Braut-Lied.
Mein auserwählter Schatz der du mich hast entzündet
Durch deiner Augen Pracht
Nun kommt die süsse Nacht
So beyder Hertz und Seel’ in reiner Treu verbindet
Und unsrer Liebe Licht und Schein
Heist nunmehr unauslöschlich seyn.
Der Frühling rühme sich mit seiner Blumen-Prangen
Und Venus ziehe für
Der Rosen Purpur-Zier
Mir blüht der Anmuth-Mayauf deinen holden Wangen
Und was behäglich ist und heist
Gewähret mir dein edler Geist.
Die Sternen sprühen selbst mit ihren goldnen Flammen
Glut unsern Funcken zu
Biß daß die süsse Ruh
In wahrer Seelen-Lust uns fügen wird zusammen
Und ein verbündlich Liebes-Kuß
Besigelt unsern Heyrath-Schluß.
Mein Engel gibstu doch mit Wincken zu verstehen
Daß in nicht mindrer Glut
Entbrannt dein treues Blut
Und eilst mit gleichem Sinn das Bündnüs einzugehen
O komm O komm verzeuch doch nicht
Mein Augen-Trost mein Seelen-Licht!
Es sind die Regungen in unser Blut geschrieben
Der muß ein Marmelstein
Und kalter Felsen seyn
Der was sonst Liebens werth nicht fähig ist zu lieben.
Und seine gantze Lebens-Zeit
Verkehrt in bittrer Einsamkeit.
Nein deine Freundlichkeit die Demuth diese Sitten
Die theure Scham und Zucht
Der wahren Tugend Frucht
Die haben liebstes Kind mein Hertze so bestritten
Daß du für allem Gut und Geld
Mein eintzig Schatz bist auf der Welt.
Was aber säum’ ich dich in meinen Arm zu schliessen
Dictynna sieht und wacht
Zu unsrer Hochzeit Nacht
Wünscht durch den Silberblick uns ein vergnügt Geniessen
Der Sternen Fackeln ruffen zu
Diß Paar das leb’ in Lust und Ruh.