C. E.
O Kinder! glaubt es nicht was mit gefärbtem schein
Was mit geschmincktem mund pflegt unser wort zu seyn
Was offt bey seiner seelen
Ein courtisan verspricht
Ich mags euch nicht verhehlen
O kinder! glaubt es nicht.
Ist etwas in der welt das frevel-lügen liebt
So ists ein courtisan der süsse worte giebt
Der sich erbeut zu sterben;
Glaubt ja nicht seyd ihr klug;
Was ihr denckt zu ererben
Ist thorheit ist betrug.
Der will eur selave seyn und mit gebognem knie
Euch warten auff den dienst so spät so wieder früh;
Der steht mit krancken sitten
Und betet euch schier an;
Meint ihr daß solches bitten
Von hertzen gehen kan?
Dort lobt euch ein phantast und euer augenschein
Muß auch der sonnen glantz weit vorzuziehen seyn;
Kein blitz ist euch zu gleichen
Noch eurer lichter pracht;
Die sternen müssen weichen
Weil ihr sie schamroth macht.
Kommt man biß an die hand da ist nicht maaß noch ziel
Trotz der sie nicht dem schnee an weisse vorziehn will!
Was schnee? der muß verdunckelt
Vor euren händen stehn;
Was gleich dem demant funckelt
Ist bloß an euch zu sehn.
Nicht daß ich euer lob zu gönnen nicht vermeint;
Ich selber lob euch mit: doch rath ich als ein freund
Wolt ihr seyn unbetrogen
So mercket ihre list;
Denn alles ist erlogen
Was so gefedert ist.
Ein kind ist auf der welt das mich von hertzen liebt
Dem sich auch mein gemüth zum gegendienst ergiebt
Dem sey diß nicht geschrieben
Dem sey mein hertz verpflicht
Die will ich treulich lieben
Jhr andern glaubt es nicht.