Cantata von der Gedult

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Gedult in allen Dingen

Die Zeit kan Rosen bringen.

Gedultig ist ein Hertze

Das bey dem grösten Schmertze

An Himmel dencken kan.

Entflieht von mir ihr Sorgen

Es bricht ein schöner Morgen

Auf diese Nacht wohl an.

Stellt sich bey mir Verdruß und Elend ein

Muß ich ein Ziel der Unglücks Keile seyn

Gedult: Weil Gott den Trost verspricht

Daß Israel auch nicht

Auf einen Tag ist aus Egypten gangen.

Und will das Leid

Wie eine Fluht mich überschwemmen

Gedult: der Himmel wird es dämmen

Im Meere der Trübseeligkeit

Kan man oft Perlen fangen.

Stürmt manches Wetter auf mich zu

Stöhrt man mir da und dort die Ruh

Gedult: die bey dem ersten Sturm verzagen

Sind unwehrt sich ins Buch der Helden einzutragen

Schlägt mir die Falschheit Ehren Wunden

Gedult die werden durch die Zeit

Durch Tugend und durch Redlichkeit

Gar leicht verbunden.

Wer ist so hoch dem Monde gleich gestellt

Den nicht ein Hund aus Neid an bellt?

Und will mir letzt nicht jeder Wunsch gelingen;

Blüht noch kein Glück;

Geht mancher Anschlag noch zurück

Gedult! die Zeit kan Rosen bringen.

Gedult die Zeit kan Rosen bringen

Wo itzo annoch Dornen stehn.

Beständig seyn sein Glück erwarten

Und zum Begiessen fleißig gehn

Macht einen itzo wüsten Garten

Zuletzt von vielen Blumen schön.

Gedult die Zeit kan Rosen bringen

Wo itzo annoch Dornen stehn.