Canzone V .
Die schnackischen Gemälde welche weinen
Und lachen und, o Pfaffenspuk! Blut schwitzen,
Auch Erben vom Haus Israel bekehren,
Zerhauen mögt ihr die mit scharfen Witzen,
Ihr Geister die ihr dastellt das Verneinen,
Doch Wunderwerke sollt ihr nicht versehren
Draus Jesu Geist mit Speeren,
Mit Balsamölgetränkten, heilkraftschwangern,
Die Brust durchbohrt der Hörer und Beschauer,
Daß wonnevolle Trauer,
Wie Christenkunst sie hoch auf Himmelsangern
Mag pflücken, still ein Jeder trägt von dannen
Und solchen Spuk der Wahrheit nicht kann bannen.
Denn nicht die ausgespannte bunte Leinwand,
Die Steine nicht, auch Holz nicht noch Metalle,
Nicht Luft- und Gliedbewegung mögen wecken
Mit also gotthaft lautem Donnerhalle,
Beseitigen der Sünde letzten Einwand
Und tief erschüttern wie mit sel'gem Schrecken.
Die sich drin will verstecken,
Die Künstlerseele thut's, die, gotterfüllet,
Uns ihr Unendliches zu offenbaren,
In solch durchsichtig klaren
Gebilden und Getönen sich enthüllet.
Es ist das Wort der Worte das da webet
Und wie ein Gotteslichtblitz uns durchbebet.
Selbst dann wenn in der heil'gen Jungfrau Bilde
Das Endliche verherrlicht und gekrönt wird,
Als „Ewig-Weibliches das uns hinanzieht“
Und Reue pflegt bis alle Schuld versöhnt wird,
Als Mutter Jesu, deren zarte Milde
Aufwärts der Schönheit lichte Himmelsbahn zieht
Und uns aus blut'gem Wahn zieht,
Ist Mutter ewiglich sie nur im Sohne,
Ist nur die Liebe, die sie Gott vereinet
Und die im Sohn erscheinet,
Ihr Sternenkranz und thront auf ihrem Throne.
Nur des unendlich-endlichen Seins Einheit
Ist ewiglich des schönen Scheines Reinheit.
Und wagt die freie Kunst, was kaum zu wagen,
Ein Bild des Widerspiels der Endlichkeiten,
Wo borgt, wenn nicht vom Mittler, sie die Züge
Der menschlichen und jeder anderweiten
Gestalt? Da mag sich einer ewig plagen,
Es wird zur Wahrheit allfort ihm die Lüge,
Und alle höchsten Flüge
Des Genius beweisen daß untrennbar
Der Vater ist vom Sohn und Gott vom Worte,
Weil an des Aufschwungs Orte
Gott schon das Wort ist und als Wort nur kennbar.
Nur als unendlich-endlichen Seins Einheit
Ist auch ein Kunstvorwurf die Allgemeinheit.
Der reinen Kunst ist rein was sie berühret.
Sie übt Vermittelung auch durch Gewande
Und durch die Hochpracht flammender Kronleuchter.
Den Reichthum heiligt sie und schlingt die Bande
Wodurch das Wort auch ihn als Schall sich küret
Und, wie er selbst anzeucht, zu Gott hin zeucht er.
Sie füllt mit wollustfeuchter
Sehnsucht den Blick der weichlich holden Liebe,
Und sündigt nicht wenn, was nur finstrer Wahn ist,
Sie dem nicht unterthan ist,
Die Heuchelei verschmähend feiger Diebe.
Dem Satyr zeigt sie frei von Feigenblättern
Das Wort der Allmacht das ihn mag zerschmettern.
Vermittelung schon war es was sie meinte
Auf Elephanta und an Niles Ufern
Wie bei den gottgesegneten Hellenen
Und Israels erhabnen Zukunftrufern,
Erst also daß nur Sternenblick vereinte
Die Nacht dem Lichtreich welchem galt ihr Sehnen,
Dann morgenhell in jenen
Maßvollen Werken griechisch edler Musen,
Und als die Geistersonne nun gekommen
Im sittlich freien Frommen,
Als Gottmensch, und entzündete die Busen,
Rang auch die Kunst daß Jesus sie durchdringen,
Sie ihn darstellen möchte, dar ihn bringen.
Dich aber, hehre Tonkunst, dich vor Allen
Will ich mit allen Deutschen heilig preisen
Als goldnen Kern der Gabe wol der Zungen.
Wer trennt vom Kreuz der Orgel Himmelsweisen?
Und soll ein Name mir im Lied erschallen,
Wem hat
Wo Kunst sich selbst durchdrungen,
Durchdrang sie aller Gottesfülle Sphären
Und waltet christlich, denn ihr ganzes Streben
Ist nur das ew'ge Leben
Des Schönen und Erhabnen zu verklären,
Und ihr ist gar das Niedliche und Lose
Ein liebstes Kind in Vaters ew'gem Schoose.
Ihr scheint das Urbild oftmals unerreichbar,
Doch ist's erreicht sobald es in ihr scheinet,
Und priesterlich vom Ewigen durchdrungen
Das sie verkündigt, ist sie ihm vereinet,
Ist sie, Allmittler, gänzlich dir vergleichbar.
Vergleichbar nur? Die frommen Huldigungen
Womit sie hält umschlungen
Allewig deine Kniee, mag wol schulden
Die Jüngerin, denn ihrer Liebe Demut
Ist deine eigne Demut,
Ihr Werk dein Werk, die deinen ihre Hulden,
Denn nur dein eignes Thun vergegenständet
Ist sie, und nichtig wo dir abgewendet.
Wenn Himmelsschönheit je für Augenblicke
Die Sterblichen befreit von Gram und Sorgen,
Gespannten Schmerz gelöst, Schwermut gelichtet,
Daß wie ein Kind im Mutterarm geborgen
Der Aermste frei sich fühlte vom Geschicke,
Weil ihm auf Ewiges der Sinn gerichtet,
Verschlungen und vernichtet
Des Todes Trägheit und des Lebens Bürde,
Warst du nicht der Erlöser und Befreier?
Du nicht der schwachen Leier
Gesittungskraft und himmlisch hohe Würde?
Du bist der wahre Schenke, traun! der Seelen,
Den preisen mögen göttliche Gaselen.
Kunst ist dein Thun und Wesen allerwegen.
Löst sich vom Ei Gegliedertes, zeigt Mitte
Und Seitenmaß das Ewig-Ungezeugte,
Erstrebet Selbstbildung ein Mann und Sitte,
Hat einer Wissen, kann er dar es legen,
Stets ist es deine Kunst die sich bezeugte.
Wenn schön herüberbeugte
Zur Auflösung der Mißklang der Geschichte,
Wenn göttlich reine Stimmen thun hervor sich
Und voller hebt der Chor sich,
Wer fragt noch ob dies deine Kunst verrichte?
Der Muse Thun ist nur ein Wiederscheinen
Des deinigen, des großen, ganzen, einen.
Stets sind's für dich, du Himmlischer! sechs Tage
Vor Ostern, weil sie stets auf's Neu dich töten
Durch anders stets gestaltete Gemeinheit.
Da naht die Muse, naht, ach! mit Erröten
Und tiefgeheimer stummer Totenklage,
Mariagleich, und, fühlend ihre Kleinheit
Vor deiner Groß- und Reinheit,
Kniet sie vor dir und geußt demütig holde
Die Narde, köstlich, unverfälscht, duftsüße
Auf deine heil'gen Füße,
Und trocknet die mit ihrer Haare Golde.
Das Haus des Glaubens aber allenthalben
Wird lieblich voll von dem Geruch der Salben!