Bey Oratorischem Act, nach und über jetzt gedacht-höchst-betrawerlichen Churfürs...

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

O Wer hilffet uns beklagen

Dieses Lebens Eitelheit?

Welcher Mund weiß gnug zu sagen

Von der schnellen Flucht der Zeit?

Wie ein Schiff die Wellen trennet,

Und man keinen Weg doch kennet;

Wie man einen Pfeil abscheusst,

Wie ein Habicht auff die Taube

Plötzlich durch die Lüffte reisst,

So gedeyen wir zum Raube

Dir, du wilde Todes-Macht.

Wir und unser Thun und Pracht

Müssen nur von hinnen ziehen:

Keines güldnen Scepters Schein

Kan so wehrt und thewer seyn,

Er und alles muß nur fliehen,

Nun GEORG WILHELMEN Glantz,

So der Sonnen gleich geschienen,

Für die Nacht des Todes gantz

Unvermögen ist zu dienen,

Nun man Den hebt auff die Bahr,

Der ein Liecht der Helden wahr.

Ach mit was betrübtem Hertzen

Heulen beydes Dorff und Stadt!

BRANDENBURG weiß seinem Schmertzen,

Seinem Kummer keinen Raht.

DEUTSCHLAND wil aus Ach und Zehren

Für dem Feinde sich nicht wehren.

JULICH hat zu nichts sonst Lust,

Als das Haar ihm auß-zu-rauffen.

CLEVE schlägt für Angst die Brust,

BERGE geust der Thränen Hauffen

Immer von sich wie ein Meer.

POMMERN seufftzet aus Beschwer,

Thar es aber nicht gestehen.

PREUSSEN frisset sonderlich

Umb den thewren Fürsten sich,

Alles sieht man trawrig gehen.

Ja die Kälte, Reiff und Schnee

Ist so sehr weit nicht gestiegen

Als wol dieses Creutz und Weh,

Das den Nort-Stern kan besiegen,

Summa, diesen wehrten Heldt

Klagt mit uns nur alle Welt.

Wie gnädig ist der Himmel doch gewesen,

Daß er noch dabey

Auff das Angst-Geschrey

Durch, FRIDRICH WILHELM, Dich uns sämptlich lässt genesen?

Dein Vater lebt uns noch in Dir.

Das minste hat der Todt genommen,

Du hast auch seiner Tugend-Zier,

Nicht nur sein grosses Reich bekommen.

Sey glückhafft, Heldt! durch solcher Gaben Schein

Wirstu aller Erden

Lust und Liebe werden

Und auch des Himmels Preiß nach grossem Alter seyn.