CantataThyrsis zieht seine Liebe zu seiner Schönen der Liebe zu seinen Schaafen ...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Weidet euch ihr liebsten Schaafe

Wie mein Hertz geweidet wird.

Meine Seel ist auf den Auen

Meiner Schäferin zu schauen.

Geht sie fern

Folgt ihr doch die Seele gern.

Und wird auch von ihr im Schlaffe

Wie ein säugend Lamm gekirrt.

Weidet euch ihr liebsten Schaafe

Wie mein Hertz geweidet wird.

Ich weide meine Schaafe hier

Und Daphne weidet sich

In einem fremden Lust-Revier.

Die Sonne brennet mich.

Sie kan in kühlen Hütten sitzen

Ich muß bey Müh und Arbeit schwitzen.

Sie aber lacht im Schatten voller Lust.

Sie übergiebt mir ihre Hütten

Damit kein Dieb in ihre Ställe bricht:

Und sie läst sich vieleicht wohl selbst erbitten

Daß diß ein Wolf bekommt was Sie mir nur verspricht.

Ja denn sie schreibt mir nicht einmahl.

Ihr Schertzen reimt sich nicht zu meiner Qual.

Ich bin entfernt auch fern in ihrer Brust.

Wie? Thyrsis säumst du dich?

Wohin dein Hertz voran gegangen

Nicht mit dem Leibe zu gelangen?

Itzt fliehet ein Hirte wie Schaafe sonst fliehn

Die ihren geliebtesten Hirten nach ziehn.

Die Pflicht will gebieten

Der Schaafe zu hüten:

Die Klugheit läst aber ehr welche zerbeissen

Als selber sein Hertze zerreissen.