Capvt 4
Written 1617-01-01 - 1617-01-01
Boas ging hin wie er geredt
Den Handel zu verrichten
Vnd sich ins Stadt Thor setzen thet
Da man all's pflag zu schlichten.
Vnd sieh' da kam gegangen der
Von dem Meldung geschehen
Boas sprach zu ihm: setz dich her
Woll'st nicht darüber gehen.
Zehn Männer in derselben Stadt
Die zeugnus konten geben
Boas bey ihm zu sitzen bath
Die satzten sich darneben.
Zum Erben der nechst bey ihm saß
Fing Boas an zu sagen:
Ohn zweiffel wirstu wissen daß
Hie vor etlichen Tagen
Naemi widerkommen ist
Vom Land der Moabiter
Die beut zu kauff wie mir bewust
Auß Armuth ihre Güter
Ihrs Mannes unsers Freundes feld
Das sein war bey seinm Leben
Darumb hab ich dirs angemelt
Wiltu dein Gelt nun geben
Vnd alß ein Erb es kauffen dir
So thu es hie zugegen
Wo nicht so will ichs lösen mir
Vnd mein Gelt dafür legen:
Denn es ist sonst kein Erb denn du
Vnd ich ders kan erwerben:
Darumb antwort was sagst dazu?
Er sprach: Ich wills beerben.
Wolan es ist gut sprach Boas
Doch soltu dabey wissen
Welches tages du kauffest das
Wirstu auch nemen müssen
Ruth des Verstorbnen Mahlons Weib
Daß du ihm einen Namen
Der allzeit auff sein Erbtheil bleib
Erweckst auß deinem Samen.
Da sprach der Erbe zu Boas:
Vielleicht möcht ich verderben
Mein Erbtheil drumb ich uberlaß
Dir; was ich kan beerben
Behalte dir; ich hab genug
Mag kein gelt daran wagen;
Vnd gab ihm damit seinen Schuch
Den er am Fuß getragen.
Es war aber solch gewohnheit
Herkommen von den Alten
Vnd ward noch fest zur selben zeit
In Israel gehalten:
Daß der sein Erbgut oder Haab
Vberließ auch daneben
Den Schuch auß zog und mit hin gab
Zum gezeugnüs merckt eben;
Damit der Käuffer alles möcht
Betretten und besitzen
Dürfft jemands einred fürchten nicht
Könt mit dem pfand sich schützen.
Also nam auch Boas der Mann
In gegenwart der Zehen
Den Schuch von andern Erben an
Vnd sprach: ihr habt gesehen
Daß ich mir heut auff diesen tag
Das Feld gekaufft zu eigen
Ihr ältsten meines volcks (er sprach)
Solt heut seyn meine Zeugen.
Dazu will ich auch nemen mir
Die Ruth in Gottes Namen
Daß dem Verstorbnen ich auß ihr
Erwecke einen samen
Auff sein Erbtheil damit auff Erd
Seiner nicht werd vergessen
Ihr Männer hie zugegen werd't
Seyn Zeugen alles dessen.
Alles Volck das im Thor war sprach:
Wir wollen zeugniß geben
Der Herr das Weib deins Hauses mach
Fruchtbar in deinem leben
Wie Rahel und Lea die beid
Israels hauß gebawet:
Also sey auch zu dieser zeit
Die dir itzt wird vertrawet.
Halt dapffer dich im Ephrata
Wachs und mach einen Namen
In Bethlehem auff daß dir da
Durchs Weib von deinem Samen
Dein hauß erbawt werd immerdar
Wie Peretz Hauß gewesen
Den Thamar dem Juda gebar
Alß wir beym Mose lesen.
Solches wünschen von Hertzen wir
Vnd bitten Gott darneben;
Daß er wolle viel samen dir
Auß dieser Dirnen geben.
Also Boas zur selben zeit
Ließ ihm die Ruth bey legen
Der Herr gab ihr die Fruchtbarkeit
Daß sie durch seinen Segen
Dem Boas einen Sohn gebar.
Die Weiber alßbald kamen
Zu Naemi die frölich war
Sprachen: Gott hat den Samen
In deinem Alter geben dir
Auff daß du würdst erquicket
Gelobet sey sein Nam dafür
Der diß so hat geschicket
Denn dein Sohns Fraw die dich allzeit
So sehr lieb hat von Hertzen
Die hat ihn dir geboren heut
Zu lindern deinen Schmertzen.
Durch sie du hoch erfrewet bist
Hettstu der Söhn auch Sieben;
Dennoch sie dir viel besser ist
Billig thustu sie lieben.
Naemi nam das Kindlein hin
Auff ihren Schoß es legte
Vnd ward selbst seine Wärterin
Seiner sie fleißig pflegte
Vnd hatt daran ihr Wolgefall:
Der Sohn wer ihr geboren
Sagten die Nachtbarinnen all
Denen diß kam zu Ohren.
Der Nam Obed ward ihm mit recht
Gegeben auch von ihnen
Denn er solt seyn Naemi Knecht
Vnd ihr im Alter dienen.
Dieser Obed wie offenbar
Ein Vater ist gewesen
Jesse der Davids Vater war
Des Königs wie wir lesen.
Diese Nahmen hie an der zahl
Sind von Peretz herkommen
Die ich gar kürtzlich auff dißmal
Beschreib in einer summen:
Peretz zeugt Hetzron Hetzron Ram
(Die Chronica nicht treuget)
Von Ram Aminadab herkam
Der Nahasson gezeuget
Der Salmah Salmah den Boas
Von dem ist Obed kommen
Wie ihr zuvor gehöret das
Vnd alles habt vernommen.
Den Jesse hat gezeuget er
Dem ist David geboren
Ein Man von Gott geliebet sehr
Zum Königreich erkohren.
Hiemit diß Büchlein endet sich
Kurtz doch deutlich beschrieben.
Gott geb uns allen Gnad wünsch ich
Im guten uns zu üben
Vnd die Lehren so hirin sind
Mit fleiß wol zu betrachten.
Viel guts in diesem Buch man findt
Drumb woll't es nicht verachten.
Zwo Haubtlehren insonderheit
Sollen wir hie wol mercken
Die ein von Gott's Fürsichtigkeit
Vnd Wunderbaren Wercken.
Nemlich daß Gott der Höchste Herr
Regier der Menschen willen
Ihr thun und lassen damit Er
Das jenig mög erfüllen
Welches er hat von Ewigkeit
Beschlossen und fürsehen
Daß es geschehn soll in der zeit:
Denn dahin müssen gehen
Alle Sachen in dieser Welt
Zeigt an diese History
Gott regiert all's wies ihm gefelt
Zu seiner Ehr und Glory.
Merck hie die Ruth ein Heydin war
Nun hatt es Gott beschlossen;
Daß sie auch in der Christen Schar
Solt seyn ein Mitgenossen
Vnd Gesellin im Gnaden reich
Der Christus auch solt kommen;
Wie allen Glaubigen zu gleich
Zur Seelen Heil und Frommen.
Damit also der Herr an ihr
Vns möcht Anzeigung geben
Daß auch die Heiden nemlich wir
Gehörten mit zum Leben
Vnd zu seiner bestimmten zeit
Solten beruffen werden
Von allen Orten nah und weit
Auff dieser gantzen Erden.
Auff daß nun aber Gottes Wahl
Vnd sein Fürsatz fortginge
Vnd Ruth würd Boas Ehgemahl
Von ihm Obed empfinge;
Auß welches stamm herkommen müst
Vnd werden solt geboren
Nach der verheissung' Jesus Christ
Durch den wir sind erkohren;
So hat Gott wunderbarer weiß
Die menschen umbgeführet
Diß und Jenes zu thun mit fleiß
Ihren willen regieret
Dadurch zu letzt sein Rathschluß ist
Zum guten end gekommen
Mit Boas Heyrath wie ihr wist
Vnd zuvor habt vernommen.
Denn erstlich damit Gott der Herr
Des Boas Bluts-verwanten
Eli Melech hinführt daß er
Von Freunden und Bekanten
Mit seinem Weib und Söhnen beid
Gen Moab sich begeben;
Vnd zwar an den Ort da zur zeit
Sich Ruth verhielt merck eben
So lest er hunger und gebrech
Im Land Israel kommen
Dadurch dann dem Eli Melech
Sein nahrung ward benommen
Vnd er bewegt zur selben zeit
Dem hunger zu entfliehen
Vnd nach besser gelegenheit
Ins Land Moab zu ziehen.
Ferner hatt Gott beschlossen daß
Er in der Frembd solt sterben:
Damit gelegnheit und anlaß
Möchten sein beide Erben
Haben dazu befreyen sich
Mit zwo Heydnische Frawen:
Vnd zwar der ein Mahlon nemblich
Die Ruth ihm zu vertrawen
Welches vielleicht sonst nimmermehr
Eli Melech dermassen
Wenn er im Leben g'wesen wer'
Wurd haben zugelassen.
Mahlon must aber merck mit fleiß
Nemen nach seinem Sinne
Die Ruth das sie auff solche weiß
Wurd Boas Schwägerinne
Vnd derselb darnach hätt das recht
Naemi gut zulösen
Weil er ihr Erb und vom Geschlecht
Eli Melechs gewesen
Vnd also auß der ursach auch
Ruth nemen möcht zur Frawen
Nach dem Gesetz und Lands Gebrauch
Seins Bruders Nam zu bawen.
Zu dem hat Gott nach weinig zeit
Beide Söhn ebner massen
Alß sie im Land Moab gefreyt
Daselbst auch sterben lassen:
Auff daß den Witwen wider nun
Zufreyen macht würd geben
Welchs sie nicht hetten durffen thun
Bey ihrer Männer leben.
Auch hats müssen darumb geschehn
Daß Naemi begehren
Möcht nach dem Todt der beiden Söhn
Vnd ihres Lieben Herren
Wid'rum zu ziehn in jhrem Land
Zu ihren Bluts-verwanten
Da sie mehr Hülff Trost und Beystandt
Bey Freunden und Bekanten
Kont haben denn im Land Moab
Vnter den frembden Leuten.
Der Herr stärckt den Fürsatz und gab
Drumb eben zu den zeiten
In Israel widrumb das Brot
Vnd Nahrung zu gewinnen
Naemi must in ihrer Noth
Auch solches werden innen
Auff daß sie wie zuvor gehort
Nach ihrem wunsch und willen
Möcht widerkommn an ihren Ort
Ihr Hertzleit da zu stillen:
Weil bey den Freunden jederzeit
Viel besser ist zu leben
Einer Witwen insonderheit
Denn in der Frembd zu schweben.
Arpa und Ruth hattn anfänglich
Auch Willn von Gott bekommen
Auß Moab zu begeben sich
Vnd ihnen fürgenommen
Von Naemi zu scheiden nicht.
Doch Arpa wird abwendig
Ihrn weg widrumb gen Moab richt:
Ruth aber bleibt bestendig
Will sich von ihr nichts ohn allein.
Durch den Todt scheiden lassen:
Naemi Gott soll ihr Gott seyn
Sie zeucht mit ihr die strassen.
Diß schickte also Gott der Herr
Vnd regiert ihren willen
Damit Naemi leiden schwer
Etlicher maß zu stillen:
Auch daß dadurch würd offenbar
Die ware furcht des Herren
Mit welcher Ruth erfüllet war
Vnd sie durch die in ehren
Beym Boas würd so hoch geacht
Daß er sie ihm ließ trawen
Vnd leichtlich ihr die Ehe zusagt
Vnd sie ihm macht zur Frawen.
Daß aber solches alles möcht
Dest' eh zur endschafft kommen;
So hat es Gott also gericht
Daß wie jhr habt vernommen
Naemi eben zu der zeit
Mit Ruth kam zu den ihren
Da reiff im feld war das getreid
Vnd sie beid mangel spühren
An leibes nahrung: drumb ging Ruth
Die ähern auff zu lesen
Den Acker sie antreffen thut
Da Boas Volck gewesen.
Diß ist geschehn alls ohngefehr
Nemblich ohn ihr verhoffen;
Doch hats also regiert der Herr
Das sies so hat getroffen.
Der Oberst Knecht viel von ihr helt
Vnd ihr viel guts erzeiget;
Dem Boas ihren fleiß vermeldt
Macht sein hertz ihr geneiget;
Erzehlt weitleufftig ihm dabey
Wie er es hat vernommen
Daß sie die Moabitin sey
Die mit Naemi kommen:
Denn daß Naemi kommen war
Auß dem Land Moab wider
Vnd Ruth mit ihr war schon ruchtbar
In der Stadt auff und nieder.
Auff daß nun Boas diß erführ
Vnd sie bekäm zu sehen
Auch selbst würde bekant mit jhr
Must diß also geschehen.
Boas kompt auch zu rechter zeit
Hinauß im Feldt und siehet
Vnter dem Volck in der arbeit
Wie sich die Ruth bemühet.
Da er vom Knecht auff seine frag
Bericht von jhr empfangen
Sah auch ihrn fleiß am selben tag
Bekam er ein verlangen
Mit jhr zu redn ging zu ihr und
Sprach sie an in der güte
Macht ihr den guten willen kunt
So er hatt im gemute.
Ruth frewt sich seiner freundligkeit
Vnd daß sie gunst bekommen;
Naemi sich mit jhr erfrewt
Da sie es hatt vernommen
Nunt daher ursach und anlaß
Ruth diesen rath zu geben;
Daß sie den Heyrath mit Boas
Solt suchn und darnach streben:
Hat auch die Ruth bewegt dahin
Daß sie gab jhren willen
Nach der Naemi rath und Sinn
Den anschlag zu erfüllen.
Demnach begehrt sie von Boas
Daß er sie nehmen wolte
Zur Eh und sagt daneben daß
Er solches billig solte
Vermög des Gebots so der Herr
Von diesem Heyrath geben;
Drumb er wie ander schüldig wer
Demselben nach zu leben.
Den guten rath nimt Boas an
Vnd ist in allem willig;
Thut auch alß ein ehrlicher Mann
Alßbald dazu was billig:
Bekümbt dadurch in seine hand
Wie das Sein zu bebawen
Der Naemi verkaufftes Land
Vnd nimt ihm Ruth zur Frawen;
Die durch Gotts segen schwanger wird
Vnd wie im Text wir lesen
Ihm seinen Sohn Obed gebiert
Des Sohns David g'wesen;
Auß welches stammen Jesus Christ
Durch den wir selig werden
Ein warer Mensch gebohren ist
(Vns alln zu trost) auf Erden.
Diß ist also die erste Lehr
Darauß wir sollen mercken:
Wie wunderbar regier der Herr
In allen seinen wercken.
Sein Nahm und That ist wunderbahr
Vnmöglich zu ergründen
Täglich erfahrung zeigt es klar
Diß Büchlein thuts verkünden.
Niemand ist der außreden kan
Die grossen werck des Herren
Wer ihrer acht hat lust daran
Thut David uns erkleren.
Gott führt die seinen wunderlich
Regiert jhr thun und lassen
Deß soll ein jeder frewen sich
Es wol zu hertzen fassen.
Denn wer wolt sich erfrewen nicht
Der augenscheinlich spühret
Daß Gott der Menschen Händel richt
Vnd ihm zum lob außführet
Ihr wort und werck ihr gehn und stehn
Vnd was man sonst mag nennen?
Hat ers doch alles vor ersehn
Thut alle hertzen kennen:
Hat aller Menschen tag gezelt
Eh jemand ward geboren;
Vnd auch die seinen vor der Welt
In Christo außerkoren:
Thut sie auch noch all stund und tag
So Väterlich bewahren
Daß ihnen ohn sein willen mag
Kein unglück widerfahren
Die haar ihrs hauptes sind gezehlt
Daß der keins auff die Erden
Ohn den willen des Herren felt
Oder gekrummt mag werden.
Der diß betracht zum offtermal
Wird sich erfrewen dessen
In elend armut und trübsal
All's trawren bald vergessen.
Dieweil Gottes fürsichtigkeit
All schmertzen überwindet;
Besser artzney in noth und leit
Als die man nirgend findet:
Denn was solt einen trösten mehr
In traurigkeit und schmertzen
In creutz kranckheit und leiden schwer
Alß glauben diß von hertzen?
Daß alles was uns widerfehrt
Von Gott sey ordiniret
Vnd werd auch wie die Schrifft uns lehrt
Zum guten dirigiret?
Drumb diese Lehr euch nützlich macht
Die euch zum trost beschrieben
Das Paulus sagt nemt wol in acht
Thut in der Schrifft euch üben
Des Herren werck euch stets erfrewt
Vnd macht sie euch nicht bitter
Ewr Seligkeit zu ieder zeit
Wircket mit forcht und zitter.
Bleibt in ewerm beruff und stand
Vnd ernehret euch ehrlich;
Kompt euch creutz und armut zur hand
Vnd wird es euch beschwerlich;
Sterben die liebsten Freunde hin
Seyt gedültig im leiden
Setzt vest auff Gott hertz muth und sinn
Trawret nicht wie die Heiden:
Denn reichthumb armut glück und fall
Der Todt und auch das leben
Kompt uns von Gott her allzumal
Er nimt kan wider geben.
Vnser fleiß thut es warlich nicht
Wenn wir den segen haben
Gott gibt üb'r unser zuversicht
Reichthumb und seine gaben.
Es helffet nicht das früh auffstehn
Drumb trawren oder weinen
Oder auch spath zu bette gehn
Gott gibts im schlaff den seinen.
Wem Gott wol will dem schad kein neit
Vnd hindern keine Feinde
Wenn Er nicht gibt hilfft kein arbeit
Hett man auch tausent Freunde.
Das best in allen dingen ist
Befehlen Gott die sachen;
In hoffnung daß zu rechter frist
Er alles wol werd machen.
Wer ist von Gott verlassen doch
Der ihm nur hat vertrawet?
Keiner wird hülffloß bleiben noch
Der nur vest auff ihn bawet:
Dran sollen gar nicht zweiflen wir
Die Exempel der Alten
Stellet die Schrifft zum trost uns für
Dran sollen wir uns halten.
Von Gott ist alles gut gemeint
Was uns hie widerfähret
Ob es schon noch so übel scheint
Solches die Schrifft uns lehret:
Drumb haltet Gott in allem still
Befehlt jhm ewer sachen;
Denn das ist seyn befehl und will
Er gibt nach trauren lachen
Vnd helffet zu erwünschter zeit
Allen die jhm vertrawen:
Gleich wie er hat errett auß leit
Die vorgemelte Frawen
Vnd jhr trübnüß in freud verkehrt
So will er auch vertreiben
Alls ubel so uns wiederfährt
Wenn wir in g'dult nur bleiben.
Alles soll zu seins Namens Ehr
Vnd uns zum besten kommen
Betrachtet fleissig diese Lehr
Sie ist tröstlich den frommen.
Wol allen die dran halten sich
Vnd damit sich erquicken
In g'dult und hoffnung stets frölich
Fein in der zeit sich schicken:
Wie der Apostel Paulus spricht
Ihr hoffnung wird nicht feilen
Der Herr wird sie verlassen nicht
Ob sichs schon thut verweilen.
Harrt nur des Herrn er ist nicht fern
Sein Ohren stehn euch offen
Er ist bereit und helffet gern
Allen die auff jhn hoffen.
Die ander Haubt-lehr hierin ist
So man soll mercken eben:
Wie sich ein jeder rechter Christ
Verhalten soll im leben:
Nemlich Gottförchtig Fromb Erbar
Züchtig in wort und wercken;
Vnd freundlich gleich wie Boas war
Diß woll' ein jeder mercken
Sich üben in Gottseeligkeit
Vnd in Christlicher liebe;
Arme und hochbetrübte Leut
Er ja nicht mehr betrübe;
Sondern nem' sich derselben an
Vnd helff ihr wolfart bawen;
Gleich wie der Boas hat gethan
Diesen betrübten Frawen
Die trostlos warn in ihrer noth
Vnd hatten keine güter
Denselben schafft er täglich brodt
Vnd erquickt ihr gemüter.
Seinem Exempel nach ein Christ
Sich billig auch soll halten
Alßdann für Gott er selig ist
Vnd wird in ehren alten.
Der sich des Nechsten noth annimmt
Vnd helffet gern den Armen
Segen vom Herrn wid'rumb bekömbt
Gott will sich des erbarmen
Erretten jhn zur bösen zeit
Beym leben jhn bewahren
Daß jhm in nöthen und kranckheit
Kein leid soll widerfahren.
Es wird jhm wol und glücklich gehn
Sein g'dechtnüß bleib im segen;
Der Herr wird jhm zur seiten stehn
Auff allen seinen wegen
Wird geben ihm glück und gewinn
Nach seinem wunsch und willen
All sein Anschläg nach seinem sinn
Außführen und erfüllen.
O wol dem! sag ich noch einmal
Der sich freundtlich erzeiget
Den armen leuten in trübsal
Vnd ihnen ist geneiget
Helfft wo er kan mit rath und that
Gibt wenn er hat zu geben;
Solches der Herr befohlen hat
Verheist auch lohn daneben
Hie zeitlich und hernach wird er
Für allen außerwehlten
Solch lieb und gutthat preisen sehr
Vnd ewiglich vergelten.
Die Lieb ist des gesetzes end
Drinn üben sich die Frommen:
Der Glaub wird durch die Lieb erkennt
Ohn sie ist nichts vollkommen:
Ja das band der vollkommenheit
Thut sie Sanct Paulus nennen
Daß jhr Kinder des Höchsten seyt
Ist dabey zu erkennen.
Drumb strebet nach der Lieb allzeit
Werd't reich an guten wercken
Last ew'r wolthat und gutigkeit
Ein'm jeden sehn und mercken;
Seyt freundtlich fromm sanfft und gelind
Sonderlich gegn die armen
Die notturfftig und hülffloß sind;
Zieht an hertzlichs erbarmen.
Ihrs elends nemt euch also an
Alß wenn es wer' ewr eigen;
Gott der Herr wird mit gnad alß dann
Euch wider hülff erzeigen
Gedey geben in ruh und still
Eur Kinder gleicher massen
Wird er segnen reichlich mit füll
Vmbsonst nicht suchen lassen.
So aber Gott nach seinem rath
Euch ließ in armut kommen
Zweiffelt gar nicht an seiner gnad
Es dient zu ewerm frommen.
Wol zu thun vergest darumb nicht
Last es euch nicht gerewen
Habt ihr wenig Tobias spricht
So gebt es doch mit trewen;
Es wird reichlich bezahlt hernach
Ewr glück wird wider wachen;
Dem Herrn ist es ein leichte sach
Die armen reich zu machen.
Daß die Welt dem zuwider sagt
Lasset euch nicht turbiren
Der Gottloß nur dem geld nachjagt
Thut dem Mammon hoffiren;
Er sicht nicht an des armen noth
Hört nicht nach seinem schreyen
Wenn er ihm helffen könt vom todt
Mit geben oder leihen
Thut doch nicht gern der geitzig das
Er meynt es sey verlohren:
Solchs dich o Christ nicht irren laß
Der du auß Gott geboren.
Hang dein hertz an kein zeitlich gut
Es muß endtlich verschwinden
Vnd wenn der Mensch absterben thut
Lest ers dahinden
Nichts davon bleibt ihm denn allein
Was er den armen leuten
Hat geben das wird fruchtbar seyn
In den zukunfftig'n zeiten.
Das du hie gibst wirst finden dort
Bey Gott im andern leben
Vberflüssig nach Christi Wort
Wird man dir widergeben
Heltstu nun diese wort für war
Vnd trawst Christo dem Herren
So mach den Glauben offenbar
Vnd gib zu seinen ehren.
Trawt man doch wol eins Menschen Kindt
Da doch all Menschen liegen
Alß David sagt und man befindt
Wie sie gar offt betriegen:
Dennoch gibt man sein gelt dahinn
Daß mans wider bekommen
Mög und einsamlen mit gewinn
Zu mehren seine Summen.
Solt man denn nun nicht billig mehr
Den worten Jesu trawen
Vnd folgen seiner guten Lehr?
Ist doch auff jhn gut bawen;
Man findet bey ihm kein betrug
Er helt vest sein zusagen;
Zu b'zalen hat er auch genug
Vb'r ihn kan niemand klagen.
Wer nun begehrt zu haben g'winn
Für sich und seine erben
Der leg sein gelt an den orth hin
Da ihm nichts kan verderben.
Sein tranck und speiß so er mit fleiß
Auch begehrt zu bewahren
Kan er behalten gleicher weiß
Wolschmeckend auff viel Jaren.
Merck wol das Herr Spinæus spricht:
Die allerbesten Schläuche
Drinn speiß und tranck verdirbet nicht
Sind armer leute Bäuche.
Was man in solche töpffen thut
Das kan man lang behalten
Auff kindes kind bleibt frisch und gut
Mag nimmermehr veralten.
Darumb beweiß hülff in der noth
Den elenden und armen
Vnd Brich Dem Hungrigen Dein Brot
Auß hertzlichem erbarmen:
Von deinem fleisch dich nicht entzeuch
Dem nackenden gib Kleider:
Bess'r ist wolthätig seyn denn Reich
Das glauben wenig leider.
In dein hauß den elenden führ
Vnd den der schwach ist stärcke;
Laß niemand trostlos von der thür
Doch wol daneben mercke:
So diß auß liebe nicht geschicht
Nutzen dir nicht die gaben:
Nach dem hertzen Gott sicht und richt
Will die lieb allein haben.
Gebstu all deine güter hinn
Vnd hettest nicht die liebe
So brächt es dir doch kein gewinn
Drumb in der lieb dich übe.
Folgestu hirinn meinem Rath
Vnd machst dich loß von sünden
Durch gerechtigkeit und wolthat
So wirstu gnade finden
Vnd zu der zeit barmhertzigkeit
Vom lieben Gott erlangen
Wenn du in noth und Hertzen leidt
Begehrst hülff zu empfangen.
Dein gebet wird nicht seyn umbsonst
Dein schreyen nicht verlohren
So du erzeigst dem armen gunst
Vnd neigst zu ihm dein ohren.
Hüt aber dich für heucheley
Gott lest nicht mit ihm schertzen;
Wiltu guts thun so thu es frey
Vnd auß gutwillig'm hertzen.
Bistu ein Christ so weiß ich gwiß
Man darff dirs nicht fürschreiben
Dein hertz wird dir wol sagen diß
Vnd dich zum guten treiben
Denn womit man Gott dienen soll
Vnd seinen Nahmen ehren
Wissen die ware Christen wol
Die Gottes lob vermehren.
Ja es bringt den Christhertzen frewd
Mit gutthun Gott zu preisen
Vnd die werck der barmhertzigkeit
Den Nechsten zu beweisen.
Sie könnens unterlassen nicht
Wenn man sie schon wolt zwingen
Ist doch ihr hertz dahin gericht
Sie müssen guts vollbringen.
Vnd da es heimlich kan geschehn
Halten sies gern verschwiegen;
Auff Gottes willn allein sie sehn
Lassen daran sich gnügen.
O weren heut viel solcher leut!
So hett der Arm gut leben
Aber wenig zu dieser zeit
Findt man die willig geben
Da doch jeder solt fleissig seyn
Sich in der Lieb zu üben;
Denn das gantz gesetz steht allein
In dem wort: Du solt lieben
Von gantzem hertzem Gott den Herrn
Von g'müth und allein kräfften:
Vnd deinem Nechsten dienen gern
Mit worten und geschäfften;
Ihn lieben alß dein eigen hertz.
O möcht diß seyn bey allen!
So wer kein list betrug noch schmertz
Das würd Gott wolgefallen.
Aber leider Gott seys geklagt
Die Lieb ist gar vertrieben;
Hertzlichs erbarmen ist verjagt
Vnfreundtligkeit geblieben
Deucalion und Pirra beid
Haben viel Steinen Hertzen
Gelassen nach zu dieser zeit
Daher kömpt so viel schmertzen.
Boas ist aber längst dahinn
Gestorben mit den seinen
Ihm gleich an gemüth hertz und sinn
Findt man itzt schwerlich einen.
Das Hertz ist kalt bey Jung und Alt
Die Christlich Lieb erfroren;
Man klagt und sagt diß mannigfalt
Ist aber alls verlohren.
Die Reichen Leut mit Vbermuth
In jhren Gütern sitzen
Fragen nicht was der Arme thut
Der den Angstschweiß muß schwitzen.
Ach ihr Reichen bedencket heut
Lernet bey zeit verstehen
Wie schwer es sey daß Reiche Leut
Ins Reich der Himmel gehen.
Alß Christus unser Heiland spricht:
Ach ach ihr arme Reichen
Verstockt doch ewer Hertzen nicht
Last es euch doch erweichen.
Zuviel nicht auff das Zeitlich seht
Mittheilet solche gaben
Suchet den Schatz der nicht vergeht
Da die Dieb nicht nach graben
Heut weil er noch zu finden ist
Durch Gott last euch doch sagen
Sonst jhrs gewißlich ewig müst
Mit ach und weh beklagen.
Wie wolt jhr alßdenn doch bestehn
Für Christo unserm Herren
Wenn jhr die Armen werdet sehn
Bey ihm in grossen ehren
Die euch hart werden klagen an?
Wie wolt jhr antwort geben
Wenn gesagt wird daß ihr gethan
Kein guts in ewerm Leben?
Wen der Herr wird verstossen euch
Wie wolt ihrs doch denn machen?
Bedenckt wie in des Satans Reich
So tewr wird seyn das Lachen
Da jhr von Gottes Angesicht
Ewig must seyn gescheiden.
O Gottes Zorn! O streng Gericht!
O unerträglichs leiden!
Ein lange zeit Ist Ewigkeit
O ihr Mammons Gesellen!
Stetwehrend pein Ohn end wird seyn
Beym Teuffel in der Hellen;
Da Gottes Gnad Ein ende hat.
Bedenckt diß ihr Geltgecken
Vnd last die Welt Mit ihrem gelt
Euch nicht mehr so wol schmecken:
Setzet den muth Auffs beste gut
Das ewig bleibt bestendig.
All's ander man Euch nemen kan
Vnd wird sonst leicht abwendig.
Bessert doch heut Ihr geitzign Leut
Ewr Leben weil ihr lebet.
Ewr geitzen last Das zeitlich hasst
Die Seel umb gelt nicht gebet.
Kein Mensch euch kan Erretten dann
Wann die Seel ist verlohren
Vnd ihr hernach Schreyt weh und ach
Wer ich doch nie geboren.
Seht ein solch lohn Gibt der Mammon
Was wolt ihr ihm denn trawen?
Ist doch reichthum Ein schat und blum
Habt vielmehr dafür grawen.
Reichthum und gelt Den stich nicht helt
Hilfft keinem vom verderben;
Wenn man muß fort Von diesem orth
Nimt man nichts mit im sterben;
Das zeitlich hie So man mit müh
Erworben muß verschwinden
Fleucht hin wie staub Felt ab wie laub
Man lest es alles hinden.