Chansonnette.

By Martin Opitz

Mit Liebes Brunst behafftet sein

Ist warlich eine schwere Pein

Es ist kein Schmertz auff dieser Erdt

Der recht mit jhm verglichen werdt:

Drumb will ich mich gantz embsiglich

Von dem Leyden allzeitscheiden

Vnd die süsse Gifft vermeiden.

Auff daß nun nicht die schnöde Brunst

Mich lasse zu jhr tragen Gunst

Soll Venus mich nicht treffen an

Auff jergendt einer Liebes Bahn

Der Tugendt Weg ist ein schön Steg

Darauff eben ich will schweben

Vnd jhr gantz verpflichtet leben

Recht vnd gar wol auch Pallas blieb

Allzeit befreyet von der Lieb

Sie gab dem Fewer niemals raum

Vnd hielte sich in stätem Zaum

Auff grüner Heyd sie allezeit

Mit dem Hetzen sich thet letzen

Vnd frey aller Sorg ergetzen.

Ich will ins künfftig fleissig auch

Nachfolgen dieser Göttin Brauch

Denn Venus ist die gröste Last

Cupido ist ein schädlich Gast.

Wen er einmal nur bringt zu fall

Muß verderben offt auch sterben

Vnd für Frewden schmertz ererben

Also belohnt er alle doch

Die sich ergeben seinem Joch

Vnd diß bedenck ich offt vnd viel

Es mag lieb haben wer da will

Ich bleibe mein allzeit allein

Offt nach schertzen kommen schmertzen

Wohl dem der das thut behertzen.