Bey dem einzuge, und der darauf am 28 Nov. 1708 erfolgten vermählung Friedrich, ...
Die lange nacht ist hin, und der so schwere tag,
Da Preussens herrligkeit auf todten-küssen lag:
Da unsre hoffnung fiel, und man in zweyen leichen,
Der schönheit Sonne sah, der jugend Lust erbleichen.
Charlotte starb vorher, und Friderich hernach:
Der zarte Friderich, von dem ein ieder sprach:
So war dein König auch, o Preussen! in der wiegen,
Dis kind wird so, wie er, bey ruh und friede siegen,
Durch güte mächtig seyn. Was aber sind wir doch?
Wir segeln auf der see der freuden allzuhoch,
Und prophezeyhen offt von weit entfernten dingen;
Indessen lässet GOtt uns nähere gelingen,
Die keiner abgezielt. So groß als dazumal
Des landes jauchzen war; so groß war auch die qval,
Als unser wunsch verschwand, und wir in wenig tagen,
Das, was uns kaum ergetzt, schon wieder musten klagen.
Wie dorten den Marcell das große Rom bereut:
Wie du, o Maro! sangst von seiner tapfferkeit:
Und wie Octavia erstarrt, als sie gelesen,
Was ihr Marcellus war, und würde seyn gewesen:
So brach auch unser hertz, so sang auch unser chor,
Das chor des Musen-volcks, viel leiser als zuvor.
Die meisten seuffzten nur, und schrieben aller orten
Zwar Preussens thaten an; doch nur mit halben worten:
Doch noch mit halber furcht, daß diese bittre pein
Von einer mächtigern nicht möchte mutter seyn.
Wie? rieffen wir bestürtzt: Ist dieses nun das glücke,
Das unsern König crönt? Flieht, zeiten! flieht zurücke!
Verfloßne kehret um! und zeigt dem himmel an,
Was unser Friderich für GOttes heer gethan.
Sagt, armen! wie er euch mit wohlthat unterstützet:
Sagt, reiche! wie er euch durch strenges recht geschützet;
Sprecht, freunde! was sein arm für euer heyl gewagt:
Sprecht, feinde! was sein mund zu eurer ruh gesagt.
So schry’n, so klagten wir: Der schmertz drang in die glieder:
Die glieder gaben ihn dem munde doppelt wieder:
Der mund behielt ihn nicht; er trug ihn in den wald,
Allwo er, wie man sagt, noch heute wiederschallt:
Allwo auch, wie man spricht, die treue Philomele
Nicht so, wie sonsten nur, in ihrer wittwen-höle,
Den raub der jungen klagt, den todten buhlen meynt;
Nein! sondern inniglich um unsern Printzen weint.
Der Preussen Held allein, ihr großer Held alleine,
Blieb im gewichte stehn, gleich einem felsen-steine,
An den das wilde meer zwar seine wellen schlägt,
Der aber mehr die flut, als ihn die flut bewegt.
Jhn drückte ja wol auch, was wir so schwer empfunden:
Er fühlte mehr, als wir, die tieffe seiner wunden:
Doch unser trost zu seyn, verbarg er alles leid:
Doch länger uns zu sehn, zog er auf kurtze zeit
Aus unsern augen weg: Es ist in kühlen gründen,
Wo Zechus einst gewohnt, ein kleiner ort zu finden,
Der immer lustig ist, wo immer wasser qvillt,
Das der gesunden durst, der krancken schmertzen ftillt.
Man sagt: daß Phöbus hier sein lager aufgeschlagen,
Als er der Daphne raub in stiller angst ertragen:
Daß er halb-todten hier das leben wiederbracht,
Und eben auch allhier sein süßes spiel erdacht;
Sein süßes lauten-spiel, bey dem er offt das essen,
Dich endlich, Hyacinth! dich, Daphne! selbst, vergessen.
Hier war es, da der Held fast kranck sich niederließ;
Der wunsch, den gantz Berlin aus vollem hertzen stieß,
War vom verhängnisse schon längsten unterschrieben.
Ich will, sprach es, dein Fürst soll leben und auch lieben,
Und wieder frölich seyn. Geh, Amor! führ es fort:
Geh auch, Vergessenheit! Eilt! flieget an den ort,
Wo König Friedrich ist. Du, geuß ihm, wenn er wincket,
Von Lethens wasser zu! Du, flöß ihm, wenn er trincket,
Der liebe balsam ein! Gesagt und auch geschehn!
Der König hatte kaum den wunder-brunn gesehn;
Kaum hatt’ er hand und mund am becher angesetzet;
Als ihn, ich weiß nicht, was für eine lust, ergetzet:
Als er, ich weiß nicht, was für einen trieb empfieng,
Der erstlich in das blut, denn in die sinnen gieng,
Und endlich meister ward. Ach! sprach der fromme König,
Was seyd ihr schäfer doch! Jhr habt an güthern wenig,
Doch freude mehr als ich. Jhr liebet ohne schen:
Und wo cypressen seyn, legt ihr auch myrthen bey.
Stirbt euch die Phyllis hin, nehmt ihr die Doris wieder.
Ich steh’ mit aengsten auf, mit angst leg ich mich nieder,
Und schleppe, wo ich geh’, stets meine Todte nach.
Ach! rieff der wiederschall: Wer klagt mein ungemach?
Wer, fuhr der König fort, ersetzt mir, die ich liebe?
Die liebe, klang der thal: Daß liebe nur betrübe,
Das weiß ich, sprach der Held: Von ihr kommt meine müh’.
Ist liebe mehr als witz? mehr als philosophie?
Sophie, rieff echo nach: Schmertzhafftes angedencken!
Versetzte Friderich: Kanst du sie wiederschencken?
Charlotte ist erblaßt, die schöne Königin.
Mit ihr starb auch Sophie. Sophie ist, schwer ich, hin!
Schwerin erklang der wald: Soll sie Schwerin mir geben?
Wohlan! so last uns denn hin nach Schwerin erheben!
Sprach abermals der Held. Wie wenn ein funcke sich
In feste ballen setzt, nicht bald auch äuserlich
Die gantze glut erscheint: Sie kömmet nur geschlichen:
Sie wartet, bis ihr feind, die feuchtigkeit gewichen
Und alles feurig ist: Denn dringt sie durch das haus,
Greifft dach und giebel an, und schlägt in flammen aus:
So schleichet Amor auch: Erst reitzt er uns zum schauen;
Denn macht er unvermerckt, daß wir ihm weiter trauen:
Und endlich bricht er los. Der König kam und sah:
Er sah’, er stutzt’, und gleich war auch das feuer da,
Das Dido ehermals in dir die alten flammen
Mit neuen ausgelöscht: Wer, fragt er, kan verdammen,
Was GOtt und himmel will? Charlotte, gute nacht!
Das sey das letzte mal betrübt an dich gedacht.
Hinfort will ich erfreut dich in Sophien nennen,
Und in der Lebenden noch für die Todte brennen.
Was unser Held gesagt, das ist nunmehr vollbracht.
Er kommt und bringt den Schatz, der todte lebend macht.
Er bringt die Königin: Der stücke starckes knallen
Läst, Amor! deinen sieg hoch in der lufft erschallen:
Und Fama nimmt den schall, und trägt ihn durch die welt,
Viel weiter, als der Mohr, als Peru tafel hält.
Wir alle seynd erstaunt. Wir sehn das neue wunder,
Das unsern Held entzündt, und er mit gleichem zunder
Zum lieben angefeurt: Schaut! wie sie nach ihm blickt!
Schaut! wie auch ihn zugleich ihr holder blick erqvickt!
Sie zweiffelt, ob sie ihn; er, ob er sie recht höret:
Das ohr wird durch das hertz, dis durch den mund geftöret:
Und eines klaget stets das andre schertzend an,
Da keines doch für lust weiß, was es selbst gethan:
So lacht Aurora nicht, da sie auf ihrem wagen,
Dem keuschen Cephalus, Dich lieb ich, konte sagen:
So seufftzte Phöbus nicht, da er Boline, sprach,
Boline, fliehe nicht! Apollo folgt dir nach:
Als deine Fürstin jauchtzt, Held! daß sie dich bewogen;
Als dich, o Held! verlangt, eh’ sie hier eingezogen.
Was ist unmöglich nun nach dieser neuen that?
Wer lebt, dem nur hiervon jemals geträumet hat?
Gleichwol ist es geschehn, mein König! und erfüllet.
Was keiner ie gehofft, hat unsern schmertz gestillet.
Wir dencken nun nicht mehr an die verrauchte zeit:
Wir dencken nur, wie du, auf süße fröligkeit:
Auf lorbeern, die dich, Held! als Sieger, crönen sollen:
Auf rosen, die wir dir, Sophia! streuen wollen.
O Preussen! preise GOtt! da Mars sonst alles drückt,
Bellona rast und tobt, die hölle fast erschrickt,
Die tieffe sich bewegt, und die verdammten seelen
Kaum für der bomben last, in ihren jammer-hölen
Hinweiter sicher seyn; so sitzest du in ruh:
So werffen wir vergnügt einander blumen zu:
Wie etwan, Salomo! zu deiner zeit geschehen,
Da man nur fried und gold, nicht krieg und blut gesehen:
Da Thyrsis nicht geklagt: Mein König fällt mir schwer;
Und alle welt noch rieff: Mehr Salomonen her!
Gott hat uns zwar versucht; doch nur auf wenig stunden.
Was uns das grab entrückt, das ist auch schon verwunden.
Nun Friedrich wieder liebt, nun er so glücklich liebt,
Scheint alles nur ein traum, was uns iemals betrübt.
Das war es, was wir offt von ihm erbitten wolten:
Allein wir wusten nicht, ob wir es bitten solten.
Jtzt kommt er uns zuvor, und bringt auf einen tag
Mehr, als wir ie gedacht, als keiner bitten mag.
Was Amphitrite soll und Pallas seyn gewesen:
Was uns Diana scheint, wenn wir die fabeln leseu;
Ist nicht mehr fabel-werck. Heut wird es offenbar.
In dir, Sophie! allein stellt er sie alle dar.
Du bist mehr als das heer der heydnischen göttinnen:
Dort muste der poet die tugend nur ersinnen;
Hier tritt sie lebend auf. Wir schauen dich nicht an
Als eine Königin, die uns gebieten kan:
Nicht als ein Ober-haupt, das ieder muß verehren:
Nein; sondern als ein bild, das uns die demuth lehren,
Und künfftig der vernunfft zur regel dienen soll:
So war nicht Griechenland von Hectors thaten voll,
Nicht von Alcidens ruhm; als wir von deinen strahlen.
Man darff nicht, ruffen wir, erst Preussens siege mahlen!
Was Friderich in dir dem lande zugewandt,
Ist mehr, als was sein arm durch alle siege fand.
Weicht, stoltzen herrscher! weicht! die ihr mit falschen waffen,
Wie Pyrrhus, alles denckt in euren schoos zu raffen!
Die ihr bey friede, krieg! bey kriegen, friede! schreyt:
Mit todten-knochen spielt, von blute truncken seyd:
Jhr habt kaum einen theil von einem wahren helden,
Was wird man, wenn ihr sterbt, von euch in büchern melden?
Nichts, als, daß ihr gesiegt; doch auch sehr viel gewagt:
Ein fremdes land zerstört; doch eures auch geplagt:
Und offt in einer nacht, da wir der ruh genoffen,
Ein gantzes fürstenthum vor einer stadt verschossen.
Wer so auf ehre denckt, der dencket nur auf schein.
Ein held muß lauter hertz, doch auch voll tugend seyn.
Dein König, Preussen-land! ist auch gewohnt zu siegen:
Allein sein sieg ist stets das ende von den kriegen:
Sein krieg ein friedens-schild: Sein schwerd der feder-kiel,
Der maas und regel schreibt, wenn man uns stören will.
Er schläget, wenn er muß: Doch mitten in den wellen
Der strengen krieges-flut, sieht man ihn rechte stellen:
Sieht man ihn städte baun, mit GOtt zu rathe gehn,
Und den halb-leeren thron durch neuen glantz erhöhn.
O ewig-großer Held! O Vater! möcht’ ich sprechen:
Wo nehm’ ich feuer her, so schleunig auszubrechen,
Als es dein lob erheischt? Dir ist es nur ein spiel,
Mit wundern umzugehn; Uns aber ists zuviel,
Sie nur recht anzuschaun. Wir dichten, wir beschreiben:
Doch weil wir gantz verrückt bey einem stehen bleiben,
So sieht dein auge schon, was dich noch größer macht:
So hat dir GOtt auch schon was höhers zugedacht.
So zieh’ denn ein, o Held! zieh’ ein, du Licht der Schönen!
Jhr seyd allein geschickt, euch nach verdienst zu crönen,
Eu’r eigner lohn zu seyn. Das donnernde geschütz’
Kracht abermals empor: Doch so kan nicht der blitz
Aus den canonen gehn, aus den carthaunen dringen,
Als wir von lauter wunsch frolockend wiederklingen.
Komm! rufft ein jeder, komm! Verlangte Königin!
Sieh nicht auf gold und pracht! nimm unsre hertzen hin!
Wenn dir das glücke wird in vollen ampeln brennen,
So glaube, daß wir dir noch weit ein mehrers gönnen.
Wenn Amor sprechen wird: Schlaf, Sonne! schlafe doch!
So dencke nur alsdenn, gantz Preussen wachet noch,
Und lieget vor dein heyl mit weyrauch auf den knien;
Denck auch so, wenn die nacht wird aus der kammer fliehen!
Denck es, wenn sich dein Held mit dir zur tafel setzt!
Wir finden nichts an dir, was uns nicht auch ergetzt.
Du findest nichts an uns, als treu-ergebne seelen,
Als zungen voller brand, die nie dein lob verheelen.
So spricht das gantze volck; GOtt höre, was es spricht!
Er schlage, was aus neid dein wohlseyn unterbricht!
Er segne, was dich liebt! Jedoch, wer will dich neiden?
Was unser Friderich heißt seinen thron bekleiden,
Ist über allen neid. Herrscht beyderseits in ruh!
Die liebe wehe stets euch ambra-lüffte zu!
Der himmel sey vor euch zu allen stunden offen!
Er sey es, wo sonst viel nichts dürffen von ihm hoffen!
Er sey es, eh’ euch noch gefahr und übel kränckt!
Und wo mein frohes hertz darff wünschen, was es denckt:
So laß’ er mit der zeit in eurem reich auf erden,
Die grentze des Codans zum mittel-punete werden!