Canzone XIII .

By Karl Candidus

Von Menschheit hör' ich sagen viel und singen

Und von dem Heil der Massen durch die Massen.

Und dieser mag zwar bildend wol erfassen

Die Menge, doch sie ihn hervor nicht bringen,

Weil das Geschlecht von solcher Kraft verwaist ist.

Wenn das Gefild enteist ist,

Pfropft still ein Wundergast und sieh! nach Jahren

Beugt süße Fruchtlast seine Himmelsschösse

Derweil, wie stark es sprösse,

Allstets nur herbe Holzfrucht läßt gewahren

Das ungepfropfte Astwerk, das daneben

Derselbe Thau, dasselbe Licht umschweben.

Der Geist allein ist ewig machtvollkommen.

Die Massen in Pallästen und in Hütten,

Am Webstuhl und im Lehrstuhl und auf Thronen,

Sie können, was zerrüttet, mehr zerrütten,

Doch schaffen nichts, nichts was da möchte frommen,

Nichts was der Mühe wahrhaft möchte lohnen.

Laß blitzen deine Kronen,

Du königliches Volk der Geistbetrauten,

Du Mittlerschaft die sich der Herr erküret,

Denn dir allein gebühret

Zu bauen neuer Menschheit Himmelsbauten.

Der Geist allein vermag aus Sündenketten

So Könige wie Völker zu erretten.

Die löblichste Gewohnheit ist unlöblich,

Ist Sünde, weil gedankenloses Treiben.

Wie fänden der Gewohnheit ew'ge Knechte,

Sie die in altgewohntem Schlendern leiben

Und leben, Gottes Thun verkennend gröblich,

Wie fänden sie das Gute und das Rechte?

Vom Pantherthiergeschlechte

Und Mohren fordert ihr kein Hautverwandeln.

Weiß auch ein Baum wo der Veredlung Spur ist?

So mag, was nur Natur ist,

Niemals aus Freiheit und für Freiheit handeln.

Doch Gottes Huld sind alle Dinge möglich.

Ihm ist das Unbewegliche beweglich.

Von Sünde frei ist wer da kommt zum Vater.

Wer aber führt zu ihm als die ihn kennen?

Wer auch versteht der Menschen Sinn zu leiten

Daß sie für das Unendliche entbrennen?

Wer ist der Künste Meister und Berater

Die äußerlich den Menschen gern befreiten,

Ihm Muße zu bereiten

Aus Not und, ach! geistloser Arbeit Fluche?

Wer weiß, wer ahnt zum Mindesten, die Mittel

Die uns aus diesem Spittel

Erlösen möchten, wie dort steht im Buche?

Wer schafft und gründet? gibt uns Hoffnungsschimmer?

Nur Einzle sind's, die Massen sind es nimmer.

Das Christenthum ist sel'ger Spiele Spiegel

Und

Des Meisters heitrer Geist mag niemand gönnen

Zweckloser Lustentsagung Uebernahme.

Doch ob ihm offen alle Himmelsriegel

Und er wol hätte Freude haben können,

Ward er, daß wir entrönnen

Der Armut, selbst arm, wählte Schmach statt Ehren.

So mag auch nur, wen gleiche Liebe spornet,

Des Menschenheils bedornet

Schmerzreichen, rauhen Pfad zu gehn begehren.

Kein Mühsal scheut, zu bahnen höchstem Wandeln,

Wen Eins nur freut: zu schauen Gottes Handeln.

Wohlthätig, Kranke heilend, lehrend wallte

Der Meister und so mögen auch die Seinen

Der Leiber wie der Geister sich erbarmen.

Wie Sünde sich und Uebel gern vereinen,

So mögen wir daß, wo die Predigt schallte,

Auch leiblich werde Linderung den Armen.

Uns will das Herz erwarmen

Beim Anblick des verkommenen Geschlechtes.

Und so wie zweierlei ist unsrer Liebe Segen,

So ist auch allerwegen

Stets zweierlei der Lohn den wir als ächtes

Beglaubigen empfangen unsrer Uebniß:

Leibliche Not und geistliche Betrübniß.

Ach! süßer ist es freilich still zu blühen

Am Gottesbaume als mit scharfem Stale

Gelöst, noch heimwehträufend, fern von Eden,

Verpflanzt zu werden in die Erdenthale.

Weit süßer als Prophetenamtes Mühen

Ist mit den Vögelein beschaulich reden.

Doch zu des Lebens Fehden

Drängt unerbittlich fort aus Hirtenruhe,

Getreue Jünger, euch des Meisters Liebe,

Auf daß ihr nicht wie Diebe

Des Heiles Schatz verhehlt in toter Truhe.

So lang Geheimgut letzte Herrlichkeiten,

Heißt

Mag stumpf die Welt dem alten Joch sich beugen

Das längst den Nacken blutig ihr gerieben,

Ihr blöder Blick soll uns nicht niederschlagen,

Die schöne Hoffnung soll uns nicht zerstieben.

Als treue Wächter wollen wir bezeugen

Den Gang der Nacht und das gewisse Tagen.

Hoch sei einhergetragen

Das Glaubensbanner das da spricht erfreulich

Von dem was man nicht sieht. Denn nur der Glaube

Läßt uns nicht sein zum Raube

Der Trägheit und nur er führt uns getreulich.

Geduld ist not. Durch Glauben und Vertrauen

Läßt Gott den Tag der Zukunft uns erschauen.

Es schläft die Welt den Todesschlaf wie immer

Und da ist kaum was möchte Hoffnung geben,

Doch durch den Glauben ist uns klar entfaltet

Daß Gott in unser Nichts gepflanzt sein Leben

Und daß dies All in seiner Prachten Schimmer

Das bloße göttlich starke Wort gestaltet.

Drum, wenn das Wort nur schaltet,

Braucht's weiter nichts, noch einen schönern Himmel

Und eine schön're Erde still zu bilden

In deren Lustgefilden

Sich regt der neuen Gottmenschheit Gewimmel.

Die blöde Welt, ach! blendet solches Hoffen,

Allein der Glaube sieht die Zukunft offen.

Im Glauben, da Gott Abraham berufen,

Ging dieser aus und wußte nicht vom Ziele

Und wohnte als ein Fremdling unter Zelten.

Gewärtig was zu stiften Gott gefiele.

Im Glauben trat herab von Thronesstufen

Ein Moses weil er ansah das Vergelten.

Das kühne Donnerschelten

Der heiligen Propheten kam vom Glauben.

Im Glauben trank Sokrates Gift, und sandte

Der Heiland ungewandte

Sendlinge gen der Sünde Todesschnauben.

Im Glauben stach Kolumbus in die Meere,

Und scheute Luther nicht der Weltmacht Heere.

Im Glauben wirkten alle Männer Gottes,

Und Viele litten Bande und Gefängniß.

Sie sind gesteiniget, zerhackt, zerstochen,

Durch's Schwert getötet. Jeglicher Bedrängniß

Und Not bloß, waren sie ein Ziel des Spottes.

Sie, deren unwert war die Welt, verkrochen

In Wüsten, auf Bergjochen,

In Klüften sich und Höhlen. O wir haben

Im Kampf noch bis auf's Blut nicht widerstanden!

Uns mache nicht zu Schanden

Die Schaar der Zeugen die uns stets umgaben!

Seht auf den Meister, der das Widersprechen

Der Welt trägt, ach! bis ihm die Augen brechen.

So lang auf Erden Etwas zu erlösen,

Seid ihr nicht ganz erlöst. Ihr müßt's ja fühlen!

Nicht euer Ich ist euer Selbst, das wahre,

Das ganze Selbst. Zwar auf des Glaubens Pfühlen

Ruht selig euer Haubt, und frei vom Bösen

Ist euer wahres Selbst, das volle, klare.

Sich ewig offenbare,

Doch neustets spielt ihr sel'ges Spiel die Liebe,

Schafft Leere stets, schafft Sehnsucht nach Erfüllen,

Und will, in solchen Hüllen

Sich schauend, drin erlösen eigne Triebe.

In euer leeres Ich kam sie hernieder,

Und ist sie 's wirklich, liebt und löst ihr wieder.

Es will durch

Und was ihr laßt gebunden, bleibt gebunden,

Und was ihr löset, ist gelöst. Die Bande

Der Sündenknechtschaft an der Menschheit wunden

Gliedmaßen könnet

Von

Zu süßem Liebesbrande

Entfache still die Welt denn euer Hauchen,

Bis Liebe Wahrheit, Wahrheit Freiheit bringe,

Und neuschön alle Dinge,

Vom Scepter bis zum Pflug, aus Gott auftauchen.

Euch ist das

Und eitles Klagen ist nur Selbstanklagen.

Sitzt aber träg ihr auf des Geistes Thronen,

Wird dumm der Erde Salz, die Leuchte dunkel,

Dann seid in Wahrheit ihr nur tote Massen,

Doch wißt: wie fernster Sterne Urgefunkel

Herfliegt und uns erglänzet nach Aeonen,

So naht, aus tiefstem Himmelsraum entlassen,

Den Erdball zu erfassen,

Ein Lebenswürzestrom, von Gott ersehen

Eh' er den Erdball schuf, daß er die Seinen

Erwecke sich aus Steinen,

Wenn ihr nicht möchtet seine Huld verstehen.

Erfüllt doch Christus die Unendlichkeiten

Und kann sein Werk auch ohne euch bereiten.