Canzone VIII .
Gefühl des Sollens und ein dunkles Sehnen,
Obzwar ein immerwährend unerfülltes,
Empfänglichkeit und wechselvolles Spüren
Nach dem Unendlichen, das ein Verhülltes,
Wer mag das Endliche damit belehnen
Im Sündenirrsal, wenn nicht heil'ges Führen?
So stralt, den sie mag küren,
Der unfindbare Freund der Frauenseele
Als Urbild, wie in Endlichkeit herscheinet
Ein Gott, bis ihm vereinet,
Nun kennend öftrer herber Täuschung Fehle,
Sie volle Gnüge hat und süßes Feiern
In heilig stillen Lebens holden Schleiern.
Und wie ein Jüngling wirbt um zartes Danken,
So das Unendliche. Wie auf der Stirne
Der Liebe ruht ihr Traumbild unabtrennbar,
Ob steigen, ob sich neigen die Gestirne,
Ist ewiglich der göttliche Gedanken
Im Sorgen nur um's Endliche erkennbar.
Und stets durch solch unnennbar
Allstetes Ineinanderscheinen schwanden
Die Beiden ineinander, und mit Klarheit
Ist so, als ihre Wahrheit,
In irdischem Bewußtsein auch erstanden
Urew'ger Liebeseinheit Bild und Wesen,
Der Sohn, der „
Judäas Berge schweigen jede Kunde
Vom Anfang des Bewußtseins höchster Würde,
Als dankend auf zum Vater mochte beten
Der Sohn und frei erkor die Mittlerbürde.
O höchster Himmelsoffenbarung Stunde!
O feierlichste Stunde des Planeten!
Ha! Lebensschauer wehten
Aus den Unendlichkeiten her der Himmel,
Aus den Unendlichkeiten her der Seele,
Und dessen was er wähle
Bewußt, groß stand, fernab vom Weltgewimmel,
Der erste freie Mensch. Es singt's mit Zaudern
Die Muse, ja! und denkt's mit süßem Schaudern
Nun lag die Wahrheit offen jenes Bundes
Von Jehovah und dem erwählten Volke.
Nun war erfüllt Gesetz und Prophezeiung.
Das Sollen war erreicht. Die Feuerwolke
Schmolz und der Sohn stand da. Vor seines Mundes
Anlächeln schwieg die Klage der Entzweiung.
Fortan war's um Kasteiung
Und Opferdienst und Satzungen geschehen.
Des Sohnes sich zu freu'n schien süße Pflicht nur.
Ihn sah im Ahnungslicht nur
Die Väterwelt. Ihr Traumbild muß vergehen
Vor übertreffender Erfüllungsfülle.
Den Kern entlassend fällt die Tempelhülle.
O wie mit salomonischem Gerölle,
O wie mit Zebaoth und Zehngeboten
Mögt ihr nun stets die Kirche noch verplundern?
Das Alles ging ja längst schon zu den Toten,
Auch längst schon sind die Cherubim zur Hölle,
Und eure Zionswacht muß ich bewundern.
Ja wahrlich! nassen Zundern
Vergleich' ich dies Geschlecht. Nur schwer mag fangen
Ein Himmelsfunken, und das schönste Feuer
Erlischt bald. Neustets theuer
Ist Toten nur was tot und was vergangen.
Tot sind die leben. Möchte Leben sprühen
Aus heil'ger Aschenkrüge ew'gem Glühen!
Des Judenchristenthumes Petrusheucheln
Und Petrusschwachheit, ach! umstrickt uns Alle
Mehr oder minder bis zum Selbstbetrügen.
O rette deine Kirche vom Verfalle,
Denn deine Diener sind es, die sie meucheln,
O Herr, durch wahngewiegtes Selbstbelügen!
Auf alle Paulusrügen,
Wenn je ich sie verdiene, laß mich achten
Und kühn wie Paulus jeden Flor zerreißen
Wohinter falsches Gleißen
Verläugnet deines Geistes neue Machten.
So laß mich dienen dir in allen Treuen,
Der du einherfährst Alles zu erneuen.