Blumen im Winter.

By Barthold Heinrich Brockes

Ist es möglich, schon anjetzt, in der härtften Winter-Zeit,

Da die Fluht mit Eis beleget, Garten, Feld und

Wald beschneit,

Lieblich riechende Eyrenen, funckelnde Gentianellen,

Crocos, Lilien-Convalljen, ja die schönste Pfirschen-Blüth,

Tulpen, Hyaeinth, Terzetten, wie man hier bewundernd

sieht,

Zu erblicken, ja daß solches möglich, sich nur vorzustellen!

Ach, mein GOtt, durch deine Güte, nehm’ ich in

derselben Pracht,

Mit Vergnügen, deine Weisheit, deine Wunder, deine

Macht,

Die durch dich stets regen Kräfte der Natur auch jetzt in

acht,

Und, durch ihre holde Schönheit, auch im Frost recht

angelacht,

Fühl’ ich, wie mein innerstes recht gelabet, recht erqvicket,

Ja, durch ämsige Betrachtung ihres Schmucks, fast selbst

geschmücket,

Zu dir hingezogen wird. Diese Pracht, die sie erblickt,

Wird ihr gleichsam zugeeignet, und, wie wir, noch einst

so schön,

Einer Schönen zarte Haut, bey ihr nahen Blumen, sehn;

Stellt sich eine frohe Seele, wenn sie Blumen so besieht,

In selbst blühenden Jdeen würcklich selbst verschönert mir,

Bey der weissen Hyacinth und der rohten Pfirsich-Blüt’,

Röther noch an Lieb und Andacht, weisser noch an Un-

schuld, für.