Bitte an den Frühling

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Komm, o Frühling, aber doch

Nicht bloß meinetwillen;

Denn zum Glücke fang' ich noch

Keinen Schwarm von Grillen.

Aber sieh! wie bleich und stumm

Amarant dort sitzet,

Und den Mund zu einem Hum!

So verdrüßlich spitzet!

Seine blauen Augen sind,

Wie der Himmel, trübe;

Ja! ich glaube, daß er blind

Sich noch läs' und schriebe,

Wenn du länger, holder May,

In dem Walde schliefest,

Und nicht bald mit der Schalmey

In das Feld ihn riefest.

Seine Dinte will ich dann

In das Wasser gießen,

Seine Bücher, unter Bann,

In den Kasten schließen.

Unbekümmert, was ein Schwarm

Siecher Weisen schreibet,

Lern' er hier in meinem Arm',

Wer gesunder bleibet.

Goldne Sonne, Himmelskind!

Wolltest du erwachen,

O wie würd' er nicht geschwind

Schon im Märze lachen!

Ach! zum Opfer wollt' ich dir

Zwei Kalender weihen,

Die mit dunklem Wetter, schier

Noch acht Tage dräuen.