Canzone XIV .
Wie heult es herzzerschneidend durch die Lüfte!
Wie tost es durch den Wald! Von jenen Bäumen,
Den stattlich hohen, stöhnt gewalt'ges Stöhnen.
Es wirft der Sturm des Wassersturzes Schäumen
Und zerrt und läßt ihn rasen in die Klüfte.
Wie leuchtet neustets vor dem Donnerdröhnen
Der Fels im prächtig schönen
Blitzglanz! Verkehrt in Nacht ist Tag. Es fallen
Die Tropfen stärker, doch mich schirmt, o Buche!
Dein Laubdach. Keinem Fluche
Mehr bebt dies Herz wenn wilde Stimmen schallen.
Du hast ganz andre Stürme mir geleget,
O Herr! und sie auch hatte Huld erreget.
Bestimmungsloses Fühlen ist kein Fühlen.
In Schmerz und Lust nur ist Gefühl entfaltet.
Drum spannt das
Als Widerspruch und Unortnung gestaltet.
Und Wahn und Lüge, Haß und Tod durchwühlen
Die Welt. Doch sieh! mit Finsterniß versticht sich
Und zeigt der Liebe Licht sich
Urstets, der Liebe Leben, denn begründet
In ew'ger Einheit nur ist ew'ges Brechen.
Da muß der Bruch sich rächen
Durch Sehnsuchtsweh, und sel'ges Heil verbündet
Treu mit Versöhnung sich und stiller Friede.
Drob preist, o Herr! auch
Und wird nun wer gefangen war wol sagen:
Gebt nochmals Ketten daß ich freier werde?
Und wer wird sprechen: laßt uns mehr erkranken
Um besser zu gesunden? Mensch von Erde!
Wie sollten mit der Sünde wir uns tragen
Der wir gestorben sind, da in Gedanken
Mit sterbensvollem Wanken
Der alte Mensch in uns zum Tod begleitet
Den Herrn vom Himmel, der in uns nun lebet?
Wenn's von den Lippen bebet:
Versöhnt ist Alles. Von der Sünde Schranken,
Nun sie zertrümmert, aufweint brünstig Danken.
Hier haben keine Stimme, die am Satze
Des Widerspruches abzugweise hangen
Und deren Denkthat wirklich noch im Grauen
Des Bruches und des Widerspruchs befangen.
Mit Recht bezeugen sie die Teufelsfratze
Die sie als Hinterhaubt des Guten schauen.
Ich möcht' im bläulich grauen
Helldunkel eines Tempels lieber sehen
Ein Jünglingsantlitz qualverstört und trotzig,
Selbst etwas läppisch-protzig,
Doch immer gotthaft, während Heilsergehen
Auf vord'rer Janusstirn freundselig ruhte
Wie er mit Schlüssel thront und Königsrute.
Licht überströmt vom Kreuze die Geschichte
Rückwärts und vorwärts. Schmerzenreiches Irren
Bezeichnete des Menschen erstes Wollen
Auf Erden, doch in stets vermehrte Wirren
Trat Wahrheit aus prophetischem Gesichte,
Und dringender auftrat erhab'nes Sollen,
Bis Wahrheit mit dem vollen
Inhalt der Heiligkeit sich offenbarte.
Dem Jugendschmerz wird Altersheil entblühen.
Es läßt nach unsern Mühen
Der Herr uns schau'n was er uns aufbewahrte.
Sei neuer Siegel Aufschluß dann begonnen.
Wir harren einer Ortnung ird'scher Dinge
Die Gottes Reich verdient genannt zu werden.
Nur geistig ist sein Reich und darum eben
Soll Alles geistgeortnet sein auf Erden.
In Adams Reich ist Arbeit Fluches Schlinge,
In Gottes muß sie sich zum Spiel erheben.
In Adams Reich erstreben
Sich beste Kämpfer selten heil'gen Frieden,
In Gottes ist er Allen, wie dem Kinde
Aus Gnaden gar geschwinde
Und sonder Mühe noch Verdienst beschieden.
O komm du Spiegel sel'ger Gottesklarheit,
Komm bald und sei des Kreuzes äuß're Wahrheit.
Wie spannt dort anmutreich der Regenbogen
Sich ob der tiefen, duftig grünen Schneuse!
Der Aufruhr der Natur hat ausgewütet
Und freundlich schließt der Himmel seine Schleuse.
So tret' ich denn heraus, euch Balsamwogen
Des Waldes frisch zu trinken, denn behütet
Hat seinen frohgemütet
Dankbaren Knecht der Herr auch diesmal wieder.
O Amselschlag, o volles, reiches Tönen!
Und rings wie viel des Schönen!
Erquickung strömt durch Herz und Haubt und Glieder.
Mit mark'gen Knochen steht zugleich im Leben
Wer wahrhaft sich dem Himmel hat ergeben.
O Freudigkeit des Glaubens!
Den Satan sah
Wie einen Blitz. Was bleibt vom Wetterscheine
Wenn er erlosch? Das reine,
Das heitre Blau wo ew'ge Sterne wallen,
Wo, schöngeschmückt zu priesterlichem Handeln,
Die seligen Gedanken Gottes wandeln.