Canzone V .

By Karl Candidus

Die schnackischen Gemälde welche weinen

Und lachen und, o Pfaffenspuk! Blut schwitzen,

Auch Erben vom Haus Israel bekehren,

Zerhauen mögt ihr die mit scharfen Witzen,

Ihr Geister die ihr dastellt das Verneinen,

Doch Wunderwerke sollt ihr nicht versehren

Draus Jesu Geist mit Speeren,

Mit Balsamölgetränkten, heilkraftschwangern,

Die Brust durchbohrt der Hörer und Beschauer,

Daß wonnevolle Trauer,

Wie Christenkunst sie hoch auf Himmelsangern

Mag pflücken, still ein Jeder trägt von dannen

Und solchen Spuk der Wahrheit nicht kann bannen.

Denn nicht die ausgespannte bunte Leinwand,

Die Steine nicht, auch Holz nicht noch Metalle,

Nicht Luft- und Gliedbewegung mögen wecken

Mit also gotthaft lautem Donnerhalle,

Beseitigen der Sünde letzten Einwand

Und tief erschüttern wie mit sel'gem Schrecken.

Die sich drin will verstecken,

Die Künstlerseele thut's, die, gotterfüllet,

Uns ihr Unendliches zu offenbaren,

In solch durchsichtig klaren

Gebilden und Getönen sich enthüllet.

Es ist das Wort der Worte das da webet

Und wie ein Gotteslichtblitz uns durchbebet.

Selbst dann wenn in der heil'gen Jungfrau Bilde

Das Endliche verherrlicht und gekrönt wird,

Als „Ewig-Weibliches das uns hinanzieht“

Und Reue pflegt bis alle Schuld versöhnt wird,

Als Mutter Jesu, deren zarte Milde

Aufwärts der Schönheit lichte Himmelsbahn zieht

Und uns aus blut'gem Wahn zieht,

Ist Mutter ewiglich sie nur im Sohne,

Ist nur die Liebe, die sie Gott vereinet

Und die im Sohn erscheinet,

Ihr Sternenkranz und thront auf ihrem Throne.

Nur des unendlich-endlichen Seins Einheit

Ist ewiglich des schönen Scheines Reinheit.

Und wagt die freie Kunst, was kaum zu wagen,

Ein Bild des Widerspiels der Endlichkeiten,

Wo borgt, wenn nicht vom Mittler, sie die Züge

Der menschlichen und jeder anderweiten

Gestalt? Da mag sich einer ewig plagen,

Es wird zur Wahrheit allfort ihm die Lüge,

Und alle höchsten Flüge

Des Genius beweisen daß untrennbar

Der Vater ist vom Sohn und Gott vom Worte,

Weil an des Aufschwungs Orte

Gott schon das Wort ist und als Wort nur kennbar.

Nur als unendlich-endlichen Seins Einheit

Ist auch ein Kunstvorwurf die Allgemeinheit.

Der reinen Kunst ist rein was sie berühret.

Sie übt Vermittelung auch durch Gewande

Und durch die Hochpracht flammender Kronleuchter.

Den Reichthum heiligt sie und schlingt die Bande

Wodurch das Wort auch ihn als Schall sich küret

Und, wie er selbst anzeucht, zu Gott hin zeucht er.

Sie füllt mit wollustfeuchter

Sehnsucht den Blick der weichlich holden Liebe,

Und sündigt nicht wenn, was nur finstrer Wahn ist,

Sie dem nicht unterthan ist,

Die Heuchelei verschmähend feiger Diebe.

Dem Satyr zeigt sie frei von Feigenblättern

Das Wort der Allmacht das ihn mag zerschmettern.

Vermittelung schon war es was sie meinte

Auf Elephanta und an Niles Ufern

Wie bei den gottgesegneten Hellenen

Und Israels erhabnen Zukunftrufern,

Erst also daß nur Sternenblick vereinte

Die Nacht dem Lichtreich welchem galt ihr Sehnen,

Dann morgenhell in jenen

Maßvollen Werken griechisch edler Musen,

Und als die Geistersonne nun gekommen

Im sittlich freien Frommen,

Als Gottmensch, und entzündete die Busen,

Rang auch die Kunst daß Jesus sie durchdringen,

Sie ihn darstellen möchte, dar ihn bringen.

Dich aber, hehre Tonkunst, dich vor Allen

Will ich mit allen Deutschen heilig preisen

Als goldnen Kern der Gabe wol der Zungen.

Wer trennt vom Kreuz der Orgel Himmelsweisen?

Und soll ein Name mir im Lied erschallen,

Wem hat

Wo Kunst sich selbst durchdrungen,

Durchdrang sie aller Gottesfülle Sphären

Und waltet christlich, denn ihr ganzes Streben

Ist nur das ew'ge Leben

Des Schönen und Erhabnen zu verklären,

Und ihr ist gar das Niedliche und Lose

Ein liebstes Kind in Vaters ew'gem Schoose.

Ihr scheint das Urbild oftmals unerreichbar,

Doch ist's erreicht sobald es in ihr scheinet,

Und priesterlich vom Ewigen durchdrungen

Das sie verkündigt, ist sie ihm vereinet,

Ist sie, Allmittler, gänzlich dir vergleichbar.

Vergleichbar nur? Die frommen Huldigungen

Womit sie hält umschlungen

Allewig deine Kniee, mag wol schulden

Die Jüngerin, denn ihrer Liebe Demut

Ist deine eigne Demut,

Ihr Werk dein Werk, die deinen ihre Hulden,

Denn nur dein eignes Thun vergegenständet

Ist sie, und nichtig wo dir abgewendet.

Wenn Himmelsschönheit je für Augenblicke

Die Sterblichen befreit von Gram und Sorgen,

Gespannten Schmerz gelöst, Schwermut gelichtet,

Daß wie ein Kind im Mutterarm geborgen

Der Aermste frei sich fühlte vom Geschicke,

Weil ihm auf Ewiges der Sinn gerichtet,

Verschlungen und vernichtet

Des Todes Trägheit und des Lebens Bürde,

Warst du nicht der Erlöser und Befreier?

Du nicht der schwachen Leier

Gesittungskraft und himmlisch hohe Würde?

Du bist der wahre Schenke, traun! der Seelen,

Den preisen mögen göttliche Gaselen.

Kunst ist dein Thun und Wesen allerwegen.

Löst sich vom Ei Gegliedertes, zeigt Mitte

Und Seitenmaß das Ewig-Ungezeugte,

Erstrebet Selbstbildung ein Mann und Sitte,

Hat einer Wissen, kann er dar es legen,

Stets ist es deine Kunst die sich bezeugte.

Wenn schön herüberbeugte

Zur Auflösung der Mißklang der Geschichte,

Wenn göttlich reine Stimmen thun hervor sich

Und voller hebt der Chor sich,

Wer fragt noch ob dies deine Kunst verrichte?

Der Muse Thun ist nur ein Wiederscheinen

Des deinigen, des großen, ganzen, einen.

Stets sind's für dich, du Himmlischer! sechs Tage

Vor Ostern, weil sie stets auf's Neu dich töten

Durch anders stets gestaltete Gemeinheit.

Da naht die Muse, naht, ach! mit Erröten

Und tiefgeheimer stummer Totenklage,

Mariagleich, und, fühlend ihre Kleinheit

Vor deiner Groß- und Reinheit,

Kniet sie vor dir und geußt demütig holde

Die Narde, köstlich, unverfälscht, duftsüße

Auf deine heil'gen Füße,

Und trocknet die mit ihrer Haare Golde.

Das Haus des Glaubens aber allenthalben

Wird lieblich voll von dem Geruch der Salben!