Cantata. U berdas unbeständige G lücke
Meine Sonn' ist gantz verschwunden
Und mich martert stete Nacht.
Ach! wie schmertzlich sind die Stunden
Wo kein Freuden-Morgen lacht!
Ich muß bey den Finsternissen
Schon mein Grab im Leben küssen.
So Glück als Zeit ja Sonn- und Monden-Licht
Und alles ist dem Wechsel untergeben;
Doch nur mein Unglück nicht
Denn mein betübtes Leben
Ist immer einerley.
Ach Himmel! Was sprichst du?
Daß ich verstossen sey?
Ja Ja du schliest dich vor mir zu.
Wenn andre sich im Frühling weiden
Läßt du mir steten Winter leiden
Und dein beliebter Schein
Muß mir verschwunden seyn.
Doch halt es heist zu weit gegangen
Wenn man dich tadlen wil:
Ein Kluger hält gedultig still
Denn sieht man gleich wie du es angefangen
So sieht man doch das Ende nicht
Das noch vielleicht von was Verguügtes spricht.
Du kanst blitzen und auch lachen
Und aus Dornen Rosen machen.
Sol ich hoffen oder nicht?
Himmel zeige meiner Seelen
Was mir deine Gunst verspricht
Oder wilst du mich nur qvälen
Ach so ende meine Noth
Durch den Todt.
Allein ist diß nicht ein Verlangen
Das nach Verzweifflung schmeckt?
Wenn Angst und Noth die Seele hält ümfangen
So wünscht man sich im Tode hingestreckt;
Doch wenn wir Freuden-Rosen brechen
So wil man nichts von Sterben sprechen.
Schertzen im Glücke sich qvälen im Leiden
Heisset allein
Sclavisch zu seyn.
Aber im blitzen die Augen zu weiden
Lachen wenn man sich mit Schmertzen sol kleiden
Bleibet nur himmlischen Seelen gemein.
Ob das Gelücke
Mich gleich vom Gipffel reißt
So glaub' ich doch daß mein Geschicke
Mich einmahl wieder steigen heist.
Ein Sturm wirfft Cedern nieder
Doch weil die Wurtzel bleibt
So grünt die Hoffnung wieder
Daß ihre Krafft von neuen Wachsthum treibt
Die Hoffnung muß allein
Des Lebens süsse Nahrung seyn:
Drum sol sie meinen Leben
Auch das Vergnügen geben.
Die Hoffnung bleibet mein Vergnügen
Sie stellt mir stets was schönes für.
Sie heist mich Noth und Leid besiegen
Und führt mich in ein Lust-Revier
Wo ich die künfftgen Anmuths-Auen
Im Geiste kan von ferne schauen.