Christnacht
Written 1820-01-01 - 1820-01-01
Seraphim'sche Heere,
Schwingt das Goldgefieder
Gott dem Herrn zur Ehre,
Schwebt vom Himmelsthrone
Durchs Gewölk hernieder,
Süße Wiegenlieder
Singt dem Menschensohne!
Was seh ich? Umgaukelt mich Schwindel und Traum?
Ein leuchtender Saum
Durchwebt den azurenen, ewigen Raum,
Es schreitet die Sterne des Himmels entlang,
Mit leisem Gesang,
Der seligen Scharen musikischer Gang.
Die Engel schweben singend
Und spielend durch die Lüfte,
Und spenden süße Düfte,
Die Liljenstäbe schwingend.
Wohlauf, ihr Hirtenknaben,
Es gilt dem Herrn zu dienen,
Es ist ein Stern erschienen,
Ob aller Welt erhaben.
Wie aus des Himmels Toren
Sie tief herab sich neigen!
Laßt Eigentriebe schweigen,
Die Liebe ward geboren!
Fromme Glut entfache
Jedes Herz gelind,
Eilt nach jenem Dache,
Betet an das Kind!
Jener heißerflehte
Hort der Menschen lebt,
Der euch im Gebete
Lange vorgeschwebt.
Traun! Die Macht des Bösen
Sinkt nun fort und fort,
Jener wird erlösen
Durch das Eine Wort.
Preis dem Geborenen
Bringen wir dar,
Preis der erkorenen
Gläubigen Schar.
Engel mit Liljen
Stehn im Azur,
Fromme Vigilien
Singt die Natur:
Der den kristallenen
Himmel vergaß,
Bringt zu Gefallenen
Ewiges Maß!
Schon les ich in den Weiten
Des künft'gen Tages bang,
Ich höre Völker schreiten,
Sie atmen Untergang.
Es naht der müden Erde
Ein frischer Morgen sich,
Auf dieses Kindes „Werde“
Erblüht sie jugendlich.
Vergeßt der Schmerzen jeden,
Vergeßt den tiefen Fall,
Und lebt mit uns im Eden,
Und lebt mit uns im All!