Cantata von dem Land-Leben

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Beblümte Felder

Ihr grünen Wälder

Vergnügt die Brust.

Schlafft ein ihr Sorgen:

Denn alle Morgen

Wacht meine Lust.

Wer sich vergnügen

Den Neid besiegen

Und frey will seyn

Schließ in die Auen

Hertz und Vertrauen

Bey Zeiten ein.

Du edles Leben auf dem Lande!

Hier sitzt man recht in dem beglückten Stande

In dem der erste Landmann saß.

Was Adam eines theils im Paradieß genossen

Ist hier zu unsrer Lust entsprossen.

Es fällt auf das beperlte Graß

Ein güldener Vergnügungs Thau.

Hier wird man nicht von vielen Sorgen grau.

Nichts gifftiges wächst in dem Lust Revier,

Noch eine Hoffarts Blume hier.

Die Freyheit blüth dabey auf allen Zweigen.

Du – – große Handels Stadt

Die so viel Gold als Falschheit in sich hat

Trifft deine Kostbarkeit

Mit unsrer Land-Lust ein:

In der Zufriedenheit

Zum höchsten Gipfel steigen

Vollkommen frey und dennoch ehrlich seyn?

Ich sage Nein.

Hier hat Liebe

Zu ihrem Triebe

Vollkomne Ruh.

Küßt uns die Schöne

Stehn ihre Söhne

Und gleichfals zu.

Drum gute Nacht du große Stadt

Die fast so viele – – – hat

Als schöne Weiber drinnen sind.

Das Land bringt uns so leicht kein fremdes Kind.

Letze dich vergnügte Seele

Weide dich doch satt allhier.

Bey der Freyheit-Paradieß

Liegt was sonsten göttlich hieß

Reiner Liebe Lust-Revier,

Letzte dich vergnügte Seele

Weide dich doch satt allhier.