Brautgedicht Vff Herrn Matthæi Ruttarti vnd Jung- fraw Anna Namßlerin Hoch- zeit...

By Martin Opitz

Als Juppiter die Welt hat gäntzlich außgemachet

Vnd auff dem Erdenkreyß schon alles grünt vnd lachet

Wand er sich dreymal vmb vnd schawet hin vnd her

Ob in dem grossen Hauß irgendt ein mangel we

Es fehlet noch ein ding: Er ließ ein Thier fürkommen

Das nun fast vberall die Welt hat eingenommen

Ein artiges Gespenst darnach ein jederrennt

Welches in vnserm Landt ein Jungfraw wird genenm.

Ein Thier das vmb den Mund vornemlich in der Zungen

Tregt ein verborgen Gifft damit es Alt vnd Jungen

Anstecket vnd verblendt vnd mit eim süssen schmertz

Kompt vngewarnter sach gekrochen in das Hertz.

Das vns je mehr nacht zicht je mehr wir von jhm fliohen

Vnd je mehr von vns fleicht je mehr wir jhm nachzihen.

Ein freundliche Feindin ein feindliche Freundin

Die ohne Zauberey verzaubert vnser sinn.

O wunderlich gespenst das vns ohn Fewr enttzündet

Vnd ohne Strick vnd Bandt Gemüth vnd Seelen bindent

Welches Bandt nicht zureist vnd ziegen Tausend dran

Welch Fewer Mayn vnd Rhein nimmer verleschen kan.

Herr Breutigam jhr köndt mir solches helffen zeugen

Den ein so kleines Fewr so bald hat können beugen

Ein bitter süsses Thier hat euch niedergefellt

Vnd euch in leidig frewd in frewdigleid gestellt.

Jungfraw Anna die schoß die hellgläntzende stralen

Vonjhrer Augen Sonn vber deß Sandes thalen

Vber deß Tragheims Berg vber deß Bobersfluß

Das Liebes Fieber euch von diesem schein anstieß.

Der Brand kam in das Hertz all ewr Gedancken schwommen

Mitten in diesem Fewr jhr wust nicht zubekommen

Zu ewer Kranckheit hülff noch trost zu ewer pein

Weil alles beides war zu tieff gewurtzelt ein.

Wolan Herr Breutigam wolt jhr werden

So schickt nach der die euch in diß elend geführet

Ewer Kranckheit ich gleich

Die niemand heilen kund als der sie hat gemacht.

Vnd jhr o Jungfraw Braut wendet das grosse klagen

Kült was jhr habt gebrennt heilt was jhr habt geschlagen

Wo jhr nicht selber seit deß Krancken

So fehret er dahin ohn hülff vnd

Die schöne Nacht kompt an der Mond sitzt auff den Wagen

Vnd thut mit vollem Lauff deß Himmels Feld durchjagen

Die gülden Lichter hat der Himmel auffgesteckt

Weil sich die Sonn schon längst zu Bette hat gelegt.

Wolan es ist nun Zeit daß jhr ewr Kranckheitstillet

Vnd mit frewden den lauff der ewigkeit erfüllet

Vnd schwitzt das Fieber auß vnd lindertewrepein

Die auff kein ander weiß kan recht vertrieben sein.

Nun jhr Jungfrawen all ihr must vns platz verleihen

Weicht die jhr führt die Braut sie muß einandernreyen

Nun tröst sie noch zu letzt gebt jhr den letzten kuß

Das ander das jhr last der Breutigam thun muß.

Nun geht hin Junfraw Braut ich will euch Bürgen geben

Daß jhr in diesem streit behalten solt das leben

Nun fürcht euch nicht so sehr es hat hie keinenoth

Es ist nur schimpff vnd schertz der streit gilt nicht zum todt.

Nun geht hin Jungfraw Braut legt diesen Nahmen nider

Geht nun ein Jungfraw hin vnd kompt ein Mutter wider

Geht doch geht Jungfraw Braut vnd last das sorgen sein

Ich hoffe daß gewiß morgen sol besser sein.

Secht

Die fliegen hin vnd her vnd tragen groß verlangen

Ein jederwünschet jhm daß er die Ehre hett

Daß er die newe Braut möcht führen erst zu Bett.

Der erste führtsie fort der ander thut sehr draben

Vnd macht ins Bett ein Grab darin er will begraben

Die Jungfrawschafft die nun sehr trawrig sich beweist

Vnd soll in kurtzer Zeit auffgeben jhren geist

Der dritte tregt die Kertz dervierte will auffangen

Die Threnen die die Brautlest rinnen von den wangen

Der fünsste löset jhr den Leibes Gürtel auff

Weil nun die Jungfrawschafft vollbracht hat jhren lauff,

Die schöne Venus selbst lacht vber diesen dingen

Vnd wünschet jhr viel glück vnd heist jhr Kinder fingen:

Komm

Gibt jhr den letzten kuß vnd singet vber laut:

Nun geht jhr Kinder geht vnd schmeckt die süsse gaben

Die Venus vnd jhr Sohn euch eingeschencket haben

Geht hin jhr Kinder geht vnd euch holdselig part

Mit lieblichem geküßnach einer Tauben art.

Geht hin jhr zwey vnd komt widrumb mitewer dreyen

Geht mit einander an den schönen Liebe-reyen

Vnd bringt herfür ein Thier das durch der Götter gunst

Voll sey der Mutter trew voll sey deß Vaters Kunst.