Cantata von der Klugheit zu leben

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Was war was ist und was noch werden kan

Bedenckt ein weiser Mann.

Glückseelig sind der klugen Augen

Die wie des Adlers scharfes Licht

Durch alle Sonnen-Strahlen bricht

Mit solcher Schärf und Nutzbarkeit

In alle Zeit

Zu sehen taugen.

Glückseelig sind der klugen Augen.

Die meisten Menschen sind

Gleich einem Maulwurf blind

Daß was vor ihnen ist

Sie nicht ehr sehn biß sie es fühlen

Und biß sie schon in ihrem Unglück wühlen.

Wer auf dem Meere dieser Welt

Der Klugheit Schifs-Compaß vergißt

Wer seine Fahrt auf blindes Glück gestellt

Wer nicht der Alten Wege finden

Die Tiefen die vor ihm nicht kan ergründen

Und selbst nicht weiß wohin die Tollheit schifft

Der ist es der sich selbst ersäufet

Freywillig auf die Klippen läufet

Und den ein Sturm bey guten Wetter trifft.

Klugheit muß das Schiff regieren

Klugheit muß in Hafen führen

Klugheit lebt hernach vergnügt.

Tausend hat ein Sturm bezwungen;

Nur der Klugheit ist gelungen

Daß sie auch Gewalt besiegt.

Die Klugheit ist das Auge jeder Tugend

Wer ohne sie den Weg zu finden meint

Geht allzeit irr so richtig er auch scheint.

Fromm keusch gerecht und was sonst ungemein

Kan ohne Klugheit schädlich seyn.

Ein Kluger sieht sein Alter in der Jugend

Das was er künftig werden kan

Wie das was er zuvor gethan

Mit Weißheit vollen Augen an.

Und lernet draus die edle Zeit

Die vor ihm ist wohl anzuwenden.

Die Klugheit würckt mit Augen Ohr und Händen:

Sie hört und merckt was vormahls ist geschehn

Denn sieht sie und ergreift auch die Gelegenheit.

Wer so mit sich weiß umzugehn

Den hat Gott recht zu seinem Bild erkohren.

Der heißt wenn ihm kein Purpur angebohren

Wenn vor dem Scepter gleich kein eintzger niederfällt

Ein König in der kleinen Welt.

Komm doch Klugheit meine Schöne

Küsse mich.

Du solst meine Liebste bleiben

Denn du kanst die Zeit vertreiben

Seeliglich.