Bey Beerdigung Hn. F. F. den 16. Jenner. 1679.
Wird deine Börse denn nun eine Todten-Bahre?
Und schleust
Fängst kein Journal mehr an in diesem Neuen Jahre?
Stöst eine größre Reis’ und Wechsel dir bevor:
Ach ja du eilst hinweg Herr Oehmen zu empfangen
Der jene Messe schon des Lebens-Marckt beschloß
Und in die Ewigkeit dir ist vorangegangen
Wo er sein Capital macht unbeschreiblich groß.
Da sol dein Hauptstam̃ stehn: Du magst der Welt nicht trauen
Die nur Betrügerey an statt der Zinsen gibt.
Du wilst im Himmel dort den Scontre-Platz dir bauen
Wo Treu und Glauben man für Tonnen Goldes liebt.
Der Tod ist dein Senzal und bringt dir diß zu wege
Was keine Factorey der Menschen je verkehrt.
Du weist wie so genau er alles überlege
Und daß er nach dem Schluß die Ewigkeit gewehrt.
Ists möglich daß zwey Freund einander schleunig missen
Und in vier Monat-Frist einander wieder sehn:
Da ihr Verbündnüß wird auff nimmermehr zerrissen
Und ihre Handelschafft kein Zufall kan verdrehn.
Jhr habt ja beyde nun das höchste Gut erhandelt
Erlangt den Seelen-Schatz dem kein Gewin sich gleicht
Und vor der gantzen Welt schlecht und gerecht gewandelt
Daß auch der wahre Ruhm nicht von dem Grabe weicht.
Lasst was Vesputz durchkreutzt und Magellan entdecket
Und wo Columbus erst mit seinen Segeln lieff
Der Gold-ersoffnen Welt zum End-Ziel seyn gestecket
An einem sichrern Port ländt euer Glaubens-Schiff.
Es mag das Alterthum von seinem Argo sagen
Wie es das göldne Fließ von Colchos hergebracht:
Das Lamm das alle Schuld der Sterblichen getragen
Hat an Vermögen euch mehr reich und groß gemacht.
Was sind die Güter doch die wir hier Reichthum nennen:
Ein Leim an dem gar offt der Seelen Flügel klebt.
Ein Feur das wärmen kan doch aber auch verbrennen
Ein Garn das meistentheils den Untergang uns webt.
Was kan uns Indien an Schätzen doch gewehren?
Nicht Silber Geld und Gold macht uns vom Tode frey.
Was Unfall Glück und Zeit mit ihrem Zahn verzehren
Bejahet wol kein Mensch daß es beständig sey.
Die Tugend ists allein die keinen Wechsel kennet
Die euch Verblichene zusammen hat gepaart
Und die auch nicht der Tod der alles löset trennet
Und beyde holet heim durch eine Wunder-Fahrt.
So hat nicht Pythias dem Damon sich verpfändet
Noch des Orestes Treu den Pylades geehrt
Als ihr Hertz Seel und Geist zusammen stets gewendet
Und eurer Liebe-Brand in gleicher Gluth vermehrt.
Bleibt dieser Haupt-Satz wahr: Daß mehr als unsre Ohren
Mehr als die Augen sind ein Hertz-vertrauter Freund:
So schien’t vom Himmel ihr nur bloß dar zu erkohren
Daß beyder Neigungen und Hertzen stets vereint.
Und wie Antigonus dort in den Sand einschriebe:
Fleuch Mithridates fleuch entweiche der Gefahr:
So rüff Herr Oehm zu letzt aus ungefärbter Liebe:
Kom̃ doch mein
Wie fertig folgst du nun Erblaster seiner Leiche
Wie freudig werdet ihr einander wieder schaun.
Umbzirckt mit neuem Glantz in dem besternten Reiche
Wo nichts als Wonne wird auff eure Scheitel thaun!
Und was geneust du wol entschlaffner Freund vor Freuden
Die keine Messe dir auf Erden geben kan.
Kein Reichthum noch Gewalt noch Hölle mag dich scheiden
Von diesem Gnaden-Blick indem du GOtt sihst an.
Du wohnst in einer Stadt von Jaspis und Saphiren
Und siehest Sonn und Mond zu deinen Füssen gehn
Wo Gassen voller Gold die Thor von Perlen-Schnüren
Und wo des Lebens-Holtz voll Früchte pflegt zu stehn.
Wo klar wie ein Crystall der Strom des Heils entspringet
Und wo die Herrligkeit des Höchsten ewig leucht
Wo nie der Tag die Nacht die Nacht den Tag verdringet
Und keine Wechselung die Gräntzen je bestreicht.
Da stehst du als ein Knecht der GOtt ist treu gewesen
Da hat der andre Tod an dir gar keine Macht
Da hörst du aus dem Buch des Lebens dich verlesen
Und wie dein Bürger-Recht im Himmel hoch geacht.
Alleine sollen wir denn deiner Treu vergessen
Der Teutschen Redligkeit die ohne Falsch und Schein?
Man lasse Faul’ und Würm den Rest der Glieder fressen
Die Tugend
Wie vielen hast du nicht von Hertzen gern gedienet?
Wie vielen stirbst du nicht ach leyder allzu früh?
Es hat dein Wolfarths-Baum den Freunden stets gegrünet
Und sie genossen mit von deinem Schweiß und Müh.
Dein Mund war nicht gewohnt die Reden zu ambriren
Die Laster musten nur bey dir stets Laster seyn
Und Tugend bliebst du hold; du liest dich nicht verführen
Kein Heuchler wiegte dich durch seine Boßheit ein.
Wie schmertzlich wird dich nicht die Compagnie betrauren?
Wie seufftzt das Armuth nicht nach deiner milden Hand?
Wie ruffen Freunde nicht? Soll der nicht länger tauren
Der uns sein gantzes Hertz und Seele zugewandt?
Wird das bestürtzte Hauß sich auch zu friede geben?
Wie Manches Förderung und Wolfarth fällt dahin!
Ach daß
Ach daß er muß so bald zu den Verbliechnen ziehn!
Wiewol
Dein eintziges Gewerb ist jetzt die Ewigkeit.
So schleust du den Bilanc. Es mag nun schallt- und walten
Wen noch mit ihrem Gut die schone Welt erfreut.
Wo aber bleibt dein Schatz? wird eines auffgenommen
Und muß das andere noch allhier verlassen stehn?
Heist denn die Thränen-See in der ihr Hertz geschwommen
Und auch des Schwähers Wunsch dich nicht zurücke gehn?
Nein
Vergebens macht sie sich durch Harm und Kummer bleich;
Sie muß den Thränen-Strom nur durch Gedult zutämmen
Jhr