Capvt 2
Written 1617-01-01 - 1617-01-01
ES war ein Mann vernehmet recht
Tapffer und reich von Güter
Eli Melechs freund von geschlecht
Auch ein Bethlehemiter.
Ein feiner Mann Boas genandt
Der ließ auch Gersten schneiden;
Naemi war er wol bekandt
Die mit Ruth saß in leiden
Einsam und beyde nehrten sich
Durch das werck ihrer hände
Wie arme Witwen kümmerlich
Pflegen in ihrm Elende.
Es war gering ihr beyder sach
Vormals besser gewesen
Darumb Ruth zu Naemi sprach:
Last mich gehn und aufflesen
Ähern auffs feld dem nach für dem
Ich gnad und gunst itzt finde
Vnd da ich seyn werd angenehm
Im feld bey dem Gesinde.
Geh hin mein Tochter antwort sie
Ich will es dir nicht wehren
Bring was zu hauß daß wir uns hie
Mögen davon ernehren.
Sie ging hin merckt doch was geschicht
Vnd kam auff Boas Acker
Jedoch den Mann sie kante nicht
Sie laß die ähern wacker
Den Schnittern nach. Boas der Mann
Von Bethlehem kam gangen
Er sprach die Schnitter also an:
Was ihr habt angefangen
Das geh in Gottes Namen fort
Der sey mit euch im wercke.
Danck habt war wider jhr antwort
Der Herr sey ewer stärcke.
Boas sah Ruth auch da im Feld
Vnd sprach zu seinem Knaben
Der ubr die Schnitter war gestellt:
Was will die Dirne haben?
Wes ist sie? Der Knab gab bescheit:
Sie ist hab ich vernommen
Die von Moab vor wenig zeit
Ist mit Naemi kommen.
Ferner der Knab zu Boas sprach:
Sie ist hie heut gewesen
Bey uns im Feld den gantzen Tag.
Die ähern auffzulesen
Den schnittern nach; dieweil sie mich
Drumb bath ihr diß zu günnen
Solch ihre bitt an mich hab ich
Ihr nicht abschlagen können.
Fleißig ist sie gewesen heut
Es geht ihr wol von handen
Von morgen biß auff diese zeit
Ist sie bey uns gestanden.
Da ging Boas selbst hin zu ihr
Sprach mit freundtlichen worten:
Meine Tochter gehorche mir
Vnd bleib an diesen Orten
Es soll dir nichts zu leid geschehn
Darumb geh' nicht von hinnen
Mit meinen Dirnen soltu gehn
Die dich anleiten können
Da sie schneiden geh' jhnen nach
Dem Volck hab ich gebotten
Daß keiner dich antast er sprach
Oder sonst soll verspotten.
Vnd so dich durst geh hin zum krug
Vnd trinck mit meinen Knaben
Es wird für dir auch seyn genug
Dein hertz damit zu laben.
Da fiel sie auff ihr angesicht
Demütig sie ihn ehret
Sprach: Ich hab je verdienet nicht
Das mir itzt widerfähret
Ich weiß auch nicht in meinem sinn
Womit ich gnad bekommen
Die ich doch hie ein Frembde bin.
Er sprach ich hab vernommen
Daß du nach deines Mannes todt
Hast wollen nicht verlassen
Dein Schwieger Mutter in der noth
Sondern mit jhr die strassen
Gezogen bist im frembden Landt
Hast ihr viel guts erzeiget;
Bey einem Volck dir unbekant
Zu bleiben bist geneiget.
Der Herr vergelt dir deine that
Vnd mach dein lohn vollkommen:
Der zu dem Herren Zuflucht hat
Wird von jhm angenommen.
Israels Gott sey immer zu
Dein Hülff und Trost im leben;
Vnter des flügeln jtzund du
Dich hast zu wohnen geben.
Ruth sich der wort erfrewen thet
Vnd antwort jhm demütig:
Wie freundlich hat mein Herr geredt
Vnd ist mir doch so gütig.
Nun ich für ewren augen gunst
Vnd gnade hab gefunden
Wird von mir nichts begehret sonst
Mein Leid ist mir verschwunden.
Was solt ich doch begehren mehr
Denn ewer Gunst alleine?
Weil ich geringer bin mein Herr
Als ewer Mägde eine.
Er sprach zu jhr: Wenns essen zeit
Ist solt dich auch hernahen
Vnd bey dem Volck nach der arbeit
Dein speise mit empfahen;
Ihrer freyheit dich mit gebrauch
Vnd tuncke deinen bissen
In essig wie die andern auch
So speiß einnehmen müssen.
Sie nam diß an mit danckbarkeit
Darüber sich ergetzte
Vnd da es war zu essen zeit
Sie sich mit nieder setzte.
Boas legt selbst zu essen für
Sie aß er ließ jhm langen
Gedörte ähern gab er jhr
Die man sonst nennet Sangen:
Sie aß sich mit den andern satt
Stund wieder auff zu lesen
Von Sangen sie noch uber hatt
Die zur mahlzeit gewesen.
Boas zu seinem knaben sprach:
Ihr solt sie nicht beschämen
Sondern lasset was bleiben nach
Davon sie mög auffnemen;
Auch von dem hauffen ligen last
Als ob jhr es nicht achtet;
Sie ist bey uns frembd wie ein Gast
Ihr noth bey euch betrachtet.
Also lase sie fleissig auff
Vnd war dasmal zum ersten
So sie gesamlet hatt zu hauff
Bey einem Epha gersten;
Da sie es hatt geschlagen auß
Sie hub es auff zu tragen
Kam damit in die Statt zu hauß:
Naemi sprach mit fragen
Da sie diß all's gesehen hatt
Vnd von der Ruth empfangen
Das davon sie war g'worden satt
Auch g'blieben nach von Sangen:
Mein Tochter wo bist g'wesen heut
Vnd wo bistu herkommen?
Es müssen g'wiß seyn gute Leut
Die dich hab'n angenommen.
Sie gab es zuerkennen ihr
Sprach: da ich hab gelesen
Vnd der diß all's hat geben mir
Ist der Boas gewesen.
Naemi sprach zu ihrer Schnur
Der Mann ist mein bekanter
Mein Tochter sey zu frieden nur
Er ist meins Manns Verwanter
Vnd Erb ein solcher frommer Mann
Der nicht hat unterlassen
Sein Gütigkeit zu zeigen an
Thut unser sich anmassen.
An den Todten und Vns hat er
Barmhertzigkeit beweiset;
Geseg'n ihn dafür Gott der Herr
Den er mit gutthat preiset.
Ruth wieder zu Naemi sprach
Der Mann sagt mir imgleichen
Ich solt sein'n Dirnen folgen nach
Vnd nicht von ihnen weichen
Biß alles Korn zu hauß gebracht
Solt auch mit jhnen essen
Solch wort hat er zu mir gesagt
Die ich nicht kan vergessen.
Naemi sprach ja das ist gut
Daß du mit jhnen gehest;
Niemand dir da einreden thut
Wie du diß wol verstehest.
Also die Ruth zu ihnen sich
Bald widerumb gesellte
Vnd laß wie vor geredet ich
Da ähren auff im Felde
Bey Boas Volck: wolt zu der zeit
Auff ander Feld nicht gehen
Biß daß an Gerst und Weitzen beid
Die Ernd da war geschehen.
Darnach sie zu Hauß wider kehrt
Naemi zu ernehren
Die sie als jhre Mutter ehrt
Wolt nicht mehr auß begehren.