Buß-Gedancken/Als er sich unterweges verirret

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Mein Gang verirret sich doch noch vielmehr mein Leben

Mein ungewisser Schluß wählt nicht den rechten Pfad

Der wanckelhaffte Sinn erkiest nicht gutten Rath:

Das schwache Wollen folgt des Fleisches Widerstreben

Ich fühle die Vernunfft mit meiner Regung streiten

Ich weiß fast was ich thun und was ich meiden soll.

Doch jenes fällt mir schwer und diß gefällt mir wohl

Des Geisters Krafft entsinckt der Fuß beginnt zu gleiten.

Das Aug' erlustigt sich an fremd-verbotner Wahre

Das Ohre nimmt mit Lust die süsse Reitzung ein

Das Hertze giebet nach berückt durch gutten Schein

Die matte Tugend liegt erstorben auff der Bahre.

Wo aber will ich hin? Des dicken Waldes Schatten

Vermehrt der langen Nacht betrübte Dunckelheit.

Ich seh und höre nichts als wie die Eule schreyt

Wie Kröt und Otter pfeifft wo bin ich hingerathen?

Der erst-gebahnte Weg will nach und nach verschwinden

Ich halte voller Furcht auff unbetretner Bahn

In Hecken und Morast die müden Zügel an

Weiß weder vor mich hinnoch hinter mich zu finden

Die Freude geht vorbey die Wollust ist verschwunden

Gelegenheit entflieht die schnelle Zeit fließt hin

Furcht und Betrübnis bleibt der leidige Gewinn

Von aller Fröligkeit die ich zuvor empfunden.

Was Rath ist blödes Hertz! kanst du nicht mehr zurücke?

So brich zur Seiten aus halt dich zur rechten Hand

Vermeide falschen Grund und suche festes Land

Der Pusch und Himmel ist nicht aller Orten dicke.

Die braune Nacht entweicht die Mehrerin der Sorgen

Der Monde weiset mir sein erstgebornes Licht

Ich lerne wiederum erkennen Weg und Pflicht

Mein frohes Hertze grüßt den nunmehr nahen Morgen.

Mein Urtheil weckt nun auff die eingeschläfften Sinnen

Der Geist erholet sich gestärcket durch den Geist

Der das verirrte Volck zu rechtem Wege weist.

HERR richte meinen Fuß und fördre mein Beginnen.