Celadons abschied und seiner schäferin weh klage. † † †

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Eleonora die betrübte

Gieng in dem grünen auf und ab

Als ihr der schäffer der geliebte

Den letzten kuß mit thränen gab.

Ach! sprach sie daß ich ietzt muß leben

Und meinem schäffer abschied geben.

Sie rung die liljen-weisse hände

Sie schrie mit lauter weh und ach!

Ach ich! ach ich! ach ich elende!

Ich bin für meine noth zu schwach!

Mein Celadon will von mir scheiden

Der mit mir pflag allhier zu weiden.

Sie schrie und sanck vor ohnmacht nieder

Red’ und bewegung starb in ihr.

Der athem fand sich endlich wieder;

Doch blieb die wehmuth für und für:

Sie schrie; doch sah man von der auen

Sie gantz erstarrt gen himmel schauen.

Die schäflein selbst die sah man klagen

Und traurig in dem grase gehn.

Klagt sprach sie denn in wenig tagen

Wird man nicht mehr mich weiden sehn.

Nehmt diesen crantz und diese myrthen

Und sucht euch einen andern hirten.

Der schäffer lieff sie auffzurichten

Sie schloß sich ihm um hals und mund;

Zeugt ihr sprach sie ihr nahen fichten

Was euch von meinen schmertzen kund.

So offt es nur beginnt zu tagen

Hört ihr Eleonoren klagen.

Mein Celadon du machst die schmertzen

Fieng sie zu ihrem schäfer an:

Du bist ein theil von meinem hertzen

So ich auch nimmer missen kan.

Du aber wilst ietzt von mir ziehen

Und die verliebte hürden fliehen.

Die schlancken arme wurden müde

Und Celadon von selben frey;

Wie klagst du sprach er zum abschiede;

Bin ich doch auch abwesend treu.

Ich schwere dir bey meiner heerde

Daß ich bich ewig lieben werde.

Sie küsten sich und weinten beyde.

Der schäfer fieng an fort zu gehn.

Sie lief ihm nach die gantze heyde

Um Celadon noch eins zu sehn

Woselbst sie mit gebrochner zungen

Jhm ferner also nachgesungen;

Zeuch hin GOtt sey dein gut geleite

Es kommt mir nun nicht mehr die zeit

Daß ich den frühling um dich spreite.

Zeuch hin o meine liebligkeit!

Zeuch hin und dencke deiner lieben

Die sich um deine trifft betrüben.

Zeuch hin zeuch! darauff schwieg sie stille

Die thränen flossen in die schooß

Die wiesen stunden sonder fülle

Die grünen wälder wurden bloß;

Sie aber ist mit blassen wangen

Bey dunckler nacht nach hause gangen.