Canzone XIV .

By Karl Candidus

Wie heult es herzzerschneidend durch die Lüfte!

Wie tost es durch den Wald! Von jenen Bäumen,

Den stattlich hohen, stöhnt gewalt'ges Stöhnen.

Es wirft der Sturm des Wassersturzes Schäumen

Und zerrt und läßt ihn rasen in die Klüfte.

Wie leuchtet neustets vor dem Donnerdröhnen

Der Fels im prächtig schönen

Blitzglanz! Verkehrt in Nacht ist Tag. Es fallen

Die Tropfen stärker, doch mich schirmt, o Buche!

Dein Laubdach. Keinem Fluche

Mehr bebt dies Herz wenn wilde Stimmen schallen.

Du hast ganz andre Stürme mir geleget,

O Herr! und sie auch hatte Huld erreget.

Bestimmungsloses Fühlen ist kein Fühlen.

In Schmerz und Lust nur ist Gefühl entfaltet.

Drum spannt das

Als Widerspruch und Unortnung gestaltet.

Und Wahn und Lüge, Haß und Tod durchwühlen

Die Welt. Doch sieh! mit Finsterniß versticht sich

Und zeigt der Liebe Licht sich

Urstets, der Liebe Leben, denn begründet

In ew'ger Einheit nur ist ew'ges Brechen.

Da muß der Bruch sich rächen

Durch Sehnsuchtsweh, und sel'ges Heil verbündet

Treu mit Versöhnung sich und stiller Friede.

Drob preist, o Herr! auch

Und wird nun wer gefangen war wol sagen:

Gebt nochmals Ketten daß ich freier werde?

Und wer wird sprechen: laßt uns mehr erkranken

Um besser zu gesunden? Mensch von Erde!

Wie sollten mit der Sünde wir uns tragen

Der wir gestorben sind, da in Gedanken

Mit sterbensvollem Wanken

Der alte Mensch in uns zum Tod begleitet

Den Herrn vom Himmel, der in uns nun lebet?

Wenn's von den Lippen bebet:

Versöhnt ist Alles. Von der Sünde Schranken,

Nun sie zertrümmert, aufweint brünstig Danken.

Hier haben keine Stimme, die am Satze

Des Widerspruches abzugweise hangen

Und deren Denkthat wirklich noch im Grauen

Des Bruches und des Widerspruchs befangen.

Mit Recht bezeugen sie die Teufelsfratze

Die sie als Hinterhaubt des Guten schauen.

Ich möcht' im bläulich grauen

Helldunkel eines Tempels lieber sehen

Ein Jünglingsantlitz qualverstört und trotzig,

Selbst etwas läppisch-protzig,

Doch immer gotthaft, während Heilsergehen

Auf vord'rer Janusstirn freundselig ruhte

Wie er mit Schlüssel thront und Königsrute.

Licht überströmt vom Kreuze die Geschichte

Rückwärts und vorwärts. Schmerzenreiches Irren

Bezeichnete des Menschen erstes Wollen

Auf Erden, doch in stets vermehrte Wirren

Trat Wahrheit aus prophetischem Gesichte,

Und dringender auftrat erhab'nes Sollen,

Bis Wahrheit mit dem vollen

Inhalt der Heiligkeit sich offenbarte.

Dem Jugendschmerz wird Altersheil entblühen.

Es läßt nach unsern Mühen

Der Herr uns schau'n was er uns aufbewahrte.

Sei neuer Siegel Aufschluß dann begonnen.

Wir harren einer Ortnung ird'scher Dinge

Die Gottes Reich verdient genannt zu werden.

Nur geistig ist sein Reich und darum eben

Soll Alles geistgeortnet sein auf Erden.

In Adams Reich ist Arbeit Fluches Schlinge,

In Gottes muß sie sich zum Spiel erheben.

In Adams Reich erstreben

Sich beste Kämpfer selten heil'gen Frieden,

In Gottes ist er Allen, wie dem Kinde

Aus Gnaden gar geschwinde

Und sonder Mühe noch Verdienst beschieden.

O komm du Spiegel sel'ger Gottesklarheit,

Komm bald und sei des Kreuzes äuß're Wahrheit.

Wie spannt dort anmutreich der Regenbogen

Sich ob der tiefen, duftig grünen Schneuse!

Der Aufruhr der Natur hat ausgewütet

Und freundlich schließt der Himmel seine Schleuse.

So tret' ich denn heraus, euch Balsamwogen

Des Waldes frisch zu trinken, denn behütet

Hat seinen frohgemütet

Dankbaren Knecht der Herr auch diesmal wieder.

O Amselschlag, o volles, reiches Tönen!

Und rings wie viel des Schönen!

Erquickung strömt durch Herz und Haubt und Glieder.

Mit mark'gen Knochen steht zugleich im Leben

Wer wahrhaft sich dem Himmel hat ergeben.

O Freudigkeit des Glaubens!

Den Satan sah

Wie einen Blitz. Was bleibt vom Wetterscheine

Wenn er erlosch? Das reine,

Das heitre Blau wo ew'ge Sterne wallen,

Wo, schöngeschmückt zu priesterlichem Handeln,

Die seligen Gedanken Gottes wandeln.