Canzone IV .
Schmückt mir das Saitenspiel mit roten Rosen:
Heut will ich froh dem eignen Herzen leben,
Heut will dem Genius bekränzt ich warten,
Sind doch vom Herrn mir Sinn und Herz gegeben.
Heut will ich harmlos wie ein Kindlein kosen
Mit allen bunten Blümelein im Garten.
O sende mir den zarten
Gespielen, du Unendlicher, den Sohn her,
Der uns
O sende mit den weißen
Maiwolken ihn von deinem Stralenthron her!
Ihn sende her aus meines Herzens Tiefen
Wo dieser Sabbathfeier Wonnen schliefen!
Was wären Augen wo nicht Stralen flögen?
Was wäre Licht wenn es kein Auge gäbe?
Was wären Töne da wo keine Hörer?
Was wären Hörer ohne Klangesschwebe?
So Geistbegriff auch sonder Sinnvermögen
Und Weltbild sonder Geist sind Selbstzerstörer.
Wie liebliche Verschwörer
Sind höchster Einheit Zeugen alle Dinge,
Und Jedes ist so Darstellung des Ganzen
Daß auch in Stäubleins Tanzen
Uroffenbarung schwingt die Feuerschwinge.
Hat der von Nazareth uns erst erkoren,
Ist er uns plötzlich überall geboren.
Mag Stumpfsinn dich im Kripplein nur erblicken,
Und Blindheit dich erkennen, ach! selbst dort nicht,
Stillsteht der Weisen Stern mir allenthalben
Wo trennbar von Allgegenwart der Ort nicht.
Du Glanz der Gottheit willst mein Herz erquicken
Und mir mit Freudenöl die Augen salben,
Sei's daß die holden Schwalben
Nun kommen oder flieh'n, daß Winterstürme
Herschneien oder Sommerfriede lächle,
Ein warmer Wind herfächle
Und südwärts schau'n die Hähne deiner Thürme.
Doch seliger wird deine Näh' empfunden
Im Schweben solcher goldnen Blütestunden.
Wer ruft mir? Ist's die Stimme nicht der süßen
Gespielin meines Freundes? nicht die Stimme
Der Nachtigall? An seinem Busen hegt er
Die Kleine, wenn ein Sturm hersaust im Grimme
Und toll ihm Ast und Laubschmuck wirft zu Füßen;
Doch wenn sein Frühlingsmond hold steigt, da trägt er
Die Flatternde, bewegt er
Sie auf dem Zeigefinger oder setzt sie
In dunkelstes Gebüsch, in traute Wipfel,
Und zu der Flüstergipfel
Chorliede schlagend jedes Ohr ergetzt sie.
Er lebt und webt in ihr und mag sich freuen
Des Vögleins wie der Hoheit seiner Leuen.
Mir neige deine Zweige, Lila-Flieder!
Er ist der Thau womit du mich besprengest,
Er ist dein Würzeduft und deine Schöne
Womit du dich in alle Herzen drängest.
Er kommt in dir holdselig anders wieder
Und streut umher was aller Not entwöhne.
Beim frohen Lenzgetöne
Entblühest du der Wesenortnung Tiefen,
Trittst vor uns hin mit eigenem Gebaren,
Ein süßes Offenbaren
Der Huld davon dir alle Dolden triefen.
Wie du so dastehst an der alten Mauer,
Erfassen mich geheime, süße Schauer.
Dort flammen Tulpen aus der schwarzen Erde,
Doch sieh! die wahre Wurzel ihrer Prachten
Ruht im Zusammenhang der Weltortnungen,
Und Himmelshauche sind's die sie entfachten.
Des allgemeinen schöpferischen Werde
Sind sie ein Ausdruck in besondern Zungen,
Aus Gottes Mund entsprungen
Und darum also schön und wunderprächtig.
O Wort, das uns in Jesu ist erschienen,
Du bist's, du brennst in ihnen!
An heil'ger Stätte steh' ich tiefandächtig
Gleich jenem Frommen, dem du glutentzündet
Erschienst im Dornbusch, wie die Vorwelt kündet.
Ihr kleinen weißen Erdbeerblüten wecket
Erinnern das wie Himmelblau erheitert.
Hat nicht dem Bernardin de St. Pierre
Ein Erdbeerstock zum Weltall sich erweitert
Und jenes Ueberschwängliche entdecket,
Das Mittelpunkt ist jeder Wesensphäre?
Ist schwerer Herzensleere
Dies arme Kraut zum Mittler nicht geworden?
Anbetung dir, Sohn Gottes, eingeborner,
In Allem unverlorner!
Du strömst einher in alles Lebens Borden!
Wo Schönes unsern Blicken sich entfaltet,
Ist's das Unendliche das endlich waltet.
Ist nicht die ganze Sichtbarkeit der Himmel
Selbst nur ein Erdbeerstock im großen Ganzen,
Ein einzler Theil im All wie wir es denken,
Des göttlichen Gedichts nur ein paar Stanzen,
Ein
Dies Weltbild will die Welt aufschließend schenken
Und sich vor uns versenken
In's Uebersinnliche, wie es die Welt ist,
Denn ihr ist keine Vorstellung gewachsen
Und ihren Riesenaxen
Gibt Raum nur der Begriff der Gottes Zelt ist.
So tönet im Erhabnen wie in allen
Gebilden uns des ew'gen Sohnes Lallen.
Ihr aber, allverbreitete Bestände
Jedwelcher Bildung, reine Wesenheiten,
Die ihr in Paargestalten hochher steiget
Um euern Liebesstreit nie auszustreiten,
Euch flieht und hascht und wieder flieht behende
Und euch im Fliehen zur Umarmung neiget,
So ernst im Spiel euch zeiget
Als wär' es gottesdienstliche Verrichtung,
So spielend frei im Ernst als wär's ein Scherz nur,
Mit unbegriffnem Schmerz nur
Schaut Mancher euer Werk und sieht Vernichtung.
Doch ihr schwebt lächelnd und dem Frommen leise
Vertrauet ihr daß dies des Wortes Weise.
Nur wo Natur in frommem Geist sich spiegelt,
Als einem zu vermittelnden Gemüte,
Tritt auf der Mittler, daß er sich ihm eine,
Und
Die, aus beschränkter Anschauung entsiegelt.
Im holden Duftkelch beut das Allgemeine.
Doch ist das große Eine
In der Natur dem Frommen allzugänglich,
Weil es in Allem, was da endlich heißet,
Uns mächtiglich ergleißet
Als eben so beschränkt wie überschwänglich,
Ein kleines Kind, ein großer Gott desgleichen,
Der Weihrauch, Gold und Myrrhen
Grün-golden ruht ein Käfer mir zu Füßen
Wie Spielzeug liegt in einer Kinderstube.
Rings blinken tausend zarte Lieblichkeiten
Und jeder Stein scheint eine Demantgrube.
Es ist so deine Art, mit wundersüßen
Geschenken, Jesuskind, Lust zu bereiten.
So kommt ans blauen Weiten
In jenem sinnig webenden Gedichte
Ein himmlisch hoher Gast zu armen Hirten,
Sobald die Lerchen schwirrten,
Mit fremder Welten Offenbarungslichte,
Doch sieh: all deine holde Wunderhabe
Die bist du selbst, du lichter Himmelsknabe!