Cantata von der Zufriedenheit eines tugendhafften Gemüths
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Meine Seele bleibt doch Edel
Ob mein Glücke Sclaven gleich.
Besser ist an Geist und Sinnen
Ehr und Schätze zu gewinnen
Als wer nur an Gelde reich.
Der Adel der vom Himmel kommen
Der Helm und Schild in wahrer Tugend schaut
Dem kluge Wissenschafft selbst Pyramiden baut
Muß warlich vielmehr rühmlich seyn
Als der wie insgemein
Von Gütern wird und Ahnen bloß genommen.
Das Hertz ist selber Cronen wehrt
Das wahre Tugend nur begehrt
Und wenn sein Glück in Ketten liegt
Zufrieden ist und sich auch selbst besiegt.
Welche schöne Sinnen Weide
Kan das Aug' im Lentzen sehn!
Auf so viele rauhe Zeiten
Sind die vorgen Lieblichkeiten
Und die Hoffnung wieder schön.
Und wenn mein Glücke
Mir noch die frohen Blicke
Auf eine Zeit versagt
Kan Großmuth unverzagt
Doch Rosen brechen.
Die Ungedult
Mag andre gleich den Dornen stechen.
Ein edler lebt in sich vergnügt
Wird gleich das Hertz bekriegt:
Je grösser wird ein Held geschätzt
Je tapfrer er die Feinde hat besiegt.
Denn nur gemeine Hertzen
Die schertzen
Wenn sie das Glück ergetzt.
Ward Cæsar auch im Sturm erschreckt?
Nein aufgeweckt.
Hertzen die sich edel machen
Können stets auf Dornen lachen.
Hoffnung blüth
Unmuth flieht
Liljen der Zufriedenheit
Tuber-Rosen künftger Zeit
Wachsen stets in edlen Hertzen
Und verjagen alle Schmertzen.