Celadons klage-brief an Lenoren als er wider willen ihre Conversa- tion eine zei...
Lenore dieses ist das allererste schreiben
Das dir vollkommnes kind dein treuer diener schickt
Seit dem er muß entfernt von deinem antlitz bleiben
Und umb und neben sich nichts als verdrus erblickt.
Ach glaube wo du kanst die sinnen auf mich lencken
Und wo mein nahmen noch in deinen ohren klingt
Daß nichts als herbes leid und tausendfaches kräncken
In mein gequältes hertz mit vollem hauffen dringt.
Ich stehe gantz betrübt die augen voller thränen
Das hertze bebet mir in der beklämmten brust
Die freude wandelt sich in ungemeines sehnen
Ich schmecke gall und gifft statt der gehossten lust.
Ach ärmster sag’ ich oft wo bistu hingerathen
Wie wird es weiterhin um deine sachen stehn?
Denn das verhängnis sucht (o unerhörte thaten!)
Mit dir verstossenem recht grausam umzugehn.
Ach schwacher magstu wol dem himmel widerstreben
Der donnerwetter läßt zu deiner quaal aufziehn?
Wer kan mich aus der angst aus diesem kummer heben?
Ach weh mir daß ich ietzt so gar verlassen bin?
Diß sind galantes kind die traurigen gedancken
Mit denen sich mein geist fast unaufhörlich plagt;
Doch darff ich gleichwol nicht mit meinem unstern zancken
Es wird mir aller trost von selbigem versagt.
Gedenck’ ich nun zurück’ an diß was schon vergangen
Und sehe meinen stand mit nassen augen an
So werd’ ich glaub es nur mit todes- furcht umfangen
Weil niemand meinen schmertz vollkommen lindern kan.
Allein was müh’ ich mich dir dieses zu entdecken?
Die worte stillen doch die vielen plagen nicht
Und dieses schlechte blat wird dich vielleicht erschrecken
Indem es sonst von nichts als meinen seuffzern spricht.
Ach schönste solt’ ich nur vor deinen knien liegen
Und mein gebeugter fus in deinem zimmer stehn
So würde deine gunst mein elend bald besiegen
Und die verdrießligkeit wie schnee und eiß vergehn.
Ein angenehmer blick würd’ alle pein versüssen
Die mich bey solchem weh matt und entkräfftet macht
Und also würd’ ich denn vor dir gestehen müssen
Daß die vertrauligkeit mich zur genesung bracht.
Ach! aber was sind das vor ungereimte grillen
Ach arm er Celadon was bildestu dir ein?
Niemand wird dir den wunsch den du begehrst erfüllen
Und deine schöne selbst wil unempfindlich seyn.
Diß bläst die einsamkeit mir täglich in die ohren
Und häuffet also stets den übergrossen schmertz
Es fehlt ein weniges so bin ich gantz verlohren
Ja die verzweiffelung bestürmet seel und hertz.
Ach schönste wilstu nun die herbe pein vermindern
So gib mir zu verstehn daß du genädig seyst
Dein auge mund und hand kan alle plagen lindern
Ich lebe wo du mich mit diesem Ambra speist.
Wo nicht so werd’ ich zwar in heisser angst verderben
Und das verhängnis raubt den seufzern ihren lohn
Doch bleib’ ich muß ich gleich gantz ohn verbrechen sterben
Auch in dem tode selbst dein treuer Celadon.