Bey HochAdelicher vnd Christlicher Begräbnus des HochEdlen Gestrengen vnd Vesten...

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Soll ich das Elend vnd Beschwehr

Des Lebens satt beweinen,

Wo nehm' ich alle Thränen her?

Wer ist es, ich weis keinen,

Der nicht von Hoffnung, furcht vnd noth

Verfolget sey bis in den Todt.

Sind unser unsre Mütter nicht

In Angst vnd Weh genesen?

Ja unser erstes Werck vnd Pflicht

Ist Weinen nur gewesen.

Die Kindheit wird gantz ohn bedacht

In lauter Thorheit zugebracht.

Der Jugend läst die Zucht nicht Rhue,

Ein Mann ist von dem Morgen

Bis auff den späten Abend zu

In Arbeit, Müh' vnd Sorgen.

Dem Alter wohnet mancherley

Furcht, Argwohn, Geitz vnd Kranckheit bey.

Vnd über alles Vngemach

So sind wir keiner Zeiten

Vom Todte frey, der stellt uns nach

Durch List von allen Seiten,

Würgt Alte, Kinder, Jugend, Mann,

Ohn Vnterscheid vnd wie er kan.

Was sag' ich von der Sünden viel?

Die liegt uns im Gewissen,

Wie werden wir ohn Maaß vnd Ziel

Durch jhren Mord gebissen!

So wild wird keine See bewegt

Als wir, im fall ihr Wurm sich regt.

Wer dieses wol zu Hertzen fasst,

Wie solt' er nicht der Erden,

Der Angst vnd Pein vnd aller Last

Befreyet wollen werden,

Zu kriegen fur dies HertzeLeid

Die wahre Rhue vnd Seeligkeit:

Dort, wo kein Vnmuth hingelangt,

Wo Gnüg' vnd Wollust schweben

Vnd wo die Schaar der Frommen prangt

Mit Herrlichheit umbgeben,

Wo Freundschaft ohn Betrug vnd List

Vnd GOTT in allem alles ist?

Da stehen umb des Höchsten Thron

Die Väter vnd Propheten,

Vor allen, Isai, dein Sohn,

Der Vater der Poeten,

Die stimmen sämptlich hell vnd rein

Mit vielen tausent Engeln ein.

Ihr Lob-Spruch ist: Herr Zebaoth,

O wer kan Dich ergründen?

Wie Heilig, Heilig, Heilig, GOTT

Bist Du doch zu befinden!

Des Himmels vnd der Erden Kreiß

Ist viel zu klein für deinen Preis.

Wer etwas von Erkäntnüs hat,

Wird sich aus diesen Thränen

Dort hin, in Gottes wehrte Stadt,

Das wahre Zion, sehnen,

Wird lassen Welt vnd Sünde stehn

Vnd seinem Tod' entgegen gehn.

Lehr, Herr, uns dieses Lebens Noht

Recht kennen vnd recht hassen,

Daß wir die Kunst auff Christus Todt

Zu sterben zeitig fassen,

Vnd ist denn unser Stündlein hier,

So nimm uns seeliglich zu Dir.