Casparus Schvvenckfeldius est Sanctus ChristianusFußnoten
Written 1617-01-01 - 1617-01-01
Caspar Schwenckfeld Ein Seeliger Christ
Vnd Zeug der reinen Warheit ist
Sein gedechtnüß bleibt jederfrist
Wird nicht gedempfft durch Satans list.
Der Frommen Lob breittet auß mit reden und schreiben
Der Gerechten gedechtnüß wird im Segen bleiben,
Kein Teuffel oder böser Mensch wird sie vertreiben.
Caspar Schvvenckfeld von Ossing ist
Der Warheit zeug, ein Frommer Christ;
Hat Gottes Wort bey seiner zeit
Durch red und schreiben außgebreitt
Vnd umb deßwillen viel gelitten
Weil Satan wieder ihn gestritten
Vnd seine Hund' an ihn gehetzt
Die ihm starck haben zugesetzt
Vnd hätten ihn zerrissen gern:
Aber er war im schutz des Herrn
Sie musten ihn passieren lassen
Frey unbeschädigt seine strassen.
Er hat gelebet Gott zum preiß
Vnd ruhet itzt im Paradeys:
Sein Bücher gehn Satan zum trotz
Durch Stät und Land sind vielen nütz
Auch kommen Gott sey lob zu mir
Viel gutes ich darinnen spühr
Des waren Wortes Eigenschafft
Sein lebendige würcklich krafft
Sein wesen her von Ewigkeit
Wird uns hirin klar angedeut.
Auch vom Buchstab der Heilig'n Schrifft
Was sein Würckung und art betrifft
Vnd daß er nur sey ein Figur
Des Waren Worts contra-factur
So für den eussern Menschen ist;
Aber Gottes Wort Jesus Christ
Ist Geist und Leben redt inwendig
Machet allein das hertz verständig
Endert der Menschen sinn und muth
Reicht weiter dann der Buchstab thut.
Das Eußer nur die Ohren rührt
Das Inner wort zum Geist einführt;
Bringt mit ihm lebens krafft und safft
Ohn diß das Eußer weinig schafft
Drumb soll man nach dem Innern trachten
Das Eußer aber nicht verachten;
Sondern zum zeugnuß nemen an
Weil es uns dazu dienen kan
Vnd ist darumb gebracht ans Liecht
Daß es uns sey zum unterricht
Vns tröst lehr und vermahn mit fleiß
Zuführ und auff das Inner weiß:
Kan sonst nichts mehr ist viel zu schlecht;
Der Geist ist Herr der Buchstab knecht.
So ich des Worts krafft soll geniessen
Muß der Herr selbst mein hertz auffschliessen.
Gleich wie der Purpur Krämerinnen
Alß wir in Actis lesen künnen.
Vmbsonst ist was man hört und list
So nicht das Wort inwendig ist.
Paulus pflantzt Apollo begeust
Vom Herren das gedeyen fleust,
Das inner kan sein wirckung haben
Ohn eußer mittel und Buchstaben:
Aber ohn krafft des innern liechts
Wircken die eußern mittel nichts.
So uns soll nutz seyn hörn und lesen
Muß wircken diß das ware wesen.
Das Wort das uns die Schrifft erklert
Die Salbung die uns alles lehrt
Ist die warheit die niemand treugt
Ein Mund ohn falschheit der nicht leugt
Der Schlüssel Davids der auffschleust
Der Brunn darauß die Weißheit fleust
Ein Liecht so das hertz illustrirt;
Der Weg so uns zum Vater führt.
Im Anfang war dieß Lebens Wort
War bey Gott war Gott bleibt hinfort
Bey Gott und Gott in Ewigkeit.
Vnd diß Wort ward Fleisch in der zeit
Ist zu uns in die Welt gekommen
Ward von der Welt nicht angenommen:
In der finsternuß scheint diß liecht
Die finsternuß begreifft es nicht.
Druch diß Wort ist die Welt gemacht
Vnd was man sicht ans liecht gebracht:
All' wachsende ding kommen fort
Noch täglich durch diß kräfftig Wort.
Diß Wort ist der Balsam in allen
In Thieren Kräutern und Metallen.
Alles wird durch diß Wort bewegt
In diesem Wort sich alles regt.
O blinder Menschen unverstandt
Möcht euch diß Wort seyn recht bekant!
Ihr würdet ander sachen spühren
Vnd viel ein bessers leben führen
Aber wer ist der darnach fraget?
Man schreyt und schreibt man singt und saget
Ist alles umbsonst und verlohren
Verstockt und verstopfft sind die ohren.
Das mach't der böse will allein
Keiner begehrt recht weiß zu seyn;
Jedermann meynet er sey klug
Der Buchstab geb' ihm liechts genug.
Kompt einer her und sagt vom Geist
Der wird sehr übel abgeweist
Vnd alß ein Ketzer hart verklaget
Incarcerirt oder verjaget
Genant Schwenckfelder und Phantast
Rosencreutzer Enthusiast
Chiliast Weigelianist
Davidianer Neutralist.
Welche nicht mit dem grösten hauffen
Den breiten Welt-weg wollen lauffen:
Sondern nach Christi Lehr sich halten
Die sind verhasst bey Jung'n und Alten.
Ja, alle die den innern grund
Mit hand und mund recht machen kund
Vnd vom Geist sagen oder schreiben
Können nirgend mit frieden bleiben.
Der Dreyköpffige Hund der Hellen
Kan's lassen nicht muß sie anbellen:
Ihr keiner vom Geist hören will.
Wilt haben fried schweig davon still;
Das inner wort redt viel zu hart
Wieder des alten Adams art.
Es ist dem fleisch ein schweres Creutz
Keiner von den Welt-kindern leidts
Weil sie zu weit sind außgefallen;
Der alte Wahn ist starck in allen.
Die breite Bahn ist leicht zu lauffen
Man helt es mit dem grösten hauffen.
Welt gunst und freundtschafft hindert viel
Daß man nicht kompt zum rechten Ziel.
Der Gelerten Authorität
Vielen frommen im liecht auch steht
Daß sie nicht wieder kehren ein
Zu dem darauß sie kommen seyn.
Der Ketzer Name manchen schreckt
Daß er den kern der Schrifft nicht schmeckt.
Keiner will sich gern schelten lassen
Vnd sehn daß ihn die Freunde hassen.
Man liebet mehr Welt-freund' und Ehr
Alß Gottes Wort und reine Lehr.
Darumb bleiben auch viel dahinden
Werden die Weißheit nimmer finden.
Aber all' die sich hertzlich gern
Woll'n lassen lehrn vom Geist des Herrn
Vnd nach dem schatz im Acker trachten
Welt-kunst gunst und freundtschafft verachten
Schmach schelt- und Läster-wort vertragen
Nach Ehr und Ansehn nicht mehr fragen
Die Welt und alle ding verlassen
Ja, auch ihr eigen leben hassen
Die sind durch Gottes gnad geschmückt
Würdig gemacht und wolgeschickt
Im innern Tempel einzugehn
Des Herren Herrlicheit zusehn.
O Wesen das all' ding beweg't
In dem sich alles Wesen reg't
O inner Kern O Morgenstern
O glantz der Herrlicheit des Herrn
O sprechendes Wort Gottes Sohn
Sende herab von deinem Trohn
Deine Weißheit zu lehren mich
O Gott von Gott, erbarme dich.
O Liecht von Liecht brich doch herein
Vnd meiner Seelen grund beschein:
Mach auff das thor meins Hertzen weit
Zeuch ein laß sehn dein Herrlicheit.
O du mein Leben, Lieb und Liecht
Komb doch erleucht mein angesicht:
Laß mich nicht mehr im finstern gehn
Weil meine augen auff dich sehn
Wie auff die händ der Herrn und Frawen
Der Knecht und Mägde augen schawen.
Vertreib die finsternuß inwändig
Vnd mache mich doch recht verständig:
Mein unverstand ist dir bekant
Helff mir davon sonst kan niemand.
Kom Herz besuch dein eigen hauß
Die Tauben-krämer treib darauß
Stoß umb die bänck der Wechseler
Daß sie darin nicht handlen mehr;
Dir geb ichs gantz befehl dirs gar
Mach doch dein werck drinn offenbar
Nach deinem guten wolgefallen;
Der du alles regierst in allen
Schick alles zu deins Namens Ehr
Diß und nichts mehr begehr ich Herr
Dein Reich zukomb dein Herrlichkeit
Werd allenthalben außgebreitt
Dein Nahm sey Hochgebenedeyt
Heut und auch Ewig nach der zeit.
HErr Iesu Komb Laß Doch Scheinen
Deines Liechts Klarheit Im Hertzen.
Gib wiederumb nach dem weinen
Trost und Underung in schmertzen.