Cantata von der Gedult
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Gedult in allen Dingen
Die Zeit kan Rosen bringen.
Gedultig ist ein Hertze
Das bey dem grösten Schmertze
An Himmel dencken kan.
Entflieht von mir ihr Sorgen
Es bricht ein schöner Morgen
Auf diese Nacht wohl an.
Stellt sich bey mir Verdruß und Elend ein
Muß ich ein Ziel der Unglücks Keile seyn
Gedult: Weil Gott den Trost verspricht
Daß Israel auch nicht
Auf einen Tag ist aus Egypten gangen.
Und will das Leid
Wie eine Fluht mich überschwemmen
Gedult: der Himmel wird es dämmen
Im Meere der Trübseeligkeit
Kan man oft Perlen fangen.
Stürmt manches Wetter auf mich zu
Stöhrt man mir da und dort die Ruh
Gedult: die bey dem ersten Sturm verzagen
Sind unwehrt sich ins Buch der Helden einzutragen
Schlägt mir die Falschheit Ehren Wunden
Gedult die werden durch die Zeit
Durch Tugend und durch Redlichkeit
Gar leicht verbunden.
Wer ist so hoch dem Monde gleich gestellt
Den nicht ein Hund aus Neid an bellt?
Und will mir letzt nicht jeder Wunsch gelingen;
Blüht noch kein Glück;
Geht mancher Anschlag noch zurück
Gedult! die Zeit kan Rosen bringen.
Gedult die Zeit kan Rosen bringen
Wo itzo annoch Dornen stehn.
Beständig seyn sein Glück erwarten
Und zum Begiessen fleißig gehn
Macht einen itzo wüsten Garten
Zuletzt von vielen Blumen schön.
Gedult die Zeit kan Rosen bringen
Wo itzo annoch Dornen stehn.