C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

O Kinder! glaubt es nicht was mit gefärbtem schein

Was mit geschmincktem mund pflegt unser wort zu seyn

Was offt bey seiner seelen

Ein courtisan verspricht

Ich mags euch nicht verhehlen

O kinder! glaubt es nicht.

Ist etwas in der welt das frevel-lügen liebt

So ists ein courtisan der süsse worte giebt

Der sich erbeut zu sterben;

Glaubt ja nicht seyd ihr klug;

Was ihr denckt zu ererben

Ist thorheit ist betrug.

Der will eur selave seyn und mit gebognem knie

Euch warten auff den dienst so spät so wieder früh;

Der steht mit krancken sitten

Und betet euch schier an;

Meint ihr daß solches bitten

Von hertzen gehen kan?

Dort lobt euch ein phantast und euer augenschein

Muß auch der sonnen glantz weit vorzuziehen seyn;

Kein blitz ist euch zu gleichen

Noch eurer lichter pracht;

Die sternen müssen weichen

Weil ihr sie schamroth macht.

Kommt man biß an die hand da ist nicht maaß noch ziel

Trotz der sie nicht dem schnee an weisse vorziehn will!

Was schnee? der muß verdunckelt

Vor euren händen stehn;

Was gleich dem demant funckelt

Ist bloß an euch zu sehn.

Nicht daß ich euer lob zu gönnen nicht vermeint;

Ich selber lob euch mit: doch rath ich als ein freund

Wolt ihr seyn unbetrogen

So mercket ihre list;

Denn alles ist erlogen

Was so gefedert ist.

Ein kind ist auf der welt das mich von hertzen liebt

Dem sich auch mein gemüth zum gegendienst ergiebt

Dem sey diß nicht geschrieben

Dem sey mein hertz verpflicht

Die will ich treulich lieben

Jhr andern glaubt es nicht.