Bey dem Begräbnis eines von AdelsCantata
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Wohin reißt euch bestürtzte Sinnen
Der Anblick dieser Eitelkeit?
Ihr Augen ach erstarrt ihr nicht!
Wird Finsternüs was vormahls Licht!
Hier lieget was uns vor erfreut
Und was ein Hertz kan lieb gewinnen.
Wohin reißt euch bestürtzte Sinnen
Der Anblick dieser Eitelkeit?
Was ist der Mensch worauf baut sein Vergnügen?
Auf sein Geschlecht? das kommt und muß vergehn.
Wie Spreu muß Lust und Herrlichkeit zerfliegen.
Der Wind fährt hin woher er auch muß wehn.
Die Wasser stürtzen sich ins Meer
Woraus ihr Uhrsprung kommen.
Und ach der Mensch (O Seele sey behertzt
Daß mich nicht die Betrachtung schmertzt
Wird endlich Staub wovon er ist genommen.
Lerne mich doch selbst erkennen
Weißheits volle Sterblichkeit
Bau ein Grab in meinem Hertzen
Und zum Sarg in Lust und Schmertzen
Stille Gott-Gelassenheit
Ach süsses Leben.
Wer so den Geist der Welt hat aufgegeben.
Frolocke weiser Sterblicher
Du hast nunmehr gesiegt
Dein Hertze tritt die Erden schon mit Füssen
Den Leib wird seelge Ruhe küssen
Wenn er darinnen liegt.
Frolocke weiser Sterblicher
Du hast nunmehr gesiegt.
So lebe man um allezeit zu sterben.
Das Ebenbild nicht gäntzlich zu verderben
Das Gott sich gleich gemacht und man so oft verletzt.
Das Irdische so meine Seel ergetzt
Muß im Gemüth schon nach dem Himmel schmecken.
Damit was mir bey jener Welt
Soll unaussprechlich wohl erwecken
Mit Schrecken mich nicht einst umschlossen hält.
Die nun edle Hertzen haben
Werden sich in sich begraben
Ehe noch das Ziel bestimmt.
Daß wenn Laster Aschen werden
Die Verklärung hier auf Erden
Ihren seelgen Anfang nimmt.