Bey Beerdigung Hn. C. G. den 3. Junii 1678.
Was ist das das wir leben heissen?
Ein Circkel voll gedrungner Noth.
Ein Traum und ein betrüglich gleissen
Ein ungewisses Morgenroth.
Ein Rauch der wenn er kömmt verschwindet
Ein Meer das stets von Jammer pranst
Ein Fallstrick der die Seele bindet
Ein Wind der uns zu stürtzen saust.
Ist noch was flüchtiger als Schatten?
Ach ja der kurtzen Tage Flucht.
Der Thau den man auf grünen Matten
Bey aufgewachter Sonne sucht
Wird vielmals nicht so schnell vergehen
Als die elende Sterbligkeit:
Da eh wir lernen reden gehen
Man schon uns macht das Todten-Kleid.
Der Fortgang mit erwachsnen Jahren
Ist nur ein Weg zu größrer Pein
Diß was wir lesen und erfahren
Wird oft ein faul Geschwätze seyn.
Weil unser Wissen unvollkommen
Und der Verstand voll Unverstand;
So ist was wir je für genommen
Auf nichts gebaut als Trübe-Sand.
Wir mögen in die Frembde reisen
Der Kummer zieht uns immer nach.
Bey Freuden Wollust Schertz und Speisen
Drückt uns manch heimlich Ungemach.
Der Welt verdammte Heucheleyen
Die nehmen Tugend-Larven an.
Wie kan ein redlich Hertz sich freuen
Das unter ein solch Joch gethan?
Und wenn wir nun viel zubesitzen
Das Leben in Gefahr gewagt.
Was kan es bey dem Hintritt nützen
Wenn uns die letzte Noth betagt?
Da sehen wir daß alles flüchtig
So weit das Rad der Sonnen geht.
Daß unser Hände Wercke nichtig
Und bloß der Unbestand besteht.
Und wünschen wir die grauen Haare?
Das Alter ist ein schwerer Gast.
Es prediget nur von der Bahre
Und nennt das Leben eine Last.
Das eben führt die jenen Tage
So keinem nicht gefällig seyn.
Da man nur Jammer Angst und Plage
Vor Freuden-Früchte sammlet ein.
Und ob es köstlich auch gewesen
So hat es Müh und Noth verzehrt.
Wer wolt ihm nicht diß auserlesen
Was uns die wahre Ruh beschert?
Wer wolte nicht die Augen schliessen
Umb dort den Himmel anzuschaun?
Deß Leibes Kercker seyn entrissen
Und jene Friedens-Städte baun?
Das End-Ziel aller Angst und Schmertzen
Bleibt doch ein sanfft und seelig Tod.
Der Hingang zu dem Vater-Hertzen
Die Reise zu dem wahren GOtt.
Das Freuden-Thor zu jenem Leben
Und der Geburts-Tag wahrer Lust.
Die Sammlung wo die Heilgen schweben
Ein Labsal auf die Myrrhen-Kost.
Nun diesen Zweck hat auch ergriffen
Herr Greif als auf sein Lebens-Ziel
Der Tod das Würge-Beil geschliffen
Und ihn die Mattigkeit befiel;
Daß er den Pfingst-Tag dort zu feyren
Den heilgen Abend hier beschloß
Und seine Seele wolte steuren
In deß Erlösers Gnaden-Schoß.
Sein Ruhm und ehrliches Verhalten
Wird noch in vieler Hertzen blühn.
Muß schon hier Fleisch und Blut erkalten
Und Wust und Schimmel es beziehn
So bleibt sein Name doch im Segen.
Der Fromme kan nicht untergehn
Es will auff allen Weg und Stegen
Gott seinen Saamen noch erhöhn.
Betrübtste Frau wie herb und bitter
Der Name Wittib bey ihr klingt;
Da jetzt deß Todes Ungewitter
So wol ihr Haus als Hertz umbringt.
So glaube sie daß nach dem Weinen
Und außgestandnem Seelen-Weh
Jhr wlrd die Sonne wieder scheinen
Und daß ihr neuer Trost aufgeh.
Jhr Eh-Herr zeucht mit Ruhm von hinnen
Die Gottesfurcht und Redligkeit
In seinem Wandel und Beginnen
Sind auch im Tode sein Geleit’.
Er ist ja gar zu wol geschieden
Und ausgegangen wie ein Licht
Zu der Zeit da ihm seinen Frieden
Und Beystand GOttes Mund verspricht.