Bey Beerdigung Hn. H. F. den. 11. Julii 1677.

By Heinrich Mühlpfort

So bist du Seeliger nun deiner Qual entbunden?

So macht ein sanffter Tod dich von den Fesseln loß?

Nach so viel rauhem Sturm hast du den Port gefunden

Und gehst mit Seegen in der alten Mutter Schoß.

Ach! abgelebter

Wenn auf die Folter-Banck die strenge Gicht dich warff?

Wenn ihre Tyranney die Glieder dir durchschnitten

Wenn ihr zerreissend Weh mehr als ein Messer scharff.

Das Alter an sich selbst war eine Last zu tragen

Als das ein Sammel-Platz der bittern Schmertzen hieß

Und was verspürt man mehr bey den beschneyten Tagen

Als stündiich neue Noth Angst Eckel und Verdrieß?

Du bist

Nein wie viel Jahre hat der Tod dich nicht besucht?

Da schon die Lebens-Kräfft und Geister abgewichen

Ja selbst die Seele stand als wie auff schneller Flucht.

Sie sah’ ihr Wohnhauß da mit seinen Säulen sincken

Der Eymer war zulechst die Räder morsch entzwey

Es wolte nicht das Licht mehr durch die Fenster blincken

Die Sprache zog farm Ohr als wie ein Gast vorbey.

Ach was elender Nächt’ hast du nicht da empfunden

Und mit dem Hiob dir gewünscht erlöst zu seyn?

War’st du nicht an dein Bett als einen Pfahl gebunden?

Und mit dem Morgen-Liecht erschien auch neue Pein?

Der Martern Grausamkeit und aller Hencker reissen

Was Eccelin erfand und Nero hat erdacht

Sind nur ein Kinderspiel für deiner Gicht zu heissen.

Die dich noch lebenden Gerippen gleich gemacht.

Dein Lager war gewiß von nichts als Dorn und Hecken

Ein Nothstall den Japan nicht schlimmer zeigen kan:

Noch liest du keine Qual so deinen Geist erschrecken

Daß er nicht Glaubens-voll sich schwunge Himmel an.

Je mehr der Leib erlag je hurtiger die Sinnen

Mit feurigem Gebet den höchsten GOtt versöhnt.

Du liest die Ungedult nicht Oberhand gewinnen

Und rufftest: Wer wol kämpfft der wird zuletzt gekrönt.

Nun ist dein Feind erlegt dein Leiden hat ein Ende

Dein wol geplagter Leib geneust der süssen Ruh.

Du bist auch so beglückt daß dir der Kinder Hände

In heisser Liebes-Pflicht die Augen drücken zu.

Wem wird wol als wie dir von GOtt das Heil bescheret

Daß Kind und Kindes Kind er

Wem wird wol so erstreckt der Tage Frist gewehret

Daß fünff und achtzig Jahr sein Leben machet satt?

Mich dünckt wie umb dein Grab ein schöner Regenbogen

Voll Segen voll Genad den bundten Zirckel führt

Zum Zeichen daß dir GOtt von Jugend auf gewogen

Und daß du seine Güt’ und Wunder hast gespürt.

Hat nicht sein Vater-Arm im Alter dich getragen?

Du hast bey keiner Noth verlassen dich gesehn.

Es wird der Enckeln Mund des HErren Wolthat sagen

Und rühmen was an dir vor Dinge sind geschehn.

Betrübtste die ihr hier bey eures Vatern Bahre

Zu zeigen eure Pflicht in einer Crone steht;

Begiest mit Thränen nicht den grauen Schnee der Haare

Und daß er Lebens-müd auß unsern Schrancken geht.

Er hat das Ziel erreicht nach dem wir alle rennen

Ein langes Leben ist doch nur ein langer Tod

Jetzt können wir ihn frey und franck von Schmertzen nennen

Sein seelig Sterben ist die Endschafft aller Noth.

Er trit vom Schau-Platz ab und hat die Welt erfahren

Ja als ein alter

Er kennt ihr falsches Gut und auffgeborgte Wahren

Wie sich die Thörichte kan hoch damit aufblähn.

Ein redlich-Teutsches Hertz erschrack ob den Gebärden

Wormit sich jetzt die Kunst der neuen Sitten ziehrt

Da Worte nicht einmal zu Wercken sollen werden

Da man Zibeth im Mund und Gifft im Hertzen führt.

Herr Francke redte frey ein Feind der Heucheleyen

Der Basilißken gleich ein Lügen-Maul gehast

Hielt Gott für seinen Schatz recht thun und sich nicht scheuen

Diß hat’ er zu dem Zweck deß Lebens abgefast.

Er wieß in Leid und Freud ein unbewegt Gemüthe

War denen Felsen gleich die nie kein Donner schreckt:

Vertraut in Angst und Noth auf seines Schöpffers

Weil der gar sicher ruht den Gottes Flügel deckt.

Hingegen hat das Glück ihm nie den Muth erhoben

Die alte Redligkeit blieb in die Brust gepregt.

Und that er Freunden guts so ließ ers andre loben

Dieweil ein danckbar Sinn das Zeugnüß bey sich trägt.

Sein Hertze war erfreut wenn er die Enckel küßte

Und Gottes Segen sah’ aus wolgerathner Eh’.

Gewiß daß diese Schaar sein Leben ihm versüßte

Und ihr noch lallend Mund verjagt der Sorgen Weh.

Erfreut euch

Der hier gefangen gleich ins Leibes Kercker saß

Die Stricke sind entzwey die Fessel abgenommen

Macht eure Augen nicht mit Thränen ferner naß.

Er ist als wie ein Gast von hier recht satt geschieden

Begehret weiter nicht die Herberge der Welt.

Vor fühlt er Kampf und Streit jetzt schmeckt er nichts als Frieden

Vor war er Menschen nur jetzt Engeln zugesellt.

Er wird wie reines Gold durchs Feur geläutert gläntzen

Und sein zerfoltert Leib gerad’ als Cedern seyn

Es stutzt sein graues Haar von Sieg- und Lorber-Kräntzen

Er geht als treuer Knecht zu seinem HErren ein.

Wir nur sind Klagens-werth die an dem Joch noch ziehen

Der Sinnen Flügel drückt deß Fleisches Last zurück.

Was ist doch unser Thun Rathschlüssen und Bemühen

Ein dünnes Sünden-Garn ein klebricht Vogelstrick.

Wir wenden Aug und Mund von einer todten Leichen

Ein kahler Schädel scheint ein schändlich Ding zu seyn;

Und eh der Sonnen-Glantz den Morgen wird erreichen

So fast offt dich und mich der schwartze Leichen-Schrein.

Betrübtste wer mit Schnee aus diesem Leben schreitet

Und solche Vater-Treu an Kindern hat verübt

Ist würdlg daß man ihm die Denckschrifft zubereitet:

Er hat Gott Weib und Kind von gantzer Seelge- liebt.

Schenckt doch dem Seeligen vor Thränen Freuden-Lieder

Daß er die Noth der Welt so überwunden hat;

Es ruhen ewig wol die ausgekreuschten Glieder

Und unser