Bey dem Begräbnis eines von AdelsCantata

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Wohin reißt euch bestürtzte Sinnen

Der Anblick dieser Eitelkeit?

Ihr Augen ach erstarrt ihr nicht!

Wird Finsternüs was vormahls Licht!

Hier lieget was uns vor erfreut

Und was ein Hertz kan lieb gewinnen.

Wohin reißt euch bestürtzte Sinnen

Der Anblick dieser Eitelkeit?

Was ist der Mensch worauf baut sein Vergnügen?

Auf sein Geschlecht? das kommt und muß vergehn.

Wie Spreu muß Lust und Herrlichkeit zerfliegen.

Der Wind fährt hin woher er auch muß wehn.

Die Wasser stürtzen sich ins Meer

Woraus ihr Uhrsprung kommen.

Und ach der Mensch (O Seele sey behertzt

Daß mich nicht die Betrachtung schmertzt

Wird endlich Staub wovon er ist genommen.

Lerne mich doch selbst erkennen

Weißheits volle Sterblichkeit

Bau ein Grab in meinem Hertzen

Und zum Sarg in Lust und Schmertzen

Stille Gott-Gelassenheit

Ach süsses Leben.

Wer so den Geist der Welt hat aufgegeben.

Frolocke weiser Sterblicher

Du hast nunmehr gesiegt

Dein Hertze tritt die Erden schon mit Füssen

Den Leib wird seelge Ruhe küssen

Wenn er darinnen liegt.

Frolocke weiser Sterblicher

Du hast nunmehr gesiegt.

So lebe man um allezeit zu sterben.

Das Ebenbild nicht gäntzlich zu verderben

Das Gott sich gleich gemacht und man so oft verletzt.

Das Irdische so meine Seel ergetzt

Muß im Gemüth schon nach dem Himmel schmecken.

Damit was mir bey jener Welt

Soll unaussprechlich wohl erwecken

Mit Schrecken mich nicht einst umschlossen hält.

Die nun edle Hertzen haben

Werden sich in sich begraben

Ehe noch das Ziel bestimmt.

Daß wenn Laster Aschen werden

Die Verklärung hier auf Erden

Ihren seelgen Anfang nimmt.