Bey Beerdigung Hn. H. F. den. 11. Julii 1677.
So bist du Seeliger nun deiner Qual entbunden?
So macht ein sanffter Tod dich von den Fesseln loß?
Nach so viel rauhem Sturm hast du den Port gefunden
Und gehst mit Seegen in der alten Mutter Schoß.
Ach! abgelebter
Wenn auf die Folter-Banck die strenge Gicht dich warff?
Wenn ihre Tyranney die Glieder dir durchschnitten
Wenn ihr zerreissend Weh mehr als ein Messer scharff.
Das Alter an sich selbst war eine Last zu tragen
Als das ein Sammel-Platz der bittern Schmertzen hieß
Und was verspürt man mehr bey den beschneyten Tagen
Als stündiich neue Noth Angst Eckel und Verdrieß?
Du bist
Nein wie viel Jahre hat der Tod dich nicht besucht?
Da schon die Lebens-Kräfft und Geister abgewichen
Ja selbst die Seele stand als wie auff schneller Flucht.
Sie sah’ ihr Wohnhauß da mit seinen Säulen sincken
Der Eymer war zulechst die Räder morsch entzwey
Es wolte nicht das Licht mehr durch die Fenster blincken
Die Sprache zog farm Ohr als wie ein Gast vorbey.
Ach was elender Nächt’ hast du nicht da empfunden
Und mit dem Hiob dir gewünscht erlöst zu seyn?
War’st du nicht an dein Bett als einen Pfahl gebunden?
Und mit dem Morgen-Liecht erschien auch neue Pein?
Der Martern Grausamkeit und aller Hencker reissen
Was Eccelin erfand und Nero hat erdacht
Sind nur ein Kinderspiel für deiner Gicht zu heissen.
Die dich noch lebenden Gerippen gleich gemacht.
Dein Lager war gewiß von nichts als Dorn und Hecken
Ein Nothstall den Japan nicht schlimmer zeigen kan:
Noch liest du keine Qual so deinen Geist erschrecken
Daß er nicht Glaubens-voll sich schwunge Himmel an.
Je mehr der Leib erlag je hurtiger die Sinnen
Mit feurigem Gebet den höchsten GOtt versöhnt.
Du liest die Ungedult nicht Oberhand gewinnen
Und rufftest: Wer wol kämpfft der wird zuletzt gekrönt.
Nun ist dein Feind erlegt dein Leiden hat ein Ende
Dein wol geplagter Leib geneust der süssen Ruh.
Du bist auch so beglückt daß dir der Kinder Hände
In heisser Liebes-Pflicht die Augen drücken zu.
Wem wird wol als wie dir von GOtt das Heil bescheret
Daß Kind und Kindes Kind er
Wem wird wol so erstreckt der Tage Frist gewehret
Daß fünff und achtzig Jahr sein Leben machet satt?
Mich dünckt wie umb dein Grab ein schöner Regenbogen
Voll Segen voll Genad den bundten Zirckel führt
Zum Zeichen daß dir GOtt von Jugend auf gewogen
Und daß du seine Güt’ und Wunder hast gespürt.
Hat nicht sein Vater-Arm im Alter dich getragen?
Du hast bey keiner Noth verlassen dich gesehn.
Es wird der Enckeln Mund des HErren Wolthat sagen
Und rühmen was an dir vor Dinge sind geschehn.
Betrübtste die ihr hier bey eures Vatern Bahre
Zu zeigen eure Pflicht in einer Crone steht;
Begiest mit Thränen nicht den grauen Schnee der Haare
Und daß er Lebens-müd auß unsern Schrancken geht.
Er hat das Ziel erreicht nach dem wir alle rennen
Ein langes Leben ist doch nur ein langer Tod
Jetzt können wir ihn frey und franck von Schmertzen nennen
Sein seelig Sterben ist die Endschafft aller Noth.
Er trit vom Schau-Platz ab und hat die Welt erfahren
Ja als ein alter
Er kennt ihr falsches Gut und auffgeborgte Wahren
Wie sich die Thörichte kan hoch damit aufblähn.
Ein redlich-Teutsches Hertz erschrack ob den Gebärden
Wormit sich jetzt die Kunst der neuen Sitten ziehrt
Da Worte nicht einmal zu Wercken sollen werden
Da man Zibeth im Mund und Gifft im Hertzen führt.
Herr Francke redte frey ein Feind der Heucheleyen
Der Basilißken gleich ein Lügen-Maul gehast
Hielt Gott für seinen Schatz recht thun und sich nicht scheuen
Diß hat’ er zu dem Zweck deß Lebens abgefast.
Er wieß in Leid und Freud ein unbewegt Gemüthe
War denen Felsen gleich die nie kein Donner schreckt:
Vertraut in Angst und Noth auf seines Schöpffers
Weil der gar sicher ruht den Gottes Flügel deckt.
Hingegen hat das Glück ihm nie den Muth erhoben
Die alte Redligkeit blieb in die Brust gepregt.
Und that er Freunden guts so ließ ers andre loben
Dieweil ein danckbar Sinn das Zeugnüß bey sich trägt.
Sein Hertze war erfreut wenn er die Enckel küßte
Und Gottes Segen sah’ aus wolgerathner Eh’.
Gewiß daß diese Schaar sein Leben ihm versüßte
Und ihr noch lallend Mund verjagt der Sorgen Weh.
Erfreut euch
Der hier gefangen gleich ins Leibes Kercker saß
Die Stricke sind entzwey die Fessel abgenommen
Macht eure Augen nicht mit Thränen ferner naß.
Er ist als wie ein Gast von hier recht satt geschieden
Begehret weiter nicht die Herberge der Welt.
Vor fühlt er Kampf und Streit jetzt schmeckt er nichts als Frieden
Vor war er Menschen nur jetzt Engeln zugesellt.
Er wird wie reines Gold durchs Feur geläutert gläntzen
Und sein zerfoltert Leib gerad’ als Cedern seyn
Es stutzt sein graues Haar von Sieg- und Lorber-Kräntzen
Er geht als treuer Knecht zu seinem HErren ein.
Wir nur sind Klagens-werth die an dem Joch noch ziehen
Der Sinnen Flügel drückt deß Fleisches Last zurück.
Was ist doch unser Thun Rathschlüssen und Bemühen
Ein dünnes Sünden-Garn ein klebricht Vogelstrick.
Wir wenden Aug und Mund von einer todten Leichen
Ein kahler Schädel scheint ein schändlich Ding zu seyn;
Und eh der Sonnen-Glantz den Morgen wird erreichen
So fast offt dich und mich der schwartze Leichen-Schrein.
Betrübtste wer mit Schnee aus diesem Leben schreitet
Und solche Vater-Treu an Kindern hat verübt
Ist würdlg daß man ihm die Denckschrifft zubereitet:
Er hat Gott Weib und Kind von gantzer Seelge- liebt.
Schenckt doch dem Seeligen vor Thränen Freuden-Lieder
Daß er die Noth der Welt so überwunden hat;
Es ruhen ewig wol die ausgekreuschten Glieder
Und unser