Bey Beerdigung Hn. F. F. den 16. Jenner. 1679.

By Heinrich Mühlpfort

Wird deine Börse denn nun eine Todten-Bahre?

Und schleust

Fängst kein Journal mehr an in diesem Neuen Jahre?

Stöst eine größre Reis’ und Wechsel dir bevor:

Ach ja du eilst hinweg Herr Oehmen zu empfangen

Der jene Messe schon des Lebens-Marckt beschloß

Und in die Ewigkeit dir ist vorangegangen

Wo er sein Capital macht unbeschreiblich groß.

Da sol dein Hauptstam̃ stehn: Du magst der Welt nicht trauen

Die nur Betrügerey an statt der Zinsen gibt.

Du wilst im Himmel dort den Scontre-Platz dir bauen

Wo Treu und Glauben man für Tonnen Goldes liebt.

Der Tod ist dein Senzal und bringt dir diß zu wege

Was keine Factorey der Menschen je verkehrt.

Du weist wie so genau er alles überlege

Und daß er nach dem Schluß die Ewigkeit gewehrt.

Ists möglich daß zwey Freund einander schleunig missen

Und in vier Monat-Frist einander wieder sehn:

Da ihr Verbündnüß wird auff nimmermehr zerrissen

Und ihre Handelschafft kein Zufall kan verdrehn.

Jhr habt ja beyde nun das höchste Gut erhandelt

Erlangt den Seelen-Schatz dem kein Gewin sich gleicht

Und vor der gantzen Welt schlecht und gerecht gewandelt

Daß auch der wahre Ruhm nicht von dem Grabe weicht.

Lasst was Vesputz durchkreutzt und Magellan entdecket

Und wo Columbus erst mit seinen Segeln lieff

Der Gold-ersoffnen Welt zum End-Ziel seyn gestecket

An einem sichrern Port ländt euer Glaubens-Schiff.

Es mag das Alterthum von seinem Argo sagen

Wie es das göldne Fließ von Colchos hergebracht:

Das Lamm das alle Schuld der Sterblichen getragen

Hat an Vermögen euch mehr reich und groß gemacht.

Was sind die Güter doch die wir hier Reichthum nennen:

Ein Leim an dem gar offt der Seelen Flügel klebt.

Ein Feur das wärmen kan doch aber auch verbrennen

Ein Garn das meistentheils den Untergang uns webt.

Was kan uns Indien an Schätzen doch gewehren?

Nicht Silber Geld und Gold macht uns vom Tode frey.

Was Unfall Glück und Zeit mit ihrem Zahn verzehren

Bejahet wol kein Mensch daß es beständig sey.

Die Tugend ists allein die keinen Wechsel kennet

Die euch Verblichene zusammen hat gepaart

Und die auch nicht der Tod der alles löset trennet

Und beyde holet heim durch eine Wunder-Fahrt.

So hat nicht Pythias dem Damon sich verpfändet

Noch des Orestes Treu den Pylades geehrt

Als ihr Hertz Seel und Geist zusammen stets gewendet

Und eurer Liebe-Brand in gleicher Gluth vermehrt.

Bleibt dieser Haupt-Satz wahr: Daß mehr als unsre Ohren

Mehr als die Augen sind ein Hertz-vertrauter Freund:

So schien’t vom Himmel ihr nur bloß dar zu erkohren

Daß beyder Neigungen und Hertzen stets vereint.

Und wie Antigonus dort in den Sand einschriebe:

Fleuch Mithridates fleuch entweiche der Gefahr:

So rüff Herr Oehm zu letzt aus ungefärbter Liebe:

Kom̃ doch mein

Wie fertig folgst du nun Erblaster seiner Leiche

Wie freudig werdet ihr einander wieder schaun.

Umbzirckt mit neuem Glantz in dem besternten Reiche

Wo nichts als Wonne wird auff eure Scheitel thaun!

Und was geneust du wol entschlaffner Freund vor Freuden

Die keine Messe dir auf Erden geben kan.

Kein Reichthum noch Gewalt noch Hölle mag dich scheiden

Von diesem Gnaden-Blick indem du GOtt sihst an.

Du wohnst in einer Stadt von Jaspis und Saphiren

Und siehest Sonn und Mond zu deinen Füssen gehn

Wo Gassen voller Gold die Thor von Perlen-Schnüren

Und wo des Lebens-Holtz voll Früchte pflegt zu stehn.

Wo klar wie ein Crystall der Strom des Heils entspringet

Und wo die Herrligkeit des Höchsten ewig leucht

Wo nie der Tag die Nacht die Nacht den Tag verdringet

Und keine Wechselung die Gräntzen je bestreicht.

Da stehst du als ein Knecht der GOtt ist treu gewesen

Da hat der andre Tod an dir gar keine Macht

Da hörst du aus dem Buch des Lebens dich verlesen

Und wie dein Bürger-Recht im Himmel hoch geacht.

Alleine sollen wir denn deiner Treu vergessen

Der Teutschen Redligkeit die ohne Falsch und Schein?

Man lasse Faul’ und Würm den Rest der Glieder fressen

Die Tugend

Wie vielen hast du nicht von Hertzen gern gedienet?

Wie vielen stirbst du nicht ach leyder allzu früh?

Es hat dein Wolfarths-Baum den Freunden stets gegrünet

Und sie genossen mit von deinem Schweiß und Müh.

Dein Mund war nicht gewohnt die Reden zu ambriren

Die Laster musten nur bey dir stets Laster seyn

Und Tugend bliebst du hold; du liest dich nicht verführen

Kein Heuchler wiegte dich durch seine Boßheit ein.

Wie schmertzlich wird dich nicht die Compagnie betrauren?

Wie seufftzt das Armuth nicht nach deiner milden Hand?

Wie ruffen Freunde nicht? Soll der nicht länger tauren

Der uns sein gantzes Hertz und Seele zugewandt?

Wird das bestürtzte Hauß sich auch zu friede geben?

Wie Manches Förderung und Wolfarth fällt dahin!

Ach daß

Ach daß er muß so bald zu den Verbliechnen ziehn!

Wiewol

Dein eintziges Gewerb ist jetzt die Ewigkeit.

So schleust du den Bilanc. Es mag nun schallt- und walten

Wen noch mit ihrem Gut die schone Welt erfreut.

Wo aber bleibt dein Schatz? wird eines auffgenommen

Und muß das andere noch allhier verlassen stehn?

Heist denn die Thränen-See in der ihr Hertz geschwommen

Und auch des Schwähers Wunsch dich nicht zurücke gehn?

Nein

Vergebens macht sie sich durch Harm und Kummer bleich;

Sie muß den Thränen-Strom nur durch Gedult zutämmen

Jhr