Braut-Lied.

By Heinrich Mühlpfort

Mein auserwählter Schatz der du mich hast entzündet

Durch deiner Augen Pracht

Nun kommt die süsse Nacht

So beyder Hertz und Seel’ in reiner Treu verbindet

Und unsrer Liebe Licht und Schein

Heist nunmehr unauslöschlich seyn.

Der Frühling rühme sich mit seiner Blumen-Prangen

Und Venus ziehe für

Der Rosen Purpur-Zier

Mir blüht der Anmuth-Mayauf deinen holden Wangen

Und was behäglich ist und heist

Gewähret mir dein edler Geist.

Die Sternen sprühen selbst mit ihren goldnen Flammen

Glut unsern Funcken zu

Biß daß die süsse Ruh

In wahrer Seelen-Lust uns fügen wird zusammen

Und ein verbündlich Liebes-Kuß

Besigelt unsern Heyrath-Schluß.

Mein Engel gibstu doch mit Wincken zu verstehen

Daß in nicht mindrer Glut

Entbrannt dein treues Blut

Und eilst mit gleichem Sinn das Bündnüs einzugehen

O komm O komm verzeuch doch nicht

Mein Augen-Trost mein Seelen-Licht!

Es sind die Regungen in unser Blut geschrieben

Der muß ein Marmelstein

Und kalter Felsen seyn

Der was sonst Liebens werth nicht fähig ist zu lieben.

Und seine gantze Lebens-Zeit

Verkehrt in bittrer Einsamkeit.

Nein deine Freundlichkeit die Demuth diese Sitten

Die theure Scham und Zucht

Der wahren Tugend Frucht

Die haben liebstes Kind mein Hertze so bestritten

Daß du für allem Gut und Geld

Mein eintzig Schatz bist auf der Welt.

Was aber säum’ ich dich in meinen Arm zu schliessen

Dictynna sieht und wacht

Zu unsrer Hochzeit Nacht

Wünscht durch den Silberblick uns ein vergnügt Geniessen

Der Sternen Fackeln ruffen zu

Diß Paar das leb’ in Lust und Ruh.