Cantata Eines verzweiffelten. Liebhabers.

By Christian Friedrich Hunold

Mein Hertze brich entzwey

Und ende meine Schmertzen.

Ach komm gewünschter Tod!

Versüsse meine Noth

Und lesche nur die matten Lebens-Kertzen.

Mein Hertze brich entzwey

Und ende meine Schmertzen.

Komm Tod und strecke mich

Nur auff das Ruhe-Bette

Komm doch was säumst du dich

Zerbrich die Lebens-Kette!

Zerreisse meine Brust!

Und auch das Bild so mich darinnen qvälet:

Dem Hencker ist die Marter nicht bewust

Damit sie mich nur halb nicht gantz entseelet.

Ach! Himmel ach! erkalte doch mein Blut

Und auch die heisse Glut

Die sich in allen

Damit die Qvaal ihr Ende spühret

Beraube mir die Sinnen

Daß sie nicht mehr bezaubert sind.

Ach Armer! Ach was wilst du noch beginnen

Dein Wünschen geht im Wind.

Drum öffne dich du Höllen-Schlund!

Und schlucke meine Pein

Nur in dich ein!

Jedoch mein Seufftzen wird den tauben Lüfften kun

Himmel Erde Tod und Hölle

Hört mich unglückselgen nicht.

Was ich liebe wil mich hassen

Was ich suche muß ich lassen

Und mein hartes Schicksal spricht:

Andre schertzen

Nur die Schmertzen

Sind allein auff dich gericht.

Himmel Erde Tod und Hölle

Hört mich Unglückselgen nicht.

Ach Grausame! doch auch mein Leben!

Bin ich darzu versehn?

Dir meine Brust zur Sclaverey zu geben

So dencke nur ich bin dir noch verbunden:

Wenn ich durch diese Wunden

Nur darff zum Sterben gehn.

Stirbt mein Geist durch dein Verlangen

Ach so stirbt er wunder-schön.

Kan ich nur die Gnad' erwerben

Daß du mich zu meinem Sterben

Lässest mit Erbarmung gehn.

Stirbt mein Geist durch dein Verlangen

Achso stirbt er wunder-schön.

Doch nein

Bey Felsen kan gar kein Erbarmen seyn

Und Diamantne Sinnen

Sind nur durch Blut

Und keine Thränen-Flut

Hier zu gewinnen.

Verdammtes Leben hin!

Soll ich der Höllen Opffer heissen?

Wie daß ich nicht jetzt gleich mein Hencker bin?

Doch nein es sollen mich die Furien zerreissen.

Verdoppelt euch im Hertzen

Angst Marter Ach und Weh

Damit ich nur im Schmertzen

Verzweiffelt untergeh.