Bey Des Weyland Hoch- und Wohlgebohrnen Herrn HERRN Hanns Aßmann Frey-Herrn von ...
Wie irrt der Menschen Wahn in irrdischem Ergötzen
Den äuserlichen Schein der Warheit vorzusetzen.
Man sucht am meisten das was unsern Leib vergnügt
Acht selbst der Seele nicht woran doch alles liegt.
Die Fackel der Vernunfft will offt zu dunckel brennen
Daß wir uns wo wir seyn kaum bey uns selber kennen;
Wir wandeln taumelnde frey in den Tag hinein
Als solte hier kein Tod und dort kein Himmel seyn.
Doch wer sich nicht ein Kind der Finsterniß will nennen
Kan diesen Fehler leicht der blinden Thorheit kennen.
Was unsern Leib erfreut sind Rosen kurtzer Zeit:
Was das Gemütte ziert ein Schatz der Ewigkeit.
Denn in der Seele wohnt ein Glantz von reinem Lichte
Was uns von aussen ziert wird offters bald zu nichte.
Des Glückes schwacher Grund der Zeiten schneller
Lauff
Baun in der Ewigkeit nicht Ehren-Tempel auff.
Der ist Bejammerns werth der seinen Sinn und Dencken
Nur mit der kurtzen Zeit des Lebens will beschräncken.
Pflantzt doch ein Gärtner wohl der Nach-Welt einen
Baum
Wie schleust du selber denn dich in so engen Raum?
Ein tugendhaffter Geist der nach der Krone strebet
Die uns vergöttern kan lebt wenn er nicht mehr lebet.
Der Nach-Welt Ehren-Krantz wird ihm erst beyge-
legt
Wenn man was Eitel hieß mit ihm zu Grabe trägt.
Schaut unsern
Wie ihr der Tugend Gold solt vor die Schlacken ehren
Wie man den rechten Grund zu wahrer Tugend legt
Und zwar die Rosen liest doch keine Dornen hegt.
Er kandte gar zu wohl der Welt verstimmte Säiten
Und den Syrenen-Klang die ihrer viel verleiten;
Er aber stopffte stets des Hertzens Ohren zu
Und blieb bey Sturm und Wind in Felsen-gleicher
Ruh.
Er wuste daß er sich nicht sey allein gebohren
Und hielt denselben Tag vergebens und verlohren
Wenn er nicht war bemüht mit Hertze Mund und
Hand
Vor seines Käysers Dienst und vor sein Vaterland.
Man wird doch allzusehr den theuren
Der allen Rath und That zu geben war beflissen
Er war Demosthenes durch den gelehrten Mund
Er war Papinian in aller Rechte Grund.
Nun muß der bleiche Tod diß alles überwinden
Wowider kein Verstand ein Mittel weiß zu finden.
Wiewohl er hat allein den Cörper hingerückt
Seine Nahme bleibet doch den Sternen eingedrückt.
Drum pflantzet um sein Grab zwar traurige Cypressen
Die man mit Thränen nezt doch bleibet unvergessen
Auff die geweyhte Grufft auch Lorbern auffzubaun
Die unsre Nach-Welt soll in steter Blütte schaun.
Indessen ruht der Leib in seiner duncklen Höle
Im Himmel lebt der Geist die hoch-erlöste Seele
Und auff des Grabes Stein wird dir zu gutter lezt
Wie deine Tugend werth der kurtze Reim gesezt: