Cantata von der Zufriedenheit eines tugendhafften Gemüths

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Meine Seele bleibt doch Edel

Ob mein Glücke Sclaven gleich.

Besser ist an Geist und Sinnen

Ehr und Schätze zu gewinnen

Als wer nur an Gelde reich.

Der Adel der vom Himmel kommen

Der Helm und Schild in wahrer Tugend schaut

Dem kluge Wissenschafft selbst Pyramiden baut

Muß warlich vielmehr rühmlich seyn

Als der wie insgemein

Von Gütern wird und Ahnen bloß genommen.

Das Hertz ist selber Cronen wehrt

Das wahre Tugend nur begehrt

Und wenn sein Glück in Ketten liegt

Zufrieden ist und sich auch selbst besiegt.

Welche schöne Sinnen Weide

Kan das Aug' im Lentzen sehn!

Auf so viele rauhe Zeiten

Sind die vorgen Lieblichkeiten

Und die Hoffnung wieder schön.

Und wenn mein Glücke

Mir noch die frohen Blicke

Auf eine Zeit versagt

Kan Großmuth unverzagt

Doch Rosen brechen.

Die Ungedult

Mag andre gleich den Dornen stechen.

Ein edler lebt in sich vergnügt

Wird gleich das Hertz bekriegt:

Je grösser wird ein Held geschätzt

Je tapfrer er die Feinde hat besiegt.

Denn nur gemeine Hertzen

Die schertzen

Wenn sie das Glück ergetzt.

Ward Cæsar auch im Sturm erschreckt?

Nein aufgeweckt.

Hertzen die sich edel machen

Können stets auf Dornen lachen.

Hoffnung blüth

Unmuth flieht

Liljen der Zufriedenheit

Tuber-Rosen künftger Zeit

Wachsen stets in edlen Hertzen

Und verjagen alle Schmertzen.