Cantata von der Vergnügung bey dem Frühlinge

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Angenehmste Zeit des Mäyen

Meiner Hofnung Sinnen-Bild!

Deine Blüthen mein Verlangen

Werden einst mit Früchten prangen.

Du bist meiner Sorgen Schild

Und vermagst mich zu erfreuen

Angenehmste Zeit der Mäyen

Meiner Hofnung Sinnen-Bild.

Wer sich auf rechte Hofnung legt

Legt seinen Leib auf Sammt und Seide.

Beliebter Lentz der tausend Blüthen trägt

Du angenehmste Augen-Weide

Du schönste Tochter der Natur

Betracht ich nur

Die Augen-Lust die itzo lacht

Die ihre Frucht im Herbste stets gebracht

Die gleichsam aller zeit

Das Leben hat gegeben

So muß in mir die Hofnung gleichfalls leben

Die in des Winters Traurigkeit

Offt gantz erstorben war.

Was mir vor dem der Sorgen Noth gebahr

Es werde mich nichts auf der Welt beglücken

Zerreiß ich nun in hundert tausend Stücken.

Weiche lange Sorgen Nacht

Meines Glückes Frühling lacht.

Wenn den Abend Sternen mahlen

Gläntzt auch meine Hofnung schön

Und pflegt mit Auroren Strahlen

Gülden wieder aufzustehn.

So Lustreich in dem Paradieß

Vor diesem Adam selber saß

So ruht mein Geist auf diesem Lentzen Graß

Das grün an lieblichen Gedancken.

So sanft in jenen Unschulds-Schrancken

Der Wind durch Edens Blätter bließ

So bläst ein angenehmer West

In Blätter die an Hofnung fest.

Wie Baume voller Saft

So bin ich voller Muth und Kraft:

Die Zeit befördre noch mein Glück.

Wie durch die Bäum Aurorens Glantz

So spielt ein güldner Hoffnungs-Blick

Auch durch das Laub-Werck meiner Sinnen:

Ich werde noch den Preiß und Krantz

Von meiner Arbeit einst gewinnen.

Durch Hoffnung wird das Leben leicht

Durch Hoffnung aller Schmertz verbunden

Durch Hoffnung wird manch edles Ziel erreicht:

Die Hoffnung bleibt der Zucker aller Stunden.

Drum wehl ich mir den schönen Mäy

Die Uberschrifft dabey:

Das Sinnen-Bild des gantzen Lebens

Ist Hoffen und nicht stets vergebens.

Schlagt ihr süssen Nachtigallen

Bey der Sinnen Frühlings Lust

In der Stille meiner Brust.

Wo der Sorgen Macht erliegt

Wo die Hoffnung hat gesiegt

Muß so ein Triumph erschallen.

Schlagt ihr süssen Nachtigallen.