Christel und Hannchen.

By Ludwig Christoph Heinrich Hölty

Und das Gold der sinkenden Sonn' umbebte die Aehren

Und die ragenden Garben, als Schnitter Christel

sein Hannchen

Rief zum duftenden Busch, wo tausend ländliche

Grillen

Liebe zirpten und Ruh. Sie waren beide verlobet,

Harrten beid' entgegen der Stunde der frohen

Vermählung.

Christel hatt' ihr bereits, zum Pfande der bräutlichen

Treue,

Eine Bibel geschenkt, und ein rothvergoldetes

Psalmbuch;

Und das liebende Mädchen, zur Gegengabe, dem

Jüngling

Einen prunkenden Hut und statliche Bräutigams-

hemde.

Von der Abendkühle des dämmernden Strauches

umsäuselt,

Ruhte das glückliche Paar; indess die Schnitter

und Mädchen

Ihre Kleider suchten, sich haschten, und scherzten

und sangen.

Bald beginnet der Tag des Hochzeitkranzes,

o Hannchen!

Bald, bald nenn' ich dich Weib, und theile die

Sorgen der Wirtschaft,

Hannchen, Hannchen, mit dir! Bewehn die Winde

die Stoppeln,

Rötheln vom bunten Baume die Aepfel uns heller

entgegen;

Dann beginnet der Tag des Hochzeitkranzes,

o Hannchen!

Jede kommende Nacht umschwebt mich dein lächelndes

Bildniss,

Bald im Hochzeitgeschmuck, von rothen Bändern

umflattert,

Bald im Schnitterhütchen, im blauen Kranze der Ernte.

Dann erwach' ich, und hasche dein Bild, und horche

der Grille,

Und ein Seufzer entfliegt zu deiner einsamen Hütte.

Lieber Christel! lispelte Hannchen, und drückt'

ihm die Hände,

Und verstummt' ein Weilchen: o mehr, als Vater

und Mutter,

Lieb' ich dich, Christel, und will, so lang' ich athme,

dich lieben!

Alles wird mir so wehrt, was deine Hände berühren,

Als ein Patengeschenk. Seit du mir die Bibel

geschenkt hast,

Les' ich so fleissig darin, und zeichne die schönen

Geschichten

Von Rebekka, und Rahel, und Judith, mit goldenen

Bildern.

Schon entstieg der freundliche Mond dem Thau-

gewölke,

Und die zitternden Weizenwogen schwammen in

Silber;

Da ergriffen die Schnitter die Sensen, und schäkerten

Christeln

Und sein erröthendes Hannchen aus ihrem trauten

Geschwäze.