Cantata von dem Land-Leben
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Beblümte Felder
Ihr grünen Wälder
Vergnügt die Brust.
Schlafft ein ihr Sorgen:
Denn alle Morgen
Wacht meine Lust.
Wer sich vergnügen
Den Neid besiegen
Und frey will seyn
Schließ in die Auen
Hertz und Vertrauen
Bey Zeiten ein.
Du edles Leben auf dem Lande!
Hier sitzt man recht in dem beglückten Stande
In dem der erste Landmann saß.
Was Adam eines theils im Paradieß genossen
Ist hier zu unsrer Lust entsprossen.
Es fällt auf das beperlte Graß
Ein güldener Vergnügungs Thau.
Hier wird man nicht von vielen Sorgen grau.
Nichts gifftiges wächst in dem Lust Revier,
Noch eine Hoffarts Blume hier.
Die Freyheit blüth dabey auf allen Zweigen.
Du – – große Handels Stadt
Die so viel Gold als Falschheit in sich hat
Trifft deine Kostbarkeit
Mit unsrer Land-Lust ein:
In der Zufriedenheit
Zum höchsten Gipfel steigen
Vollkommen frey und dennoch ehrlich seyn?
Ich sage Nein.
Hier hat Liebe
Zu ihrem Triebe
Vollkomne Ruh.
Küßt uns die Schöne
Stehn ihre Söhne
Und gleichfals zu.
Drum gute Nacht du große Stadt
Die fast so viele – – – hat
Als schöne Weiber drinnen sind.
Das Land bringt uns so leicht kein fremdes Kind.
Letze dich vergnügte Seele
Weide dich doch satt allhier.
Bey der Freyheit-Paradieß
Liegt was sonsten göttlich hieß
Reiner Liebe Lust-Revier,
Letzte dich vergnügte Seele
Weide dich doch satt allhier.