Blumen Womit Hn. E. D. J. U. C. Grabe bestreuet den 14. Octobr. 1674.
Es sollen umb dein Grab die schönsten Blumen blühen
Zu früh erblaster Freund du Blume deiner Zeit;
Die Flora will den Ort mit einem Lentz umbziehen
Der alle Schätze trägt geprießner Liebligkeit.
Es wird die Rose sich hier hundert-blättrig zeigen
Mitleidig daß sie dich der Jugend Rose deckt:
Die Lilg’ ihr Silber-Haupt betrubt zur Erde neigen
Der schöne Hyacinth mit Thränen stehn befleckt:
Die Kinder der Natur wie ingesambt sie heissen
Der Gärten höchster Schmuck deß Zephirs süsse Zucht
Sieht man auß grossem Leid ihr Sternen-Kleid zerreissen
Und wie nur dürres Laub zu Klage wird gesucht.
Ja dieses nicht allein! ich seh’ die Parnassinnen
Verschwestert um dein Grab O Seel’ger
Ich seh’den Fürsten selbst der hohen Pindus-Zinnen
In tieffen Flor verkappt bey deiner Leiche gehn.
Was mehr? Ich hör’ auch noch die Zucker-süssen Lieder
Den Stimmen-reichen Klang wie sie dich segnen ein.
Wo mein zerbrechlich Kiel als Echo was giebt wieder
So könnens ohngefehr dergleichen Seufftzer seyn:
Höchst-schmertzlicher Verlust ihr Schwestern den wir leiden!
Wird unser Helicon mit Todten auch entweiht?
Soll unser Wissenschafft der Parcen Urtheil leiden?
Ist unser kluger Witz vom Sterben nicht befreyt?
So pflantzen wir umbsonst die keuschen Lorbeer-Bäume?
So kront ein grüner Krantz vergebens unsre Haar?
Und die Unsterbligkeit ist flüchtiger als Träume.
Was baut uns dann die Welt viel Tempel und Altar?
Wir sehen ja für uns den Jenigen entgeistert
Der unsre Augen-Lust und Hertzens-Wonne hieß
Den in den Künsten wir ruhmseelig außgemeistert
Und der auch allbereit die reiffen Früchte wieß.
Man klagt die Bäume nicht die mit verlebten Aesten
Und Wurtzeln sonder Safft zu letzte gehen ein:
Alleine wenn ein Sturm bricht und zerreist die besten
So muß ja der Verlust mehr als empsindlich seyn.
Wir hofften dieser Baum den Breßlau erst gesetzet
Geheiligt unserm Wald und sorgsam stets bedacht
Den Franckfurts hohe Schul mit Nectar hat benetzet
Und auch das Saal-Athen zu grössern Wachsthum bracht;
Er solte dermaleins gewünschte Schatten geben
Mit Früchten bester Art das Vaterland erfreun.
Ach ja! so muß im Flor und Geister-vollem Leben
Man Blüthe Frucht und Baum verdorret scharren ein.
Dich
Dich Lust der Gratien dich Kleinod unsrer Zier!
Die
Gräbt noch Mnemosyne zum Denckmal in Saphir.
Dich hatte die Natur holdselig außgeschmücket
Des Leibes Hurtigkeit kam stets den Sinnen gleich
So war die Gottesfurcht dir in das Hertz gedrücket
Du lebtest voller Muth für keiner Mühe bleich.
Wie eyfrig hast du nicht uns Tag und Nacht geehret
Mit was vor Embsigkeit erstiegen unsern Berg?
Apollo der gar offt dein Fragen angehöret
Hieß da schon solchen Fleiß ein ungemeines Werck;
Biß dich Asträa gar zu ihrem Sohn erkohren
Und der Gesetze Kern dir aufgeschlossen hat.
Es gieng kein Augenblick der Zeit dir da verlohren
Dich fand die Nacht bey ihr und auch das Sonnen-Rad.
Wenn unser Musen-Volck auff des Parnassus-Höhen
Die Opfer überbracht must du der erste seyn.
Gleich wie ein edel Pferd das sieht es andre gehen
Auß voller Hitz und Brunst wird schnauben wiehern schrein
So gar bemühst du dich die Krone zu erreichen
Und hattest dir den Ruhm zum Endzweck vorgesetzt.
Was hast du itzt davon? nichts mehr als andre Leichen
Die durch die Würge-Hand deß Todes abgemetzt.
Doch ist ein Unterscheid: Gelehrte Leute leben
Wenn gleich der Uberzug deß Leibes schleust und bricht
Jhr Nachruhm kan sie schon bey aller Welt erheben
Jhr eigne Tugend ist ein Strahlen-reiches Licht.
Die viel zu wissen hier sich gleichsam wie vergraben
Ziehn wenn sie eingescharrt erst durch der Klugen Mund.
Diß ist das Eigenthumb so Phöbus Töchter haben
Daß wir der Unsrigen Gedächtnüß machen kund.
Du werthster Dreyschuch du solt immer seyn gepriesen
So lange Sonn und Mond in ihrem Zirckel gehn:
So lange Chloris Hand beblühmt die grünen Wiesen
Und unverwelckte Bäum’ im Lorbeer-Walde stehn.
Auch unsre Castalis läst ihre Bäche rinnen
Verkehrt ihr Spiegel-Glaß in einen Thrän-Crystall.
Die Lieder die wir itzt auß Traurigkeit beginnen
Die klingen dir zu Ruhm Apollens Nachtigall!
Was nur Parnassus kan von Blumen Schmuck gewehren
Streun wir mit Uberfluß
Ja
Die legen wir zugleich ein schuldig Opffer ab.
Und so viel leisten wir. Was thun die Charitinnen?
Sie trauren daß sie sind der Fröhligkeit beraubt
Deß herrlichen Gemüths der Sitten dieser Sinnen
Und haben sich auß harm in Schleyer eingehaubt.
Sie pflantzen auf die Grufft die grünen Amaranthen
Und geben einen Schnee von der Jesminen Strauch:
Hier nutzt kein ewig Licht was sonst die Heyden brandten
Noch deß Egypten-Lands Abgöttischer Gebrauch.
Es kämpfft der Rosmarin deß Saffrans Gold Narzissen
Und was sonst ins gemein die Gräber blühen heist
So einen schönen Kreiß umb diese Grufft zu schliessen
Den auch nicht zierlicher des Zeuxis Pinsel reist.
Diß war wo ich nicht irr’ und bin auß mir gerücket
Der Musen Leichen-Dienst und schuldig-treue Pflicht.
Hergegen wo mein Aug’ itzt Eltern sie erblicket
So kenn’ ich wol den Schlag der Seel und Hertze bricht.
Unmöglich ists die Wund auf einmal zuzuheilen
Wenn schon der Theophrast das Pflaster selbst erdacht:
Ich bringe meinen Trost in diese kurtze Zeilen
Die sonst zum Leichenspruch die Andacht hat gemacht:
Gott hat von Ewigkeit den lieben Sohn geliebet
Und hat ihn je und je mit lauter Güt erfreut
So daß er vor die Welt deß Himmels Schatz ihm giebet
Und legt ihn für Gefahr gar früh an seine Seit.
Ach unvergleichlich Trost! ehrt Eltern Gottes Willen:
Er kennt die Seinigen und bringt sie zu der Ruh:
Und endlich eure Fluth der Thränen was zu stillen
Rufft noch der Musen-Volck die süssen Worte zu:
Hier ruht deß Phöbus Sohn die Blume schönster Jugend
Der Gratien ihr Hertz der Themis Zuversicht
Sein Leben führte selbst die eigne Hand der Tngend
Sein Grab krönt Ehrenpreiß und auch Vergiß mein nicht: