Braut-Tantz. – Christoff Meyer und Anna Jencke

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Wer der Jugend Kertzen

Trägt im frischen Hertzen,

Hat zu tantzen Lust,

Amor regt ohn Ende

Ihm die Füß und Hände

Vnd die junge Brust,

Daß er nimmer still kan stehn

Vnd muß wie im Sprunge gehn,

Muß den Leib den Meeres-Wellen

Aehnlich stellen.

Wie in strengen Kriegen

Sieht ein Roß schon fliegen

Die wild-kühne Fahn,

Hört die Trommten klingen

Vnd die Kugeln singen,

O wie geht es an!

Es reckt seine Mähn empor,

Wiegert, strampffet, spitzt das Ohr,

Vnd man könte Halt den winden,

Ihm nicht, finden.

Also junge Leute,

Amors Sieg und Beute,

Rührt man ohn gefehr

Wo die süssen Geigen,

Die die Sinne neigen,

Gehen nicht einher,

Sondern wallen immerzu,

Wie ein Baum, wenn ohne Rhu

Ein Süd-Ost, imfall er kühlet,

Mit ihm spielet.

Amor wil indessen

Seiner nicht vergessen,

Nimmt der Zeiten war,

Er, das Vngehewer,

Legt zu seinem Fewer

Fleissig immerdar,

Dann wird alles liechte loh

Wie die Flamm' im dürren Stroh,

Dann entstehn erst Heyraht-Schlüsse

Vnd viel Küsse.

Führt dann wer im Reyen

Die er meint mit Trewen,

Die durch Gegen-Gunst

Mercklich ihn lässt hoffen,

Sie sey auch getroffen,

Dann erhebt sich Brunst,

Dann wil er der erst allein

Nur in jedem Tantze seyn,

Hat den Himmel, seinen Sinnen

Nach, gar innen.

Kinder, strebt nach Frewden,

Niemand wird euch neiden,

Nur der Erbarkeit

Vnd der Zucht indessen

Werde nicht vergessen,

Lebt und liebt allzeit,

Flieht dabey auch Müssiggang,

Seyd der Wollust ernster Zwang,

So wird ewer Werck für allen

Gott gefallen.