Canzone I .
Unendliches in Endlichem zu schauen
Ersannen ihre Götter die Hellenen,
Weil himmelher gottmenschliches Gebaren
Dem Sinn entgegendämmerte bei Jenen.
Es lag die Welt in heil'gem Morgengrauen.
Doch mächtig wollte Gott sich offenbaren,
Und als erfüllet waren
Die Zeiten und sein Vollglanz nun hervortrat
Im Mittler Jesus, sanken hin die Götter
Ein traurig Spiel der Spötter,
Hinsank das Fatum und zurück der Chor trat.
Des dunkeln Ahnens Zeichen und Umhüllung
Schwand vor der Klarheit wirklicher Erfüllung.
Nicht konnten die olympischen Gestalten
Dem Gottesmenschenthume sich vergleichen
Deß der da sprach: „wer mich sieht, sieht den Vater.“
Kein Phidias entlockt des Meißels Streichen
So warmes Leben und so hohes Walten.
In Fleisch und Blut, als wahrer Mensch, auftrat er
Und angelweit aufthat er
Die Thore des Unendlichen für Jeden
Der seines Gottbewußtseins theilhaft werden
Und Ewiges auf Erden
Darstellen mochte so in Thun wie Reden.
Er heiligte für Alle sich daß Alle
Zu Göttern würden bei der Götter Falle.
Und war das Fatum attischer Tragöden
Erschütternd wie bei sittlichen Gesetzen
Erhabne Unverbrüchlichkeit und Sühne?
Ergreift euch nicht ein schauderndes Entsetzen
Wenn in den Schuldzusammenhang des blöden
Geschlechts eintretend untergeht der Kühne
Dort auf des Lebens Bühne,
Daß seiner Unschuld theilhaft das Geschlecht sei?
Ist die Heroenwelt doch nur ein Ahnen
Der wundervollen Bahnen
Worauf der Geist uns führt zu dem was recht sei!
Vom Kreuz erst dunkelt schrecklich das Verhängniß,
Erst jene Sühne tilgt der Welt Bedrängniß.
Die ihr aus Schutt nun grabet Götterbilder,
Mit euch will schwelgen ich im Werk der Musen,
Doch ob auch vor dem Donnerer durchfähret
Gotthaftes Ahnen der Beschauer Busen,
Gotthafter däucht mir, trauter auch und milder
Ein lebend Menschenantlitz das verkläret
Als Spiegel sich bewähret
Der Herrlichkeit die sich vom Kreuz ergossen.
Doch ferner Zukunft bleibt, ach! vorbehalten
Das Leben zu gestalten,
Denn dies Geschlecht hat Flügel nicht noch Flossen.
Sie
Und noch die Besten sind fürwahr die Spötter.
Sie wenigstens doch zeigen durch ihr Höhnen
Vorhandnen Sinn, Beregniß, zeigen Feindschaft,
Und oft ist Feindschaft mißverstand'ne Liebe.
Mißbildern kniet der Frömmlinge Gemeinschaft
Anstatt der Urbildung, der hohen, schönen,
Zerrbildern, wert zermalmungsvollster Hiebe.
In seinem dunkeln Triebe
Dient da der Gottheit mancher Lästrer Gottes
Weit besser als die dumpfigen Gesellen,
Die nie die Brust erschwellen
Sich fühlten bei dem freien Hauch des Spottes.
Wol gilt manch Nein als Ja hoch ob den Sternen.
Doch Theilnahmlosigkeit mag nichts erlernen.
Den Heiden werde drum das Wort gepredigt
Die gläubig noch zu ihrem Fetisch beten!
Gepredigt denen die vor Graungestalten
Uralter Götzen opferblutig treten!
Vielleicht erkennen diese daß erledigt
Was sie gesucht in ihrem dunkeln Walten.
Laßt Indern sich entfalten
Der guten Botschaft tiefsinnschweres Drama.
Vielleicht wird sich denselben offenbaren
Im unsichtbar-sichtbaren
Gottmenschen die Bedeutung ihres Brahma.
Da wo nur
Sind wahrer Gott und wahrer Mensch veraltet.
Ich kenne meine Zeit. Mir aber zucket
Der Meißel, was auch immer sei die Glocke,
Ein Bild des großen Stillen auszuhauen
Aus der Betrachtung reinstem Marmorblocke,
Für hochstrebsame Jugend, die, entrucket
Gemeiner Welt, es gerne mag erschauen.
Ein heilig süßes Grauen
Will vor dem hohen Steine mich erfassen,
„als knieten Viele ungesehn“ —, wie's heißet
Im frommen Lied. Mir reißet
Das Eisen in der Hand, ich kann's nicht lassen,
Ich muß hinan. Eh' sich das Jahr mag neigen
Muß aus sich selbst