Bey dem Gleditsch- und Bötticherischen Hochzeit-Feste entschuldigte sich/ daß er...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Mein Freund sein Hochzeit-Brief war eben angekommen
Als ich aus Schlesien von einer Hochzeit kam.
Im Schreiben hat er wohl von Liebe gantz geglommen
Drum war der Brief noch heiß als ich denselben nahm.
Er bittet er befiehlt ich soll nicht aussen bleiben.
Die Worte sind wohl schön ich weiß auch meine Pflicht:
Doch aber den Termin vor dißmahl abzuschreiben
Muß ich gezwungen thun und ändern kan ichs nicht.
Es hat der weite Weg die Lust mir nicht verbohten.
Ich käme mit der Post noch gleich zu rechte hin.
Mein Aemtgen machet nur die allermeisten Knoten
In welchem ich zwar frey doch auch gebunden bin.
Zu dem will mich die Furcht an meiner Reise hindern
Die mir wie jederman die schwarze Rotte macht.
Denn könte diese nicht mich unterwegen plündern?
Gewiß ich zittre gantz da ich nur dran gedacht.
O was vor schrecklich Ding will man von ihnen sprechen:
Sie frässen Menschen-Fleisch und söffen Kinder-Blut.
Das Eisen könten sie wie faules Holtz zerbrechen.
Dem der sie nur erblickt entfiele stracks der Muht.
Sie ließens gar vorher den Leuten selber sagen
Wenn und zu welcher Zeit die Ankunfft solte seyn:
Da würden Thier und Thor und Kasten aufgeschlagen
Da packten sie das Geld vor aller Augen ein.
Denn niemand könte sich an Händ und Füssen rühren.
Man stünde gantz erstarrt als wie von Krampff und Gicht.
Und was man mehr erzehlt von diesen bösen Thieren
Drum sagt mir Furcht und Angst: bey leibe reise nicht.
Wie wohl es geht mir nah daß ich nicht soll erscheinen.
Ich träfe da den Kern von lieben Freunden an.
Ich dächte nicht daß wir zusammen würden weinen
Wenn die Vertraulichkeit die Hertzen aufgethan.
Mich solte manch Gespräch am wehrten Vater laben.
Ich sehe schon wie er die Braut zum Tantze führt.
Ich will das Podagra hiermit beschworen haben
Daß ihn der böse Schalck vor dismahl nicht verirt.
Er præsentire nicht den Gästen seine Krücken
Noch thue wie manchmahl auf seinem Throne stoltz.
Er breche sie auf ietzt und immerfort in Stücken
Man brauchet ohne dem zum Hochzeit-Braten Holtz.
Philandern fänd ich da Philandern mein vergnügen
Und köndten wir auch gleich nicht auf das Thürmgen gehn:
So würde sich doch sonst viel angenehmes fügen
Da uns der Zeit-vertreib zu Dienste müste stehn.
Mich dünckt ein wehrter Mann in einer runden Krause
Der wo mir anders recht Magister – – heist
Mein Hochgeschätzter Freund ist auch im Hochzeit-Hause
Wo er gelehrt Confect mit seinen Nachbarn speißt.
Das Glücke würde mir vieleicht mehr Gönner schencken.
Diß wäre schon genug: Ich könte Leipzig sehn.
Versichert wenn ich nur ein solches darf gedencken
So kan es anderst nicht als höchst vergnügt geschehn.
Hier fehlt mir diß und das. Doch draußen wirds gefunden.
Dort treff ich lauter Marck hier nur die Knochen an.
Hier ist die Uhr verstellt. Sie schläget wenig Stunden
Wo ich Zufriedenheit des Lebens zehlen kan.
Ach ja ich muß allhier im Lande Cabul wohnen.
Zwar machet Sand und Stein mit Grütz und Piltzen reich
Und Tannen-Zapfen sind so gut als wie Citronen:
So ist Italien auch nicht demselben gleich.
Wie gerne möcht ich nun das liebe Leipzig sprechen!
Wie hertzlich wünscht ich mir ein Hochzeit-Gast zu seyn.
Doch will manch Hinderniß das Wagen-Rad zubrechen:
Wohlan so sind ich mich doch in Gedancken ein.
Die Ehre hab' ich nicht die edle Braut zu kennen
Biß mich ein künftger Tag darinnen glücklich macht.
Indessen ist sie wohl ein schönes Buch zu nennen
Wo von er den Verlag mein Freund an sich gebracht.
Ich weiß schon das er sich nichts schlimmes zu geleget.
So daß die Heyrath wird der Handlung gleich gespührt.
Das ist der wahre Ruhm den sein Herr Vater träget
Daß er was gut und rar in seinem laden führt.
Ein andrer sucht Gewinst in schändlichen Scarteqven.
Wie sein Gewissen ist so ist auch das Papier.
Was Schwärmer ausgeheckt was Atheisten köcken
Trägt er zum Aergerniß in offnen Drucke für.
Was Stanck und Unflaht heist das bringet er zur Preße.
Wer Pasqvinaden schmiert der hat ihm recht gethan.
Und diente solches nur zu seinem Intereße
Er nähm ein Manuscript vom Teufel selber an.
Mein Gleditsch ist ein Feind von dem verwünschten Schrifften.
Deswegen sieht man auch den Seegen-Gottes blühn.
In solchem wird er sich noch manches denckmahl stifften
Das die gelehrte Welt wird in Verwundrung ziehn.
Lebt Oporin annoch? Ist nie Plantin gestorben?
Steht noch Manutius und pranget noch Froben?
Hat sich ein Elzevier Unsterblichkeit erworben?
Ey so muß Gleditsch auch in gleichem Paare gehn.
Dem Vater ist der Sohn höchstrühmlich nach geschlagen.
Nur tüchtiger Verlag steht seinem Handel an.
Und also hab ich erst nicht lange nach zu fragen
Nach was vor einer Braut sein Hertz sich umgethan.
Es wird von Verßen wohl am Hochzeit-Tage schneihen
Und manch Invention vieleicht von Büchern seyn.
Wenn ein Poete mir den Kasten wolte leihen
So schickt ich ebenfals davon ein Carmen ein.
Jedoch was nähm ich da? nicht eine Haus-Postille
Mich deucht die kömt zu alt und sehr bestäubet raus.
Von Waßer-Quellen wärs nur eine kahle Grille.
Auch sieht mir ein JOURNAL, wie was gemeines aus.
Es dürft ein LEXICON wohl schlechte Reime bringen.
Wär etwas abgeschmackt so wär es ein ROMAN.
Man hört nicht gar zu gern das Lied der Weiber singen
Drum käm es ungeschickt auf ein Gesangbuch an.
Was will ich hin und her mit den Gedancken wandern?
Es sey ihm seine Braut in Paradieß-Gärtlein!
Hinckt etwan dieser Verß? Er schick zu Philandern.
Derselbe richt't ihm schon die Beine besser ein.
Jedoch ein Wort in Ernst worzu das Hertz geleget:
Es sey sein neuer Stand dem Paradiese gleich!
Er sey ein Lebens-Baum der tausend Früchte träget!
Er sey ich sage mehr ein irrdisch Himmelreich.