Buß-Lied.
Wje kan ich HErr die Missethat verhölen
Und meine Sünde decken zu?
Sie läst nicht dem Gewissen Ruh
Und ist ein schneidend Schwerdt in meiner Seelen.
Drumb fallen alle Kräfften hin
Ich bin nicht mehr der ich gewesen bin.
Gleichwie ein Brunn so trocknet mein Gebeine
Ich sehe schon den Todten gleich
Mein faulend Fleisch ist eine Leich.
Die Schuld druckt mich wie grosse Felsen-Steine.
Es seufzt mein Hertz bey Tag und Nacht
Und der zerknirschte Geist ist fast verschmacht.
Drumb will ich frey die Ubertrettung sagen.
Ich habe dein Gebot veracht
Nicht deinen Worten nachgedacht
Den Eyffer dich zu ehren ausgeschlagen.
Nun fühl ich meiner Bürden Last
Wormit du mich mein GOtt beleget hast.
Wer wird mich nun von deinem Fluch befreyen?
Mein eitel Opffer stinckt mich an.
Und weil ich niemals Guts gethan
So muß ich über mich erbärmlich schreyen
Daß ich der Welt ein Schand-Altar
Gebaut und dir zu opffern säumig war.
Ich rauche noch vom Brand der tollen Lüste
Man spürt noch der Begierden Feur
Der schnöden Sünden Ungeheur
Ach daß mich doch die Erde decken müste.
Wie aber will ich dir entfliehn
Und der verdienten Strafe mich entziehn?
Du wollst doch nicht das Hals-Gerichte hägen
Das ich hoch-peinlich leiden muß
Mich treten unter deinen Fuß.
Dein Sohn erwarb vor Strafe mir den Seegen.
Ach laß Genade gehn für Recht
Und sieh doch an barmhertzig deinen Knecht.
Wie soll ich armer Mensch seyn unbeflecket
Die Himmel selbsten sind nicht rein?
Der Schluß ist wahr und allgemein
Daß in des Menschen Hertz nur Thorheit stecket.
Und so du uns zeuchst für Gericht
Herr so besteht kein Mensch der lebet nicht.
Ach sprich mich loß erlaß mich meiner Schulden
Weil du genädig bist und heist!
Nimm von mir den zerknirschten Geist
Und tröste mich durch deines Sohnes Hulden!
So soll dein Lob gepriesen seyn
Bey später Nacht bey frühem Morgenschein.