CantataThyrsis zieht seine Liebe zu seiner Schönen der Liebe zu seinen Schaafen ...
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Weidet euch ihr liebsten Schaafe
Wie mein Hertz geweidet wird.
Meine Seel ist auf den Auen
Meiner Schäferin zu schauen.
Geht sie fern
Folgt ihr doch die Seele gern.
Und wird auch von ihr im Schlaffe
Wie ein säugend Lamm gekirrt.
Weidet euch ihr liebsten Schaafe
Wie mein Hertz geweidet wird.
Ich weide meine Schaafe hier
Und Daphne weidet sich
In einem fremden Lust-Revier.
Die Sonne brennet mich.
Sie kan in kühlen Hütten sitzen
Ich muß bey Müh und Arbeit schwitzen.
Sie aber lacht im Schatten voller Lust.
Sie übergiebt mir ihre Hütten
Damit kein Dieb in ihre Ställe bricht:
Und sie läst sich vieleicht wohl selbst erbitten
Daß diß ein Wolf bekommt was Sie mir nur verspricht.
Ja denn sie schreibt mir nicht einmahl.
Ihr Schertzen reimt sich nicht zu meiner Qual.
Ich bin entfernt auch fern in ihrer Brust.
Wie? Thyrsis säumst du dich?
Wohin dein Hertz voran gegangen
Nicht mit dem Leibe zu gelangen?
Itzt fliehet ein Hirte wie Schaafe sonst fliehn
Die ihren geliebtesten Hirten nach ziehn.
Die Pflicht will gebieten
Der Schaafe zu hüten:
Die Klugheit läst aber ehr welche zerbeissen
Als selber sein Hertze zerreissen.