Caroline an Gleim, an seinem GeburtstageFußnoten
Written 1777-01-01 - 1777-01-01
Dem Dichter, der ein süßes Lied
Voll hoher Weisheit mir gesungen:
„Wie schön das zarte Veilchen blüht;
Wie bald es welkt, und wie, verschlungen
Vom Boden, welcher es gezeugt,
Es keine Sonne grüßt, sich keinem Zephyr neigt;
Wie dann zu lichtern Dämmerungen
Der Geist der Blume durchgedrungen,
Im Schöpfers-Angesichte schwebt,
Sich höher, immer höher hebt,
Und zwischen Engeln einst im Paradiese lebt“;
Dem Dichter, dessen holde Klage,
Durch Hoffnung großer Seligkeit,
Mich so zum bangen Sterbetage
Der besten Mutter eingeweiht;
Dem will ich, voll von zärtlichem Entzücken,
Die Erstlinge des Frühlings pflücken,
Und singend ihm sein Fest mit jungen Veilchen schmücken.