Canzone VII .
Freut euch! aus allem Nacht- und Licht-Umstoßnen
Rückstralet Himmelshuld euch Aufmerksamen.
Kann euch doch Jegliches zum Mittler werden!
Und lernt ihr dann begreifen jenen Namen
Und jenes Bild des freventlich Verstoßnen,
Der Mitte der Vermittlung ward auf Erden,
Dann auf den Opferherden
Der Gottesmenschheit flammt auch
Dem wird zum Mittler Weltgeräusch, Dem Schweigen,
Dem der Gestirne Reigen,
Dem irgendwer, Dem Schmerz an einem Grabe,
Und Jenem schauert Heilgefühlserregung
Aus reinen Denkens hoher Selbstbewegung.
Wo immer ich, mein Heiland, dich mag schauen,
In Schrift und Kunst, in mir und auf der Straßen.
Erscheinst du mir als Fließendes und Vieles
Und auch als Eins und Vestes gleichermaßen
Wie Einheit wol in heil'gem Münsterbauen
Benebst Vielartigkeit des Arbeitspieles.
Laß Jeden seines Zieles
Besonderheit, o Herr, stets klarer fassen
Und kräftiger erstreben, auf daß alle
Werkleute sich im Schwalle
Des Bildens dahin stellen wo sie bassen,
Und Allen laß im einzeln Thun Bewußtsein
Des großen Ganzen stets die höchste Lust sein.
Denn nichts und ewig auch die Menschheit kann nicht
Aus sich heraus, kann im Verhältniß stehen
Zu nichts das nicht zugleich ihr angehörig,
Sei's Wollen, Fühlen, Ahnen, sei's Verstehen,
Selbst dann, wenn sie von Grenzen spricht, selbst dann nicht,
Und Gott trennt man, Natur von Menschheit thörig.
Mag säuselndes Geröhrig
Wol als ein Fremdes anseh'n Strom und Flur sich?
Horcht ihm! es wird sein Credo euch verkünden.
Dem Geiste muß verbünden
Als Geist sich alles Sein, und als Natur sich
Natürlichem. Du aber, Bild der Reinheit,
Bist Geist und bist Natur als höchste Einheit.
Du bist das königliche Allgemeine,
Bist das Unendliche, die ew'ge Freiheit,
Bist selbstbewußtes All, in Gott aussagbar,
Und dennoch bist du nicht die Einerleiheit,
Nein, das Hocheigenthümliche, weil deine
Freiheit bei Selbstbeschränkung ist erfragbar.
Der unser Aller Tag war,
Ist als das fleischgewordne Wort so Alles
In Allem wie er Alles ist im
Charakterbild, dem reinen,
Das Eckstein ward des ird'schen Tempelwalles.
Und wir auch, die belebten Steine, fassen
In's Ganze uns nach eignen Gottesmaßen.
In dir sind alle Bildungen der Gattung
Wie sie in Raum und Zeit vertheilt erscheinen.
Stets bist, als Einzler, Ganzes du geblieben,
Nicht zwar als ob du Buntestes vereinen
Im Einzeln möchtest, dir in Vollausstattung
An
Nein, durch dein hohes Lieben
Wodurch du, was als Einzlem dir nicht reifte,
In Andern reif siehst und als dein, aus Gnaden,
Der Einzel-Myriaden
Ursprüngliche Entwickelungsverläufte.
Denn Alle hat der Vater dir gegeben,
Daß sie mit dir in Eins vollendet leben.
Es ist das Schöne stets das Allgemeine
In hochbestimmter Form. Du aber bist ja
Des Schönen voller Inbegriff zu nennen
Und anders nicht erschaut dich jeder Christ ja.
Zum Musterbild fromm aufblickt die Gemeine
Weil Jedem Sinn und Liebe da entbrennen.
So muß er bald erkennen
In sich und Andern eigenes Gestalten.
Denn gleichwie in der Kunst so ist im Leben
Nie knechtisches Ankleben
Der Nachahmung gedeihliches Entfalten.
An reiner Eigenthümlichkeit entzünde
Sich andere Befreiung von der Sünde.
Wo sich der Gottgesalbte mag erzeigen,
Weil er ja Alles uns in Allem sein muß,
In Menschen und vermenschheiteten Dingen,
Ist's das Unendliche das er verleih'n muß,
Doch endliche Bestimmtheit, neu und eigen,
Muß er nicht minder, wo er aufstralt, bringen.
Wo irgend sind die Schwingen
Der Jordanstaube über Hochgebilden
Gespannt, wird Gottes Liebling eigenthümlich
Neu sein wie als er rühmlich
Und wird in Andern Anderes anregen
Und ewig selbst sein jeglich Selbstbewegen.
Und Völker so wie Einzle werden allzeit,
Wenn selbstbeschränkend Einzles sie erlesen,
Als Glieder sich des großen Ganzen wissen.
Seht da des Sprachthums Heiligkeit und Wesen!
Uns vor dem Fluche gänzlicher Verfallzeit
Zu retten ist das ew'ge Wort beflissen.
O in den Finsternissen
Der Jetztwelt haltet fest an solchem Horte!
Mag mehr und mehr die Gegenwart verrotten
Und mag der Fremde spotten,
Die deutsche Zukunft blüht im deutschen Worte.
Hat Luthers Hammer denn schon ausgewuchtet?
Noch hat ja deutscher Geist nicht ausgefruchtet.
Wie spielst du wechselreich und vielgestaltig.
O Herr, allstets derselbe und ein andrer,
Im Menschen vor mir und im Menschenwerke!
Ein erdgebildet hoher Himmelswandrer,
Als Theil beschränkt, als Ganzes frei-gewaltig,
Ein schwaches Rohr stets wie ein Gott der Stärke!
Doch wo ich dich vermerke,
Allmittler! schmilzt mir alles dein Erscheinen
Am liebsten stets in jenes Bild zurücke,
Das wir in Schmerz und Glücke
Am Fuß des Kreuzes dankerfüllt beweinen.
Vom Kreuz auf Golgatha kommt uns das Leben,
Wie mannigfaltig du es mochtest geben.
Dein Kreuz ist Mittelpunkt uns der Geschichte,
Und jene deine Knechtsgestalt bleibt allen
Zeitaltern ew'ger Huld erhöhtes Zeichen,
Und ob stets neue Namen heilig schallen,
Dein erster ird'scher Name bleibt im Lichte
Bis alle Erdensprachen einst erbleichen.
Es sind im ganzen reichen
Sprachschatz der Menschheit keinerlei Juwelen
Bedeutender als diese deines Lebens
Und Todes und Aufstrebens
Bezeugungen an alle Menschenseelen,
Und, eingefasset in die Sacramente,
Sind sie des höchsten Styls Grundelemente.
Vor jenem Kreuze muß die Erde küssen
Der Dagon derer die nach Weisheit fragen,
Unächter Weisheit, welche nichts mag würzen.
Vor jener Knechtsgestalt, die wir umklagen,
Vor jener herrlichen, erhabnen, müssen
In Staub hin alle falschen Heil'gen stürzen.
In jenem Namen schürzen
Sendboten sich, beseligende Kunde
Zu künden, und versteh'n sich die da glauben.
Ein solch Palladium rauben
Läßt sich die Gottmenschheit zu keiner Stunde.
Wie möchte sie? Es thun nur, was sie sollen,
Die Glieder, und dem Haubt gebührt das Wollen.
Und ist dereinst der letzte Feind bezwungen,
Wenn jemals in der Zeit dies ganz gescheh'n soll,
Und ist der Tod durchaus zu Grund gerichtet,
Weil überall der Geist des Grundes weh'n soll,
Und ist dein Leben allwärts durchgedrungen
Und Unform wie Verbildung ganz vernichtet,
Und überall gelichtet
Die Aussicht in's Unendliche, daß Alles
Gott ist in Allem, Alles Wort der Worte
Und Alles Himmelspforte
Für Alle, wird bis zu des Erdenballes
Sturz doch der Erdgeist seiner Wiege denken
Und jenem Kripplein fromme Liebe schenken.
Unendlich-Endliches, Wort aller Worte,
Wie andre Welten doch dich mögen nennen,
Besitzen, fühlen, wissen und gestalten,
Gedenk' ich oftmals, wenn erfunkelnd brennen
Der Nacht Gestirne. Doch an jedem Orte
Ist dir, wie unterschiedlich du magst walten,
Die Selbigkeit erhalten
Im Vater, im Unendlichen, im Einen,
Und jauchzend taucht sich in den Hochgedanken
Mein Herz, daß keine Schranken
Gesetzt dem eigenthümlichen Erscheinen.
Ja wahrlich, wer nur „fühlt“! Ein
Mir „Namen“,