Cantata von der Zufriedenheit
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Ein edler Mensch ist Perlen-Muscheln gleich:
In sich am meisten reich.
Ruhig und in sich zufrieden
Ist der gröste Schatz der Welt.
Nichts geniesset der geniesset
Was der Erden Kreiß beschließet
Der ein armes Hertz behält.
Ruhig und in sich zu frieden
Ist der gröste Schatz der Welt.
Ihr Seelen die ihr ausser euch
Stets in der Irre lausset;
Und vor ein Gut das Schatten reich
Den Reichthum des Gemüths verkaufet
Die der Begierden Macht umschlossen hält
Durchsuchet nur die gantze Welt
Ihr suchet was ihr nicht könt kriegen
Und kriegt ihrs kans euch nicht vergnügen.
Vergnügt es wird es euch betrügen
Und muß zuletzt wie Staub zefliegen.
Wer seinen Schatz bey andern hat
Ist einem Kaufmann gleich:
Aus andrer Glücke reich.
Bey dem hat Reichthum wenig statt
Der wenn er nichts stets Banquerott erlebt
Doch solchen zu erleben
In steten Sorgen schwebt.
Geld Wollust Ehre sind nicht sehr
In dem Besitzthum zu betrachten
Denn Tugenhafft sie zu verachten
Ist unvergleichlich mehr.
Du Schätzbarkeit der weiten Erden
Laß meine Seele ruhig seyn.
Bey dem kehrt selbst der Himmel ein
Der in der Armuth reich kan werden.
Schwer ist es zwar viel eitles zu besitzen
Und nicht aus Liebe drauf die strafbar zu erhitzen
Doch schwerer ist es noch
Daß nicht Verdruß und Sorgen Centnern gleicht
Eh' ein Ergetzen welches leicht
Ist zu erlangen.
Und hört es auf
So wie der Welt und ihrer Schönheit Lauf
So folgen Centner Grillen drauf.
In sich gegangen
In sich gesucht
Und sonder des Gewissens Brandt
Gen Himmel sein Gesicht gewand.
Die Muscheln öfnen sich wenn Strahlen darauf schiessen
Und zeugen dann in sich die Perlen Frucht:
So suche nur dein Hertz dem Himmel aufzuschliessen
So wirst du durch sein göttlich Licht
Ein Kleinod auch empfangen
Das aller Erden Schätze nicht
Vermögen zu erlangen.
Meine Seele sey vergnügt
Wie es Gott auch immer fügt.
Dieses Welt-Meer zu ergründen
Ist Gefahr und Eitelkeit:
In sich selber muß man finden
Perlen der Zufriedenheit.