Capvt 3

By Anna Ovena Hoyers

Written 1617-01-01 - 1617-01-01

Naemi sprach einsmals zu ihr:

Solt ich nicht darnach sehen

Mein Tochter Ruh zu suchen dir

Daß es dir wol mög gehen?

Nun wolan merck was ich dir sag

Der Mann bey dem du g'wesen

Vnd bey des Dirnen diese tag

Du Korn hast auffgelesen

Boas unser verwandter Freund

Des Nam'n du wol thust kennen

Der wird sein Gersten worfflen heint

Diese nacht auf der Tennen.

So folg mir liebe Tochter nun

Es soll dir seyn ohn schaden

Was du zu dieser zeit solt thun:

Nemblich du solt dich baden

Auch salben und ziehn an dein Kleid

Vnd gehn hin auff die Tenne

Doch merck wol die gelegenheit

Auff daß dich niemand kenne

Biß Boas wol getruncken hat

So merck den Ort gar eben

Dahin er sich zu Abends spat

Zu schlaffen thut begeben.

So kom alßdann und lege dich

Sein Füß soltu auffdecken

Wenn er denn wird besinnen sich

In dem du jhn thust wecken

So wird er wol anzeigen dir

Was du solt ferner machen.

Gehorch mein liebe Tochter mir

Vnd folg in dieser Sachen.

Die Ruth nam diß in guter acht

Vnd wolt nicht widerstreben

Sprach: was ihr itzt zu mir gesagt

Dem will ich folgen eben.

Also ging sie auffs best geschmückt

Hinab auff Boas Tennen

Weils Abend war es ihr auch glückt

Daß niemand sie thet kennen.

Vnd da Boas gelebt frölich

Getruncken hatt und gessen

Wolt er zur ruh begeben sich

Vnd legt sich nach dem essen

Hindr einen Mandl und Gersten hauff.

Ruth merckt den Ort mit fleisse:

Sie kam und deckt sein füsse auff

Vnd legt sich zu ihm leise.

Da es nun kam zur mitter-nacht

Ward Boas solches innen

Als er von seinem schlaff erwacht

Kont sich doch nicht besinnen.

Erschrack des ohne masse sehr

Wandte sich hin und wider

Vnd sieh ein Weib sah ligen er

Bey seinen Füssen nider.

Er sprach: Wer bist? Was machstu hie?

Gib dich mir zu erkennen.

Ich ewer Magt Ruth antwort sie

Bin kommen in die Tennen.

Breit uber mich ewr Flügel nun

Daß ich eur gunst erwerbe.

Von Rechts wegen solt ihr es thun

Dieweil ihr seyt mein Erbe.

Er sprach zu ihr: Gesegnet seyst

Mein Tochter von dem Herren

Grösser gutthat hast itzt beweist

In dem du mich in Ehren

Begerst und zu mir kommen bist

Gegn mich mit Lieb umbfangen

Vnd keines wegs auß böser lust

Den Jünglingn nachgegangen.

Darumb solt gar nicht fürchten dich

Alles nach deinem willen

Was du gesagt will trewlich ich

Verrichten und erfüllen.

Die gantze Stadt meins volckes weiß

Daß du ein Weib auffrichtig

Vnd tugendsam bist das mit fleiß

Sich stets verhalten züchtig.

Wahr ist ich bin der Erb wie du

Sagst doch solt du auch wissen

Einer gehört dir näher zu

Dem werd ichs kundt thun müssen.

Nimt er dich morgen so will ich

Hierinn nicht widerstreben:

Wo nicht so will ich nehmen dich

So wahr der Herr thut leben.

Daran solt gar nicht zweiffeln du

Schlaff nur ohn furcht und sorgen.

Sie legt sich nieder da zu ruh

Vnd schlieff biß an den morgen.

Darnach eh es ward tag und liecht

Sie auß dem schlaff erwachte

Ehe einr den andern kennen mücht

Sie sich vom Bett auffmachte.

Boas hatt sie geweckt so früh

Gedacht ich möcht mich schemen

Daß ein Weibs-bild gewesen hie

Niemand soll diß vernehmen.

Er sprach: lang her dein Schürtztuch mir

Das du hast umbgeschürtzet.

Sie hielt es ihm alßbald Er ihr

Drinn sechs maß Gersten stürtzet.

Legts auff sie ließ sie von ihm gehn

Im tunckel und verborgen.

Sie kam da man noch nicht kont sehn

Zur Mutter früh am Morgen

Die sprach zu jhr: wie stehts mit dir

Vnd wie bistu empfangen?

Das sag mein liebe Tochter mir

Wie ist es dir heint gangen?

Ruth zeigt Naemi solches an

Vnd sagt ihr alles eben

Was ihr gethan Boas der Mann

Vnd was er ihr hatt geben.

Sechs Maß Gersten sprach sie gab er

Mir die hab ich genommen

Denn er sprach du sollt itzt nicht leer

Zu deiner Schwieger kommen.

Naemi sprach: sey du nur still

Du wirst es bald erfahren

Wie sich der handel schicken will:

Kein fleiß wird Boas sparen

(Weis ich gewiß) und ruhen nicht

Biß er noch heut am Tage

Diß alles hab glücklich verricht

Dran ich kein zweiffel trage.