten kan der ersten Stelle werth:

Wo aller Uppigkeit befreyte Niederlage

Wo man die Tugend aus die Laster führet ein.

Wo der Gerechtigkeit gantz umbgekehrte Wage

Und was gleich vormals recht kan dennoch recht nicht seyn:

Wo man nichts anders packt als schlimm’ und falsche Ballen

Und mit der Ladung noch die Gräntzen überstreicht:

Wo Sünden insgemein die schwerer als Metallen

Der Menschen leichter Sinn nicht einem Quintlein gleicht.

Wo kein beständig Gut Bestäter können dingen

Was unverweßliches ein Fuhrmann laden kan;

Wo kein Vermögen nicht uns je Gewinn wird bringen

Und wo das Capital man nur legt übel an.

Von diesem Marckt der Welt von solcher Greuel-Messe

Entzeucht der

Verkehrt den Freuden-Baum in eine Traur-Cypresse

Und gibt den Seinigen den letzten Abschieds-Kuß.

Nicht daß er ferner wil zu ihnen wiederkommen

Der Wechsel ist zu groß und der Gewin zu hoch.

Nein wer des Himmels Sitz und Erbtheil eingenommen

Denckt nicht mehr an die Welt und an ihr irdisch Joch.

Beglückter Handels-Mann der so die Gütter führet

Daß er das höchste Gut darbey erlangen kan:

Der seine gantze Zeit den Glauben nie verliehret

Und stellt gerecht und schlecht den Hand- und Wandel an.

Er findt ins Lebens-Buch sich überall geschrieben

Es raubt noch Höll- und Feind das ihm versprochne Gut.

Und ist von Schwachheit je und Sünden noch was blieben

So hat dafür genung gethan des Heilands Blut.

Was hülffes sonst den Mensch viel Schätze zugewinnen

Wenn er dabey Verlust an seiner Seelen fühlt?

Muß nicht das Gut der Welt wie eine Fluth zerrinnen?

Wohl dem der hier den Zweck der Ewigkeit er zielt.

Beglückter Handels-Mann der erst was oben suchet

Der ein warhafftig Lob läst bey gemeiner Stadt

Daß niemand seinem Grab und seiner Asche fluchet

Noch etwas wiedriges darauff zu sprechen hat!

Herr Oehmens Redligkeit war ohne Schuld und Flecken

Indem kein falsches Wort von seinen Lippen ging

Er pflegte sein Gemüth und Hertz nicht zuverstecken

Treu war sein Wapen-Schild Beständigkeit sein Ring.

Die Moden von der Zeit die Masquen von Gebehrden

Das schien ein Gauckel-Spiel in seinem Deutschen Blut.

Und obschon Laster itzt zu Sitten wollen werden

So war der Phantasey sein redlich Hertz nicht gut.

Es wird manch werther Freund noch diesen Freund vermissen:

Klagt itzt das Armuth nicht sein Vater sey dahin.

Der leicht nicht was versagt ist allzu früh entrissen.

Wo ist die freye Hand wo sein mitleidig Sinn?

Wie aber sol ich itzt des Hauses Leid entdecken?

Wem schick ich erstlich Trost bey diesen Wunden zu?

Die Liebste seufftzt und girrt wie eine Taub’ in Hecken

Die ihren Gatten sucht und findet nirgend Ruh.

Die Kinder schliessen gleich bethränt des Vatern Augen

Und thun die letzte Pflicht nach der Natur Geheiß.

So geust auch Kindes-Kind was von der Zähren-Laugen;

Und hängt der Regung nach die sie kaum kennt und weiß.

Gar keinen mangelt Zeug von seiner Noth zuklagen

Allein mein Trost ist kurtz in diesen Reim gefast:

Was GOtt hat aufferlegt das lerne man doch tragen

Je mehr man es empfind’t je schwerer ist die Last.

Herr Oehm geht Ehrenvoll bey den begrauten Haaren

Ins Grab sein Schlaffgemach und Haus der Sicherheit

Läst Erbenhinter sich die seinen Ruhm bewahren

Den Sohn dem Phöbus hat den Lorber-Krantz geweyht.

Sein Wandel der verdients daß man ihn nicht vergesse

Sein Angedencken sol bey uns geheiligt seyn:

Herr Oehm ihr Leipziger kommt nicht mehr auff die Messe

Räumt einem andern nur Gewölb und Kammer ein.