Brescia

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Wie locken mich all deine Lieblichkeiten,

Du schönes Brescia! Nur noch einmal schauen

Möcht' ich Morettos fürstlich-holde Frauen

Und all die werte Kunst versunkner Zeiten.

Wie durch ein Märchen glaubt' ich hinzuschreiten

In totenstillen Gassen, an den grauen

Palästen hin; nur das Geschrei der Pfauen

Drang über Gartenmauern mir zur Seiten.

Doch wo die alten Tempeltrümmer grüßen

Aus dunkler Feigen Laub, trat ich hinein

Und sah die schönste der Viktorien thronen.

Lang ruht' ich andachtsvoll zu ihren Füßen.

O Göttin, warum mußt du ehren sein!

Ein Kranz aus solcher Hand – wie würd' er lohnen!