Caroline an Gleim, an seinem GeburtstageFußnoten

By Johann Georg Jacobi

Written 1777-01-01 - 1777-01-01

Dem Dichter, der ein süßes Lied

Voll hoher Weisheit mir gesungen:

„Wie schön das zarte Veilchen blüht;

Wie bald es welkt, und wie, verschlungen

Vom Boden, welcher es gezeugt,

Es keine Sonne grüßt, sich keinem Zephyr neigt;

Wie dann zu lichtern Dämmerungen

Der Geist der Blume durchgedrungen,

Im Schöpfers-Angesichte schwebt,

Sich höher, immer höher hebt,

Und zwischen Engeln einst im Paradiese lebt“;

Dem Dichter, dessen holde Klage,

Durch Hoffnung großer Seligkeit,

Mich so zum bangen Sterbetage

Der besten Mutter eingeweiht;

Dem will ich, voll von zärtlichem Entzücken,

Die Erstlinge des Frühlings pflücken,

Und singend ihm sein Fest mit jungen Veilchen schmücken.